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nachtleben

2017 wurden in der Berliner Clubszene 25 Prozent mehr Straftaten begangen

Die Zahlen beziehen sich allerdings nur auf zehn Clubs. Die kennt dafür jeder.

von VICE Staff
30 Oktober 2018, 12:17pm

Foto Berghain: imago | Steinach || Foto Polizeimütze: imago | photothek || Collage: VICE

Dass das Berliner Nachtleben nicht gerade einen Hort der Sicherheit darstellt, zeigte sich schon im Januar 2017. Damals fanden Ermittler heraus, dass der Attentäter vom Berliner Breitscheidplatz, Anis Amri, nicht nur ein radikaler Salafist war – sondern auch Drogendealer, der in Kreuzberger Nachtclubs Ecstasy vertickte und Diebstähle beging. Wer aber glaubt, dass das Berliner Nachtleben seitdem gefahrenloser geworden ist, irrt. Im Gegenteil: Das Nachtleben in der Hauptstadt ist 2017 im Vergleich zum Jahr davor unsicherer geworden – was bestimmte Gegenden betrifft.

Das geht aus einer Antwort des Innensenators auf die Anfrage "Sicher durch die Nacht I" des Berliner FDP-Abgeordneten Marcel Luthe hervor. Luthe wollte wissen, wie sich die Zahl von Delikten in und um zehn Berliner Nachtclubs zwischen 2014 bis 2017 entwickelt hat. Der Innensenat antwortete, dass 2017 insgesamt 586 Straftaten erfasst wurden. Das entspricht einem Anstieg von 115 Delikten und fast 25 Prozent im Vergleich zu 2016.

Der Anstieg ist jedoch nicht gleich verteilt: Bei Clubs wie dem Kater Blau (von 40 im Jahr 2016 auf 82 ein Jahr später), The Pearl (von 74 auf 119), Golden Gate (von 5 auf 21) oder Watergate (von 80 auf 104) sind mehr Straftaten begangen worden. Beim Berghain hingegen ist ein Rückgang von Straftaten zu beobachten (von 49 auf 36). Zu den erfassten Delikten zählen etwa Diebstahl und Beleidigung, aber auch Körperverletzung, Raub oder Sexualdelikte. Unter der Adresse des ://about blank waren gar keine Straftaten aufgenommen.

Aus der Anfrage geht außerdem hervor, dass es 2017 zu mehr Polizeieinsätzen kam. Demnach mussten Einsatzkräfte im vergangenen Jahr 245 Mal ausrücken, 2016 kam es nur zu 182 Einsätzen. Ganze 58 Mal mussten Polizisten 2017 dabei zum Kater Blau, kein einziges Mal zum ://about blank.

Die Daten müssen mit Vorsicht genossen werden. Zum einen beschränken sie sich nicht auf Abend- und Nachtzeiten oder die Wochenenden. Das heißt, die Taten müssen sich nicht zwingend während des Clubbetriebs ereignet haben. Zum anderen wurden die Straftaten für die jeweiligen Adressen und nicht für die Clubs selbst erfasst. Die Innenverwaltung dazu in ihrer Antwort: "Diese Straftaten müssen jedoch nicht zwingend einen Bezug zu der jeweiligen Örtlichkeit haben." Sie können also auch außerhalb der Clubs in unmittelbarer Nähe passiert sein.


Auch bei VICE: Die Wahrheit über Ecstasy


"Ziel der Anfrage war es zu prüfen, ob sich die Sicherheit im Nachtleben verschlechtert hat", sagte Marcel Luthe gegenüber VICE, "und die Antwort des Innensenats zeigt, dass sich die Entwicklungen in Nachtclubs mit der Polizeilichen Kriminalitätsstatistik (PKS) decken – also das Nachtleben insgesamt unsicherer geworden ist."

Diese Entwicklungen seien auch die "Spätfolgen des Party-Bürgermeisters Wowereit" und seiner Kürzungen bei der Sicherheit. Die Berliner Politik müsse die Polizei in die Lage versetzen, einsatzfähiger zu werden. Es gebe schließlich genug Polizeivollzugsbeamte und -beamtinnen, viele jedoch, so Luthe, "sind für Raum- und Urlaubsplanung oder das Abtippen von Protokollen zuständig, anstatt sich der Sicherheit im öffentlichen Raum zu widmen".

"Das sind die Spätfolgen des Party-Bürgermeisters Klaus Wowereit." – Marcel Luthe (FDP), der die Anfrage gestellt hat

Es stellt sich allerdings die Frage, ob das Jahr 2017 nicht ein statistischer Ausreißer war. Aus der Antwort des Innensenats geht hervor: Die Daten schwanken enorm. Während 2014 und 2016 noch auf einem ähnlich niedrigen Niveau lagen, war das Jahr 2015 rund um die genannten Berliner Nachtclubs noch unsicherer als 2017. Damals wurden insgesamt 599 Delikte begangen und 301 Polizeieinsätze erfasst.

Und noch etwas fällt auf: Die Antwort der Senatsverwaltung weist auch Straftaten von Januar bis September dieses Jahres aus. Die Zahlen liegen für viele Adressen weit unter den Werten des Vorjahres.

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