Diese Studie zeigt, warum Cannabis oft gar nicht entspannend wirkt

Angstattacke statt gechilltem High: Schuld daran hat weder die Sorte Gras noch wie du gerade sonst so emotional drauf bist.

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07 Juli 2017, 2:30am

Foto: Imago | Future Image

Viele Menschen kiffen, um nach einem stressigen Tag runterzukommen. Andere lassen lieber die Finger davon, weil es ihnen dann noch schlechter geht. Sie bekommen Panikattacken und Angstzustände. Um herauszufinden, was wirklich stimmt, hat sich eine neue Studie der University of Illinios deshalb das Zusammenspiel von Cannabis und Stress angeschaut. Das Ergebnis: Die Formel Kiffen = Entspannung geht nicht immer auf. Das liegt aber nicht an der Sorte oder deiner eigenen Verfassung an. Sondern an der Menge.

So sind die Neurowissenschaftler vorgegangen: Sie verabreichten 42 Testpersonen zwischen 18 und 40, alle Gelegenheitskiffer, unterschiedliche Mengen THC. Die einen bekamen eine Tablette mit 7,5 Milligramm, andere 12,5 Milligramm und die restlichen ein Placebo. Die Menge der ersten Gruppe entspricht wenigen Zügen an einem Joint und reicht nicht, um stoned zu werden. Bei der zweiten hingegen würde sich laut den Wissenschaftlern ein "mildes High-Gefühl" einstellen.

Nach mehreren Stunden Ruhephase sollten die Teilnehmer Aufgaben lösen – mit unterschiedlichen Belastungsgraden. Aufgabe eins: Gespräch mit einem Versuchsleiter über Lieblingsfilme und -bücher, danach eine Runde Kartenspielen. Aufgabe zwei: ein Vorstellungsgespräch vor einer Videokamera, danach ein Mathetest.

Bei der Placebo-Gruppe schnellten nicht nur während, sondern auch vor und auch nach den belastenden Aufgaben Herzfrequenz, Blutdruck und Kortisolspiegel in die Höhe. Teilnehmer, die THC genommen hatten, hingegen wiesen körperliche Anzeichen für Angst auf.

Das subjektive Befinden unterschied sich je nach Dosis deutlich: Die mit weniger THC fühlten sich insgesamt entspannter. Nicht so die Höherdosierten, bei der Testgruppe mit 12,5 Milligramm verschlechterten sich Laune und Stimmung vor, nach und während der stressigen Situationen. Schon im Voraus bewerteten sie die anstehenden Aufgaben negativer als die anderen beiden Gruppen. "Herausfordernd" und "angsteinflößend" waren die Worte, mit denen sie das anstehende Vorstellungsgespräch beschrieben. Die Gruppe benötigte außerdem mehr Pausen während der Tests.

Auch wenn man anderes vermuten mag, es gibt kaum offizielle Cannabis-Studien – gerade in Deutschland. Erst Ende letzten Jahres verbot das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) eine wissenschaftliche Langzeitstudie: Für diese hätten 25.000 gesunde Studienteilnehmer jahrelang regelmäßig Cannabis rauchen sollen. Dass die Studie nicht stattfindet, spielt vor allem Legalisierungsgegnern in die Hände. Ihr zentrales Argument lautet, dass Langzeitschäden nicht absehbar seien.

Was wir jetzt immerhin wissen: Wer sich vor lauter Aufregung darüber (und über anderen Scheiß) einen Joint zum Runterkommen dreht, der sollte bei der Dosierung besser nicht übertreiben.

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