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Nach 12 Jahren ist das Geheimnis um die mysteriöse Tür in Tibia endlich gelüftet

Nur ein Spieler hatte die Tür vor dem jetzigen Helden erreicht – doch bevor er verriet, was dahintersteckt, verschwand er spurlos. Diesmal freut sich die Community über mehr Erkenntnisse.

von Patrick Klepek
30 Juni 2017, 1:11pm

Bild mit freundlicher Genehmigung von CipSoft

Zwölf Jahre lang rätselte die Gaming-Welt, was sich wohl hinter der mysteriösen Tür im Online-Rollenspiel Tibia verbirgt. Nur zwei Dinge waren über die Tür bekannt. Erstens: Um sie zu passieren, müssen Spieler Level 999 erreichen. Zweitens: Die Tür sollte ein Portal sein. Doch in welche wundersame Welt und zu welchen Reichtümern es den Spieler teleportieren würde, wusste niemand – bis jetzt. Denn letzte Woche hat jemand das geschafft, was eingeschworene Tibia-Fans und neugierige Außenstehende seit Jahren in den Wahnsinn treibt: Die geheimste Tür von Tibia wurde geöffnet.

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Auf Twitch hielten 15.000 Zuschauer den Atem an, als das Rätsel endlich gelöst wurde:

Auf der anderen Seite des Portals befindet sich eine kleine Insel mit Sandstränden und Palmen. Man trifft auf Charaktere, mit denen man reden und Geld tauschen kann. Eine außergewöhnliche Überraschung sieht man auf den ersten Blick nicht.

Schon einmal wurde die Tür geöffnet – doch der Spieler verschwand spurlos

Schon lange haben sich Spieler an der Tür vergeblich die Zähne ausgebissen: Tatsächlich führte die Tür eine zeitlang ins Nichts. Doch die Spielemacher änderten diese Regel schließlich und nach neun Jahren harter Arbeit gelang es einem Spieler namens Kharsek endlich, die Tür zu öffnen.

Nun hätte die Community eigentlich die heiß ersehnte Antwort auf ihre Frage bekommen können, doch es gab ein kleines Problem: Kharsek durchschritt zwar die Tür, weigerte sich jedoch, das Geheimnis dahinter, preis zu geben. Er verschwand einfach von der Bildfläche und bewahrte trotz der großen Aufmerksamkeit Stillschweigen. Die Spieleentwickler akzeptieren seine Entscheidung und schwiegen ebenfalls. Das Mysterium um die Tür blieb weiter ungelöst.

Gamer Dev onica möchte aus seinem Erfolg Gewinn schlagen

Einige Monate später gelang es einem weiteren Spieler, Level 999 zu erreichen: Dev onica. Er versprach der neugierigen Community, was Kharsek ihnen verwehrt hatte: Er wollte ihnen zeigen, was sich hinter der Tür verbarg. Doch Dev onica versuchte, aus der Neugier seines Publikums Gewinn zu schlagen und forderte im Gegenzug für die Informationen Geld. Mit dieser Geschäftsidee brachte er einen großen Teil der anderen Spieler gegen sich auf, die der Meinung waren, dass Dev onica die Situation ausnutzte und gar nicht beabsichtigte, das Rätsel tatsächlich zu lösen.

Denn Dev onica ist in der Tibia-Szene nicht gerade für seine weiße Weste bekannt: "Warum sollte ihm jemand nach all den Dingern, die er schon abgezogen hat, glauben, dass er das Geheimnis lüften wird, nachdem er sein Spendenziel erreicht hat?", stellte Mathias Bynens bereits im Mai die Glaubwürdigkeit des Gamers in Frage."Das Geheimnis für sich zu behalten, ist eine Sache. Doch monatelang zu versprechen, das Geheimnis zu lüften, und dann einen Rückzieher zu machen, ist eine ganz andere Nummer", fügt der Betreiber von TibiaMaps, einem Blog, der die fortlaufenden Änderungen in Tibia dokumentiert, hinzu.

Doch die Kritiker hatten sich geirrt. Dev onica, der inzwischen Level 1001 erreicht hat, trat tatsächlich durch die Tür. Das bestätigte uns auch der Spieleentwickler CipSoft: "Wir werden nichts kommentieren, was mit dem Inhalt zu tun hat, aber wir können bestätigen, dass Dev onica durch die Tür gegangen ist." Zugegebenermaßen versuchte Dev onica bis zum Schluss, Geld für einen Urlaub zu sammeln – doch mit dem einen US-Dollar, den er bis zum Zeitpunkt der Schwellenüberschreitung eingenommen hatte, wird er vermutlich nicht sehr weit kommen.

Die Tür, die eigentlich niemals existieren sollte

Dev onicas Enthüllung scheint eine Theorie der Tibia-Community zu bestätigen, die sich seit Jahren hartnäckig hält. Dabei geht es um einen Ort namens Schrödinger's Island. Diese Insel war auf einer Tibia-Landkarte verzeichnet, die vor einigen Jahren auf den Fanseiten die Runde machte. Vieles deutete darauf hin, dass diese Insel Teil des Spiels werden würde, doch in späteren Versionen war die Insel plötzlich wie vom Erdboden verschluckt. Nun scheint die Tür zu eben dieser Insel zu führen.

Ursprünglich war die Tür als Insider-Witz gedacht. Sie sollte nie zu einer echten Belohnung führen, da die Spieleentwickler nicht dachten, dass tatsächlich jemand Level 999 erreichen würde. Doch als die Entwickler merkten, dass das Spiel immer mehr treue Fans gewann, dämmerte ihnen, dass ihr ursprünglicher Scherz gar nicht mehr so lächerlich war.


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"Die Tür wurde hauptsächlich hinzugefügt, um die Spieler ein wenig zu ärgern. Die Entwickler dachten nicht ernsthaft, dass ein Spieler dieses Level erreichen könnte", erklärte uns der Tibia-Projektleiter Martin Eglseder vergangenen August.

Doch auch, wenn die hartnäckigen Gamer die Erwartungen von CipSoft weit übertroffen haben, wird es trotzdem nur einer Handvoll von ihnen gelingen, Level 999 zu knacken.

Auf die Euphorie folgt Ernüchterung

Allerdings sind nicht alle Zuschauer restlos von dem begeistert, was Dev onicas Entdeckung enthüllt: Viele Gamer hatten nach einem Jahrzehnt des Mitfieberns einfach mehr erwartet.

"Die ganze Sache ist etwas enttäuschend", meint auch Bynens. "Viele Spieler hatten erwartet, dass die Tür dich zu einem starken Endgegner teleportiert, den du besiegen musst. Oder zu einer Schatzkammer, in der es nützliche Gegenstände gibt, die man sonst nicht bekommt. Stattdessen scheint es hier nur ein paar Charaktere zu geben, die dir einen gravierten goldenen Pokal überreichen und dir zum Erreichen von Level 999 gratulieren."

Auch der Entwickler Eglseder kann nachvollziehen, dass einige Spieler nun enttäuscht sind: "Ein Geheimnis, dass es schon so lange gibt und dass von den Spielern über Jahre hinweg weiter befeuert wurde, kann gar nicht gelüftet werden, ohne dass es auch enttäuschte Gesichter gibt", erklärte Eglseder vergangenen Sommer. "Man kann unmöglich alle unterschiedlichen Hoffnungen und Erwartungen erfüllen, die Spieler an dieses Geheimnis knüpfen. Egal was man tut, man kann niemals alle zufrieden stellen."

Dev onica hat auf unsere Anfrage nicht reagiert.

Dieser Artikel ist zuerst bei Waypoint erschienen. Die ungekürzte Originalversion findet ihr hier .

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