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11.000 private Nachrichten öffentlich: Großes Leak bei Wikileaks

Der riesige Datensatz, den jetzt jeder im Netz einsehen kann, offenbart auch abfällige Bemerkungen über unliebsame Journalisten und antisemitische Andeutungen der von Julian Assange geleiteten Plattform.

von Joseph Cox
01 August 2018, 8:54am

Julian Assange spricht im Mai 2017 vom Balkon der Ecuadorianischen Botschaft in London | Foto: Andrew Parsons | imago

Wikileaks ist wohl die bekannteste Enthüllungsplattform der Welt – doch was dort hinter den Kulissen vorgeht, ist weitgehend unbekannt. Die von Julian Assange gegründete Organisation hält sich gerne bedeckt und hat seit Jahren keine Informationen zu den eigenen Finanzen veröffentlicht – obwohl sie Medienberichten zufolge Kryptowährung im Wert von mehreren Millionen Dollar angesammelt hat.

Jetzt wurde der Spieß umgedreht: Emma Best, eine Wikileaks gegenüber kritisch eingestellte Aktivistin, hat nun über 11.000 Twitter-Direktnachrichten der Enthüllungsplattform veröffentlicht.

"Ich finde, dass die hinter verschlossenen Türen gezeigten Einstellungen und Verhaltensweisen von Wikileaks relevant sind", schrieb die Aktivistin, die sich für Informationsfreiheit einsetzt, in einer Twitter-Direktnachricht an die US-Redaktion von Motherboard, "vor allem die Koordination von PR, Propaganda und Troll-Kampagnen durch öffentliche Unterstützer, die angeblich unabhängig von Wikileaks agieren".

Die geleakten Nachrichten stammen aus einen Gruppenchat zwischen dem offiziellen Wikileaks-Twitter-Account und mehreren Unterstützern. In diesem Chat soll Wikileaks Kampagnen gegen Gegner der Plattform koordiniert haben – darunter auch Journalisten. Wie den Nachrichten zu entnehmen ist, machte der offizielle Wikileaks-Account, der von Julian Assange betreut werden soll, teilweise auch antisemitische und transfeindliche Äußerungen.

Der Leak ist offenbar authentisch

Verschiedene Nachrichtenportale wie The Intercept oder The Daily Beast haben bereits über die Leaks aus dem Gruppenchat berichtet. Damals waren die 11.000 Nachrichten aber noch nicht der Öffentlichkeit zugänglich. Jetzt kann sich jede und jeder durch die leicht redigierten Nachrichten scrollen. In einem dazugehörigen Post erklärt Emma Best, sie habe die Nachrichten redigieren müssen, um Privatsphäre und persönliche Informationen "unschuldiger Dritter" zu schützen.

[2016-08-23 04:46:09] Er ist schon immer eine Ratte gewesen.

[2016-08-23 04:46:27] Aber er ist Jude und kümmert sich um die ((()))) Sache.

So lauten zwei Direktnachrichten, die sich auf Raphael Satter beziehen. Der Journalist der Associated Press berichtete, wie Wikileaks unschuldige Bürger in Gefahr gebracht hatte, als die Organisation zahlreiche Daten aus Saudi-Arabien leakte. Im Gegensatz zu den von Emma Best veröffentlichen Daten waren diese nämlich offenbar nicht ausreichend redigiert, um persönliche Informationen zu schützen.

Emma Best hofft, die 11.000 Nachrichten werden helfen, Wikileaks kritisch zu durchleuchten: "Ich glaube, dass uns da noch andere Dinge und kleine Details auffallen werden – auch im Zusammenhang mit größeren Recherchen. Zum Beispiel dazu, wie gewissenhaft Wikileaks die Dinge darstellt."

Kein Kommentar von Wikileaks

Micah Lee, ein Journalist bei The Intercept, berichtete als einer der ersten über die weitergegebenen Privatnachrichten aus dem Wikileaks-Gruppenchat. Gegenüber Motherboard sagte er, dass seine Datensätze die gleichen seien wie die von Emma Best, was die Echtheit des Leaks untermauert.

"Als Emma mich kontaktierte und erzählte, dass die Quelle ihr die gleichen Dokumente geschickt habe, erstellte ich einen Hash meiner originalen HTML-Datei. Und der Hash passte. Emma besitzt also die gleiche Datei wie ich", schrieb Lee in einer Twitter-Nachricht an Motherboard. Bei einem Hash handelt es sich um eine Art Fingerabdruck einer Datei. Wenn die Hashes nicht übereingestimmt hätten, dann wäre das ein Hinweis darauf gewesen, dass jemand die Dateien manipuliert hat.


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Wie Lee berichtet, erhielt er von seiner Quelle eine HTML-Datei der Wikileaks-Privatnachrichten. Dann loggte er sich selbst in den Twitter-Account ein und lud die Nachrichten mit einem Tool herunter. "Ich stellte sicher, dass die Nachrichten echt waren (Twitter selbst hätte sie manipulieren müssen) und dass die Quelle den Inhalt der mir geschickten Kopie nicht verändert hatte", schrieb Lee an Motherboard. Der offizielle Wikileaks-Account hat auf die Bitte einer Stellungnahme noch nicht reagiert.

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