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Warum in Pornos so oft Frauen als Gamerinnen auftauchen

Wer findet es hot, wenn Frauen beim Sex einen Controller in der Hand haben – und mit was schlagen sich Darstellerinnen von Gamer-Girl-Porn herum? Einblicke in ein spezielles Video-Genre.

von Samantha Cole
07 Dezember 2018, 7:16am

Bild: shutterstock | file404

Die Pornodarstellerin Miss Banana spielt in einem Clip God of War , während sie einem Typen einen bläst. Die Suchanfrage "Gamer Girl" liefert auf der Pornoseite Pornhub mehr als 1.500 Ergebnisse. Es scheint, Pornos mit Gamerinnen sind ein Ding – passend zur goldenen Internetregel, die besagt: Wenn es existiert, dann gibt es davon auch Pornographie.

Andere Gamerinnen-Pornos zeigen eine moderne Version vom Blick durchs Schlüsselloch: wenn Gamerinnen vermeintlich vergessen haben, ihre Webcam nach dem Twitch-Stream auszuschalten und der Zuschauer sie beim Sex beobachtet. Das wirft die Frage auf, ob Gamer-Girl-Porn nur ein weiteres Genre ist, in dem Menschen mit bestimmten Tätigkeiten und Geschlechterrollen fetischisiert werden, ähnlich wie Krankenschwestern, Feuerwehrmänner, Sekretärinnen.

Oder setzt sich in diesen Pornos die Diskriminierung von Frauen in der Gaming-Community fort, über die unter anderem Motherboard oft berichtet hat? Wir haben mit Sozialwissenschaftlerinnen darüber gesprochen, was der Porno-Trend über die Gaming-Kultur aussagt; und Pornodarstellerinnen haben uns erzählt, wie ihre Arbeit in der Community ankommt.

Pornofans werfen Darstellerinnen vor, keine "echten" Gamerinnen zu sein

"Jede Darstellung, die Frauen in nicht-traditionellen Rollen zeigt, hat einen gewissen kulturellen Wert", sagt die Soziologin und Games-Autorin Katherine Cross gegenüber Motherboard. "Es ist allerdings bedenklich, wenn Frauen in diesen Rollen ausschließlich als Sexobjekte dargestellt werden." Pornos mit Gamerinnen fallen Cross zufolge in beide Kategorien. Das Gamer Girl sei ein fast schon mystischer Fetisch, den es schon lange gebe, selbst bei den frauenfeindlichsten Gamern. "Sie sind Objekt der Begierde und zugleich ein Mythos, der in keinem Bezug zur Realität steht", erklärt Cross.

Die Pornodarstellerin Janice Griffith hat in ihren Videos schon oft eine Gamerin gespielt. Sie glaubt, Männer sind vor allem von Gamer Girls fasziniert, weil sich Frauen einem alten Klischee zufolge nicht für Videospiele interessieren würden. Diese Vorstellung werde dann hypersexualisiert. Viele Männer, die Videospiele lieben, "fantasieren von einer attraktiven Frau, die ihre Interessen teilt".

"Dominanz spielt bei diesem Fetisch eine große Rolle"

Griffith sagt, viele Fans würden ihre Videos als Gamer Girl lieben. Einige seien aber pedantisch, wenn es um Details geht: Sie würden verlangen, dass sie Xbox statt Playstation spielt oder kritisieren, dass der Controller in einigen Szenen nicht zu sehen ist. Manche würden ihr auch vorwerfen, "fake" zu sein, weil sie sich während des Sexs nicht genug auf das Spiel konzentriere.

"Ich sage ganz offen, dass ich für den Porno nur so tue, als ob ich spiele", sagt Griffith. "Die meisten Menschen stört das nicht, sie finden es heiß. Aber ein paar Gamer Bros beschimpfen mich trotzdem als Fake." Indem sie Frauen pauschal unterstellen, sich nicht wirklich für Gaming zu interessieren, würden diese Männer Frauen aus der Szene drängen, meint Griffith. Auch die Darstellerin Banana Girl sagte gegenüber Motherboard, Männer würden ihr vorwerfen, dass sie in den Szenen gar nicht wirklich spiele.

Playmate Pamela Horton, die 2013 die Playboy-Reihe "Gamer Next Door" hostete, kennt dieses Problem gut. Die leidenschaftliche Gamerin sagte gegenüber dem Online-Magazin Engadget, dass sie sich sowohl in der Erotikbranche als auch in der Gaming-Community immer wieder beweisen müsse.

Gamer-Girl-Porn sagt etwas über die Vorstellung von Männlichkeit aus

Tom Apperley, Professor für digitale Bildung an der australischen Deakin Universität in Melbourne, erklärt: Bei Gamer-Girl-Pornos gehe es nicht nur um Frauen, die auf Videospiele stehen. Das Genre unterstreiche auch "die Alltäglichkeit des Gaming", sagt Apperley im Gespräch mit Motherboard. Gaming werde als eine neue Form von Intimität dargestellt, die im Gegensatz zum Stereotyp des isolierten, unsozialen Nerds stehe.

"In gewisser Hinsicht spiegelt Gamer-Girl-Porn wider, wie sich die Vorstellung von Männlichkeit wandelt", sagt Apperley. Außerdem sei es eine moderne Version der Fantasie vom "Mädchen nebenan".


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Das Gamer Girl in den Pornos ist genauso zugänglich wie das Mädchen von nebenan und oft ihren (meist männlichen) Partnern ausgeliefert. "Dominanz spielt bei diesem Fetisch eine große Rolle", sagt die Soziologin Cross. "Das 'Gamer/Nerd Girl' mag intelligent sein, aber sie bleibt auch unterwürfig und gefügig. Sie weiß, wer der Boss ist."

Cross spricht auch das kontroverse Gedicht "Nerd Porn Auteur" von Ernest Cline an, dem Autor von Ready Player One . In dem Gedicht beschreibt er seine ideale Gamerin als intelligente Frau, die den leidenschaftlichen Sex mit ihrem Partner unterbricht, damit sie Battlestar Galactica nicht verpassen. "Der Fetisch handelt von einer Frau, deren Vorlieben nur die Vorlieben ihres Partners in einem positiven Licht reflektieren."

Neben den vielen heteronormativen Videos gibt es auch einige lesbische und queere Gamer-Pornos. Als Beispiel nennt Cross eine treue Fangemeinde, die die Spielheldin namens D.Va aus dem Multiplayerspiel Overwatch in eine Chips-liebende Gamerin verwandeln. Viele dieser Interpretationen richten sich laut Cross an LGBTQ-Fans des Games. "Das geht über die Fantasien von Männern heraus, die sich eine absolut willige Freundin wünschen."

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Dieser Artikel ist zuerst auf der englischsprachigen Seite von Motherboard erschienen.