Kunst

Muslimische Künstlerinnen malen ihre Heldinnen

Diese Illustrationen zeigen die Vorbildfunktion, die viele Musliminnen für junge Frauen haben – egal ob politische Aktivistin oder Großmutter.

von Leila Ettachfini
29 März 2018, 6:00am

Taraneh Alidoosti | Illustration: Asli Yazan

Vor ungefähr einem Jahr, am 27. März 2017, startete die Seite MuslimGirl den ersten offiziellen Musliminnentag. Das Ziel: Eine Art Präzedenzfall dafür zu schaffen, wie muslimische Frauen in den Mainstream-Medien dargestellt werden, wie Gründerin Amani Al-Khatahtbeh gegenüber CNN erklärte. "Der Musliminnentag soll dazu aufrufen, für einen Tag die Stimmen muslimischer Frauen in den Mittelpunkt zu stellen. Uns zu bestärken und das Internet mit neuen, positiven und diversen Geschichten und muslimischen Stimmen zu fluten."

Natürlich ist es schade, dass es einen ausgeschriebenen Tag für etwas braucht, damit sich viele Menschen überhaupt erst bewusst machen, dass unsere Gesellschaft noch lange nicht so inklusiv und offen ist, wie wir gerne glauben. So ist ein Tag, der eine ganz bestimmte Bevölkerungsgruppe in den Mittelpunkt stellen soll, oftmals vor allem eines: eine schmerzhafte Erinnerung daran, dass ihre Geschichten immer noch viel zu wenig gehört werden.

Deswegen haben wir fünf muslimische Künstlerinnen aus der ganzen Welt darum gebeten, die Musliminnen zu malen, die für sie echte Heldinnen sind. Und sie haben sich nicht lange bitten lassen.

Taraneh Alidoosti von Asli Yazan

Taraneh Alidoosti ist eine der bekanntesten Schauspielerinnen im Iran. Unter anderem spielte sie in The Salesman und Alles über Elly mit, bei denen der iranische Oscar-Preisträger Asghar Farhadi Regie führte. Seit ihrem Durchbruch nutzt Alidoosti ihre Bekanntheit dazu, auf Themen aufmerksam zu machen, die ihr wichtig sind. Bei einer Pressekonferenz in Teheran trug sie ein feministisches Tattoo, die Oscar-Verleihung boykottierte sie, um gegen Donald Trumps Einreiseverbot für Muslime zu protestieren.

Die türkische Illustratorin Asli Yazan entschied sich für ein Bild der Schauspielerin, weil sie “starke Frauencharaktere, die das gesellschaftspolitische System des Irans in Frage stellen” spielt – und selbst eine von ihnen ist.

Mehr von Asli Yazan findet ihr hier.

Silya Ziani von Merieme Mesfioui

Letztes Jahr kam es zu einem tragischen Tod in der marokkanischen Küstenstadt Al Hoceïma: Beamte konfiszierten die Ware des Fischhändlers Mouhcine Fikri und warfen sie in einen Müllwagen. Als der verzweifelte Mann hinterher sprang, wurde er von einer Müllpresse zerquetscht.

Fikris Tod sorgte für einen Aufschrei innerhalb der Bevölkerung. Tausende Menschen gingen auf die Straße und forderten Gerechtigkeit für den Mann. Viele von ihnen sehen in ihm ein Opfer polizeilicher Willkür. Auch die 23-Jährige Sängerin und Studentin Silya Ziani schloss sich den Protesten an und wurde zu einer der führenden Figuren einer Bewegung, die als Al Hirak al Chaabi bekannt wurde. Für ihr Engagement wurden sie und viele andere verhaftet, Ziani wurde als eine von wenigen wieder freigesprochen. Die bekannte Sängerin war zum Symbol des Widerstands geworden, diesem Druck musste schließlich auch die Regierung nachgeben.

“Ich habe Ziani ausgewählt, weil sie ein echtes Vorbild für die Jugend Marokkos ist”, sagt die marokkanische Künstlerin Merieme Mesfioui. “Ihr Mut und ihre Unnachgiebigkeit sind inspirierend. Selbst im Gefängnis hat sie noch weitergekämpft. Sie verdient es, für ihren Aktivismus gefeiert zu werden und ich hoffe, dass mehr Mädchen die Kraft finden, so furchtlos zu kämpfen wie sie.”

Mehr von Merieme Mesfioui findet ihr hier.

Iqbal Begum von Ayqa Khan (ihrer Enkelin)

Die Künstlerin Ayqa Khan hat sich dafür entschieden, eine Heldin aus ihrem ganz persönlichen Umfeld zu porträtieren: Ihre Großmutter. “Ich sehe zu meiner Oma auf, weil sie für mich Werte vertritt, die es in unserer Gesellschaft fast gar nicht mehr gibt”, sagt die New Yorkerin. Werte, die sie für elementar wichtig hält, um mit sich selbst im Reinen zu sein. “Ich glaube, dass es in unserer hochfunktionalen kapitalistischen Welt kaum noch möglich ist, in sich zu ruhen. Oft geht es mir schlecht, weil mir klar wird, wie weit ich mich sowohl räumlich als auch spirituell von meinen Vorfahren entfernt habe.”

“Wenn ich meine Oma sehe, fühle ich mich wieder geerdet. Sie hat sich ihr ganzes Leben lang um die Leute gekümmert, die ihr am nächsten waren. Sie glaubt, dass es wichtig ist, das zu tun, was sich moralisch richtig anfühlt. Und sie ist überzeugt, dass man auch dann geben sollte, wenn man selbst nichts hat. Die Welt wird es einem irgendwann zurückgeben. Ich habe immer bewundert, wie sie sich auf den Tag vorbereitet – selbst dann, wenn sie das Haus nicht verlässt. Sie pflegt sich für sich selbst und ihre Familie. Ich wünschte, ich könnte sie öfter sehen, aber sie hat mir in unserer gemeinsamen Zeit schon so viel über das Leben beigebracht, dass ich mir sicher bin: Ich werde es nie vergessen.”

Mehr von Ayqa Khan findet ihr hier.

Asma Jahangir von Nashra Balagamwala

Nashra Balagamwala aus Pakistan hat für ihr Werk Asma Jahangir ausgewählt. Die Menschenrechtsanwältin verstarb im Februar und ist für die Künstlerin eine Frau mit eisernem Willen – und eine der inspirierendsten Musliminnen, von denen sie je gehört hat.

"Asma Jahangir legte offen, was es bedeutet, als Frau in Pakistan zu leben. Sie hat ihr Leben lang für die Bedürftigen gekämpft. Sie ist eine echte Kämpferin und hat trotz starkem Gegenwind und schweren Drohungen niemals aufgegeben. Ihre Stärke gibt uns den Mut, gegen die frauenfeindlichen Traditionen in unserer Heimat aufzubegehren.”

“Wir haben dieses Jahr vielleicht unsere Heldin verloren, aber wir werden die Erinnerung an sie immer in unserem Herzen tragen. Ihre Furchtlosigkeit wird mich weiterhin inspirieren.”

Mehr von Nashra Balagamwala's findet ihr hier.

Samira Kanji von Farida Zaman

Farida Zaman lebt in Kanada und hat mit ihrer Illustration Samira Kanji ein künstlerisches Denkmal gesetzt. Ihre muslimische Heldin ist Präsidentin und Geschäftsführerin des Noor Cultural Centers in Toronto, das es sich zur Aufgabe gemacht hat, die breite Öffentlichkeit für die “Diversität und Schönheit des kulturellen Erbes in der islamischen Welt” zu begeistern.

"Samira Kanji ist wegen ihrer progressiven Einstellung gegenüber dem Islam ein echtes Vorbild für Musliminnen”, sagt Zamam. “Sie wehrt sich erfolgreich gegen die Vorurteile gegenüber der Religion und ihrer patriarchalen Kultur. Im Noor Cultural Center beten Männer und Frauen Seite an Seite. Alle Menschen sind Willkommen, unabhängig von ihrer Religion oder ihrem kulturen Hintergrund. Samira ermutigt Musliminnen und Muslime dazu, Einigkeit und Gemeinschaft in den Vordergrund zu stellen.”

Mehr von Farida Zaman findet ihr hier.

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