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Warum Online-Trolle häufiger männlich sind

Eine neue Studie stellt zum ersten Mal eine Verbindung zwischen Trollen und einem ganz bestimmten Persönlichkeitsmerkmal her.
20.9.17
Foto: xNickxLowndesx | imago

Männer werden mit höherer Wahrscheinlichkeit zu Online-Trollen und Mobbern – und das liegt vielleicht daran, dass viele von ihnen im Kern Narzissten sind.

Wissenschaftlerinnen der Londoner Universitäten Goldsmiths und Brunel haben in einer neuen Studie einen Zusammenhang zwischen Narzissmus und antisozialem Internetverhalten dargelegt. Nelli Ferenczia,Tara C.Marshall und Kathrine Bejanyan fanden heraus, dass Männer im Vergleich zu Frauen weitaus motivierter sind, über Facebook Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen und andere zu mobben. Grund dafür könnte sein, dass Männer narzisstischer sind. Den Autorinnen zufolge ist dies die erste Studie, die eine Verbindung zwischen dem psychologischen Merkmal und Trollen herstellt.

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"Weil wir im Anschluss an vergangene Forschungspublikationen selbst im Internet getrollt wurden, haben wir angefangen, uns für dieses Feld zu interessieren", erklärt Dr. Nelli Ferenczi von der Goldsmiths University. "Deswegen haben wir uns gefragt, ob Männer eher trollen als Frauen und warum das so ist."

Im Rahmen der Studie nahmen 537 Teilnehmer an einer Online-Umfrage teil, in der sie sich auf einer 13-Punkte Skala zu narzisstischen Persönlichkeitseigenschaften einschätzen sollten. Außerdem wurden sie zu ihren zwischenmenschlichen Beziehungen und zu ihrer Facebook-Nutzung befragt – darunter auch, ob sie das soziale Netzwerk dazu genutzt hätten, sich selbst zu überhöhen oder andere anzugreifen.


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Während Frauen Facebook eher für prosoziale Zwecke nutzen – etwa, um Kontakte zu pflegen oder sich anderen näher zu fühlen –, zeigte die Studie, dass Männer tendenziell eher dazu bereit sind, Facebook antisozial zu nutzen. "Auch Frauen trollen, aber anscheinend nicht so häufig wie Männer", sagt Ferenczi.

Bereits in der Vergangenheit hatten Untersuchungen gezeigt, dass Männer auf der Narzissmusskala konstant höhere Werte erreichen als Frauen. Auch die Untersuchung der Forscherinnen bestätigte das, konnte aber eben auch zeigen, dass männliche Facebook-Nutzer die Plattform eben häufiger missbrauchen, um sich über andere zu stellen oder andere fertigzumachen. Und das hängt durchaus zusammen.

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"Menschen mit narzisstischen Tendenzen reagieren womöglich heftiger auf Kommentare, die sie als negativ wahrnehmen", erklärt Ferenczi. "Sie verhalten sich gegebenenfalls auch feindselig, weil sie eher zu Aggressionen und manipulativem Verhalten neigen. Hinter dem feindseligen Verhalten könnte der Versuch stehen, dadurch die eigene Macht und das Selbstbewusstsein wieder herzustellen. Einige Untersuchungen weisen darauf hin, dass Narzissmus mit einem Drang zu negativem sozialen Einfluss und Macht in Zusammenhang steht, was in gewissem Grad auch den Reiz feindseliger Aufmerksamkeit ausmacht."

Denk also dran: Wenn dich das nächste Mal ein Typ online trollt, ist er wahrscheinlich nur ein wütender Narzisst, der verzweifelt nach Aufmerksamkeit sucht.

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