Noisey Guide

Der ultimative Noisey Guide, wie du nicht aufs Nu Forms fahren solltest

Wenn du Lust auf sehr wenige Erinnerungen, Magenauspumpen und ein wahnsinnig verschwendetes Wochenende hast, solltest du dich unbedingt an die folgenden Regeln halten.

von Lennart Bernsdorff
28 Juni 2017, 1:47pm

Header: Foto von Leila Renn | Unten: Fotos vom Autor und VICE-Media

Wir stecken mitten in der Festivalsaison und alle geiern nur darauf, sich wie Hunde im Schlamm zu suhlen und den Alkoholkonsum so dermaßen ins Nirwana zu schrauben, dass man aus den geleerten Dosen ein Floß für die Heimreise basteln kann. Und weißt du was, das soll dir auch vergönnt sein, denn wir haben es uns so verdient, unserem Körper Schlechtes anzutun. Das Nu Forms Festival geht in die nächste Runde und das erweckt die unsterbliche Drum'n'Bass-Szene Österreichs zur Pilgerwanderung an den wahrscheinlich langweiligsten Ort, den man in Österreich findet – Wiesen. Da sich aber nun wirklich sehr sicke Acts an diesen Ort begeben, ist das nachzuvollziehen. Um dich schon präventiv abzusichern, hier ein Auszug der Acts, die du dir anschauen solltest:

Camo & Krooked b2b mit Netsky, Bombaman, Delta Heavy, Emperor, Etherwood, Fred V & Grafix, Hybrid Minds, Ivy Lab und Tempza. Anschauen kann man das gesamte Line-Up hier:

Quelle: Nu Forms

Es ist wirklich wahnsinnig viel guter Shit am Nu Forms und das braucht eine Menge Durchhaltevermögen. Der junge Mensch ist robust und Grenzen sind doch auch irgendwie nur da, um überschritten zu werden. Wovon man jedoch abraten kann, ist dafür ein Menge Anlauf zu nehmen. Für wen sich in einem Krankenhauszimmer aufwachen und nicht zu wissen, wie man dort gelandet ist, nach einem entspannten Wochenendurlaub anhört, der befolge bitte diszipliniert folgenden Codex:

1. Fahr schon unfassbar besoffen hin

Was ist der optimale Ausgangspunkt, um ein Festival zu starten? Die Horizontale. Man kann Spaß ohne Alkohol haben, das auf jeden Fall. Natürlich kann man aber auch Alkohol ohne Spaß haben und diesen Spruch setzen wir uns zur ultimativen Devise. Am besten betonierst du dich schon am Vorabend der Hinfahrt so richtig um. Zähne geputzt wird mit Bier und die Zugfahrt nach Wiesen überbrückt man locker mit ein, zwei Flaschen Weißwein aus dem untersten Regalfach. Wenn schon Scheiße, dann mit Schwung. Wer bei der Ankunft noch stehen kann, hat definitiv alles falsch gemacht.


Die Tipps funktionieren natürlich auch bei anderen Festivals:


2. Vergiss bitte dein Ticket

Beug dich bloß niemals der Bürokratie und schon gar nicht einem geordneten Ticketsystem, wo kämen wir denn hin? Deswegen ist es von unabdingbarer Wichtigkeit, dass du dein Ticket zuhause lässt. OK, vielleicht solltest du es dann doch holen, alleine am Zeltplatz trinken ist irgendwann auch lame. Das Schöne ist, dass du damit nochmal zwei Extrafahrten mit dem Zug ausnutzen kannst, um noch viel unfassbar besoffener am Nu Forms anzukommen.

3. Benutz nicht den eigens eingerichteten Shuttle-Service vom Bahnhof zum Gelände

Von Siegen sind es circa zwei Kilometer zum Festivalgelände. Das klingt jetzt erstmal nach nicht so viel. Und das stimmt, die 2000 Meter sind doch ein Klacks, wäre ja gelacht, wenn man sich dafür in einen Bus setzt, der gratis Chauffeur für diese Strecke spielt. In der prallen Mittagssonne und bepackt wie ein nahöstlicher Bauernesel, macht das eh am meisten Spaß.

4. Komm auf jeden Fall so spät an, dass du keinen Zeltplatz im Wald mehr bekommst

Die Sonne brennt auf das Haupt wie eine Nackenwatsche von Xatar und du tanzt schon so verwirrt, dass die Waldorfschüler denken, dass dein Name Renate ist? Die ganzen Festivalstreber haben den Wald schon mit ihren Wurfzelten bepflastert und die einzigen Plätze, die man noch abgreifen kann, liegen im burgenländischen Brachland? Punkt vier dieser Agenda könnte recht hilfreich bei der Lösung dieses Dilemmas sein.

Brachland wohin man nur blickt.

5. Nimm deswegen sicherheitshalber einfach kein Zelt mit

In weiser Voraussicht sollte man unnötigen Ballast gar nicht erst mit sich herumschleppen. Das stört beim Trinken und lenkt vom eigentlichen Ziel ab – vollkommene Gleichgewichtsdemolierung. Im Hospiz bereiten sie dein Bett sowieso schon vor, wozu also das Zelt?

Wer aus unerfindlichen Gründen sein Zelt doch mitgenommen hat, kann es im Rahmen einer Notfallmaßnahme auch verbrennen.

6. Vergiss jegliche dir bekannte Konsumgrenzen

Jeder, der schon einmal Kettenkarussell gefahren ist, weiß, welche ekstatische Freude das in der Magengegend auslöst. Gut zu wissen, dass man diesen Zustand immer und überall nachmachen kann, man braucht nicht einmal das Kettenkarussell dafür. Um die Fixpunkte deiner Peripherie zu beschleunigen, schadet es natürlich auch nicht, den ein oder anderen Ofen mitzurauchen. Lasst aber bloß die Finger von Amphetaminen, das beendet euren Höhenflug weitaus schneller als erwünscht.

7. Bleib für immer in der Chillout-Area hängen

Es gibt eine kleine Stage, die außerhalb des Festivalgeländes, ganz in der Nähe vom Campinggelände aufgebaut ist. Und da ist es echt mega chillig. Die Wiesen sind grün – wo wenn nicht in Wiesen. Die Sonne steht dort sehr romantisch für immer am Himmel. Und es gibt die bequemsten Europalettenbänke der Welt. Am besten bleibt man einfach dort, damit man so circa jeden Act verpasst, für den man eigentlich erst hingefahren ist.

8. Was ist Wasser?

Weg damit. Bloß die Finger davon lassen. Bier, Wein und Spirituosen haben als Basis ja schließlich auch Wasser, das muss ausreichen. Je mehr man dehydriert, desto realistischer schaut der "used-look" aus. Damit nimmst du den Warda-Fotografen auch die Postproduction ab. #nofilter #ichschauwirklichsoverbrauchtaus

Schau, wie unglücklich der junge Mann in den Sonnenuntergang blickt. Das liegt daran, dass er Wasser trinkt.

9. Habt am letzten Tag Geschlechtsverkehr

Das ist wahrscheinlich eine weitere, goldene Regel für ein Festival. Alle regen sich immer auf, wie Mann und Frau von der Medienwelt unter Druck gesetzt werden, um bestimmten Schönheitsidealen zu entsprechen. Als eindrucksvolles, politisches, wie systemkonträres Statement solltest du deswegen bis zum letzten Tag abwarten, um dir jemanden aufzureißen. Näher kommst du der Natürlichkeit nicht wirklich und wer hat je behauptet, dass ein Zeltboden auf unebenem Gelände keine angenehme Auflagefläche zum Vögeln wäre? Ja genau, nur Mimosen. Also auf in den Kampf von klebrigen Zeltplanen, Platzmangel, Stellungsmangel, dem Gegenteil von Geruchsmangel und unbefriedigender Befriedigung. Dass man danach aussieht, wie als wäre man stundenlang verprügelt worden, ist quasi die Trophäe, die man auch stolz seiner Außenwelt präsentieren sollte.

10. Landet unbedingt im Krankenhaus in Eisenstadt, sehr weiß da

Wenn du dann plötzlich aufwachst, Stimmen um dich herum hörst und dich fragst, warum gerade fremde Menschen in deinem Zimmer sind, weißt du, dass du es mit Bravour über die Ziellinie geschafft hast. Dein Gehirn ist so am Ende, dass es dir vorgaukelt, du würdest in deinem eigenen Bett zuhause aufwachen. Bist du aber nicht. Viel eher bist du in einem Hospital. Aber nicht in Wien – sondern irgendwo am Arsch von Eisenstadt. Die Schläuche und Elektroden, die unter deinem Shirt und aus deinen Armen quellen, schauen eh cool aus.

Wer wollte nicht schonmal Cyborg sein? Wenn du nach der Visite mit ungläubigen Blicken nach Hause geschickt wirst, gibt es noch ein letztes Schmankerl, das sich so richtig auszahlt. Vom Krankenhaus brauchst du nämlich nur entspannte 30 Minuten zum Bahnhof. Dabei kannst du die atemberaubende Szenerie von Eisenstadt begutachten und dich zwischendurch auch mal fragen, ob die hier wissen, wie man Bäume pflanzt. Zu Gesicht bekommt man da wirklich quasi keinen und die Xatar-Sonne ist jetzt nicht barmherziger geworden.


Vice-Video: Auf unbestimmte Zeit eingesperrt


Und jetzt mal ganz kurz Tacheles. Trinken, Kiffen und auch anderer Konsum mag ja eine Menge Spaß machen, aber Übertreiben kann man auch in Maßen. Die Sanitäter und Securitys finden auch nicht immer jeden Bewusstlosen. Wie unrühmlich wäre es auf irgendeinem Festival zu verenden, weil man übermütig war und sich überhaupt nicht unter Kontrolle hatte? Extrem. Wer profitiert davon? Niemand. Die ganzen Chemiker können ihr Zeug bei checkit! anonym, sicher und legal vor Ort überprüfen lassen und dazu rate ich auch. Promillewerte jenseits der Zahl 2,5 haben auch nicht mehr im entferntesten mit Spaß zu tun. Also aufpassen am Nu Forms, ihr Rabauken.

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