9 stinkige Hits, zu denen wir trotzdem immer wieder tanzen

Größer als eure Coolness: Diese Songs sind die Geheimwaffe jedes Dorf- und WG-DJs.

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05 September 2017, 4:24pm

Screenshots von "Pitbull - Timber ft. Ke$ha" vom YouTube-Kanal PitbullVEVO "will.i.am - Scream & Shout ft. Britney Spears" vom YouTube-Kanal williamVEVO

Wisst ihr eigentlich, was den DJ in eurem Kaff-Club oder dem Mainstreamladen eurer Großstadt zu seinem Job verholfen hat? Ratet mal. Dass er sich die iTunes-Charts zieht und runterspielt? Nein. Dass er auch die ganzen kultigen Rave-Tracks aus den Neunzigern spielt? Nein. Dass er eure peinlichsten Lieblingssongs kennt? Nein. Dass er Übergänge draufhat? Haha! Erst recht nicht. Nein, nein, nein. All diese Qualitäten kann euer Wald- und Wiesen-DJ auch haben. Seine Schlüsselqualifikation ist aber eine andere: Er hat immer diese neun Songs parat, von denen immer alle denken, ihre Zeit sei schon lange abgelaufen. Miefige Hits, die vermeintlich auf den Popmüllhaufen gehören, die dann aber doch nicht so uncool sind, dass wir naserümpfend die Tanzfläche räumen. Es sind Songs, deren Interpreten wir nicht mal unbedingt kennen oder mögen, die aber das eine Quäntchen Genialität besitzen, das sie zu wahren Evergreens macht. Es sind Songs, die uns auch mit sieben Drinks im Kopp noch überraschen, ohne dass wir genau sagen könnten, weshalb. Und ja, selbst David Guetta hat so einen.

Glaubt uns, wenn ihr diese Liste bei eurer nächsten Geburtstags- oder WG-Party runterspielt, wird's gut. Auch wenn am nächsten Morgen wieder niemand was davon gewusst haben will.


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1. Pitbull – "Timber feat. Ke$ha"

Dieser freundlichen Mundharmonika kann man nicht den Rücken kehren. Sie ist ein so kleines, unschuldiges Instrument, der geben wir immer gern eine Chance. Dazu dann Kes$ha, die es irgendwie hinbekommt, "You better move / You better dance" so zu singen, dass wir es tatsächlich als Befehl hören. Zumindest unterbewusst. Und dann zappeln wir auch schon am Haken. Pitbull, den eigentlich so unerträglichen Pitbull, überhören wir dann einfach.

2. LMFAO – "Party Rock Anthem ft. Lauren Bennett, GoonRock"

Einer der mülligsten EDM-Popsongs überhaupt. Der Trick bei LMFAO: sie wissen es selbst. Doch anstatt sich in komplett willenlosem Trash zu ergehen, zaubern sie ein Bad-Boy-Statement aus dem Lockenkopf, das diesem Track eine seltsame Art von Street Credibility einfährt: "Everyday I'm Shufflin'". Dieser Satz könnte auch aus irgendeinem Samuel L. Jackson-Film stammen. Sicher ist, hätten sie damals stattdessen "Yolo, Yolo, Yolo, Bro", "Let me take a selfie" oder "Geilon" gesagt, keine Sau würde heute mehr dazu tanzen.

3. will.i.am. ft. Britney Spears – "Scream & Shout"

Neben David Guetta ist will.i.am Schuld an allem. Kann man so stehen lassen. Für dieses Ding müsste man ihm aber fast einen Nobelpreis geben. Einfach den Beat ein bisschen weniger saudumm produzieren und sich Britney einkaufen. Denn im Gegensatz zu Fergie ist Britney eine Popqueen, die sich heute sogar mehr erlauben kann als Madonna. Ähnlich wie bei Pitbull und Ke$ha achten wir dann auch nur auf sie. Ob Will screamen und shouten will, ist uns vollkommen und mit Nachdruck scheißegal.

4. Taio Cruz – "Hangover ft. Flo Rida"

Auch irgendwie richtiger Müll das Ding. Der Trick bei Taio Cruz: Er hat es bei diesem einen Song belassen. Denn anders als beispielsweise will.i.am (der Anti-Ehrenmann), hat Cruz uns nicht 1000 Mal denselben Rotz verticken wollen. Nein, Taio, wer immer er war, ist, oder sein wird, kam nur einmal kurz vorbei, um uns zu stecken: Ich hab 'nen miesen Kater, aber ich sauf halt auch manchmal bis ich alles vollreier. OK, kennt wahrscheinlich jeder. Message ist angekommen, können wir uns mit identifizieren, weiter zum nächsten Song bitte. Sympathisch ist das – trotz Mülligkeit.

5. Far East Movement – "Like A G6 ft. The Cataracs, DEV"

Wie aus Versehen hat das Far East Movement hier im Jahre 2010 eine wirklich sehr anständige Bassline ausgerollt. Und das damals, als die Popwelt geradezu verseucht war von überstulligem EDM-Pop. Darüber hinaus haben sie bei ihrem Rap und DEVs Gesangsparts genau die richtige Mischung gefunden: Turnup, aber bitte alles ein bisschen dezenter. Denn der Beat wird es schon richten. Hat funktioniert. Rein zufällig. Keiner weiß, was die heute alle machen.

6. David Guetta Feat. Kid Cudi – "Memories"

Man muss es ihm lassen, David Guetta hat ab und zu mal einen hellen Moment. Dieser Track hier war einer davon. Was "Memories" so helle macht? Kid Cudi, der den rauen Soul bringt, ein für Guetta-Verhältnisse angenehm stumpfes Keyboard-Thema, und ein großer Diebstahl bei Fatboy Slims Klassiker "Right here, Right Now" für den ... Vibe.


7. Jason Derulo – "Talk Dirty feat. 2 Chainz"

Der orientalische Trompetenbeat / Drop und 2 Chainz lassen uns mal kurz vergessen, dass Jason Derulo eigentlich dieser etwas unangenehme Typ ist, der uns drei Stunden auf seiner Satinbettwäsche die Füße massiert, um uns dann ins Ohr zu hauchen: "Sorry, but you are too fat for this." Dann lieber ne Runde Basketball mit Atze 2 Chainz!


8. M.I.A. – "Paper Planes"

Wisst ihr, warum "Paper Planes" von M.I.A. nie im Radio läuft und auch bestimmt nicht auf eurer Spotify-Playliste rotiert? WEIL DIESER SONG EINE GOTTVERDAMMTE NERVENSÄGE IST! Eigentlich. Im Club dagegen suggeriert dieser Track dem schon leicht müden Publikum, dass es draußen langsam hell wird, dass es Zeit ist für After Hour, dass es nach dem großen Turnup jetzt mal kurz Zeit für den milchig-warmen Comedown ist. Dieser Song hat etwas Heimeliges. Kein Plan, warum.

9. Maroon 5 – "Moves Like Jagger ft. Christina Aguilera"

Kleiner Tipp zum Schluss: Wenn euch euer Körper um vier Uhr morgens dazu nötigt, die letzten sieben Jägermeister wieder auszuwürgen, dann solltet ihr vorher schnell zum WG- oder Club-DJ rennen und euch diesen Song dazu wünschen. Es hilft. Auch hier: Kein Plan, warum.

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