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"Drummen ist Kampfsport" – Die Schlagzeugerin von Hole knüppelt ohne Bandagen

Schlüsselkind, Lesbe, Rockstar: Patty Schemel gibt in einem Auszug aus ihren Memoiren Einblick in ein außergewöhnliches Leben.

von Patty Schemel
10 Dezember 2017, 7:45am

Im Sommer, bevor ich in die sechste Klasse kam, zog Dad aus. Niemand war überrascht, dass meine ältere Schwester, Susan, mit ihm mitging – sie war jetzt ein richtiger Teenager. Larry und ich blieben bei Mom zu Hause. Dad würde mit Susan nach Seattle ziehen, in eine Wohnung, und wir würden ihn an den Wochenenden besuchen. Zumindest war das der Plan. Das größte Trostpflaster bei der ganzen Scheidung war, dass ich Susan nicht mehr ertragen musste und das Zimmer und alle Schubladen in der Kommode für mich hatte. Ich war die Älteste im Haus, jetzt wo sie weg war – also tatsächlich, denn meine Mutter nahm so wenig an unserem Leben teil wie Dad und Susan.

Zum ersten Mal hatte unsere Mutter die Freiheit, ihre eigene innere Revolution zu erleben. Sie musste zwar arbeiten gehen, aber das gefiel ihr offensichtlich viel besser, als bei uns zu Hause zu bleiben und Hausfrau zu spielen. Nun konnte sie sich neu erfinden. Sie fing bei der General Phone Company an (dem Hauptrivalen von Dads Arbeitgeber, Pacific Bell) und wurde für die Anonymen Alkoholiker (AA) politisch aktiv. Innerhalb kurzer Zeit wurde sie zur Beauftragten für den Staat Washington. Deswegen hielt sie oft Reden auf Konferenzen und ließ meinen Bruder und mich übers Wochenende allein, was wir sehr zu schätzen wussten.

Als die Schule im Herbst wieder losging, fing damit auch ein neues Leben an. Ich kam in die Middle School und musste mich zum ersten Mal um mich selbst kümmern. Ich musste meinen Bruder morgens wecken, duschen, etwas essen und es rechtzeitig zur Schule schaffen. Nach der Schule aß ich Doritos, trank Pepsi und schaute die Phil Donahue Show; später machte ich uns in der Mikrowelle Hacksteak-Fertiggerichte. Wenigstens hatten wir immer eine gute Auswahl Fertigessen in der Küche. Mom war gut im Einkaufen – das war ihre Art, sich um uns zu kümmern.

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