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Menstruation

Blut, Oralverkehr, schwimmende Binden: Menstruationsgeschichten aus der Hölle

Wir haben Frauen gebeten, uns von ihren schlimmsten Menstruationsunfällen zu berichten und wir wurden nicht enttäuscht.

von Lea-Natascha Wyss
08 September 2016, 7:55am

Unter Umständen kein Menstruationsblut. | Symbolfoto: Jo Naylor | Flickr | CC BY 2.0

Seine Tage zu kriegen ist nichts, worum man beneidet werden kann. Für viele bedeutet die Periode nämlich nicht nur größere Mengen Blut, sondern auch starke Stimmungsschwankungen und/oder kaum erträgliche Schmerzen. Neben der Tatsache, dass man sich allgemein nicht sonderlich wohl in seinem Körper fühlt, kann einen das Massaker, dass der eigene Körper einmal im Monat anrichtet, auch in ziemlich unangenehme Situationen bringen. Wir haben Mittzwanzigerinnen nach ihrem schlimmsten Menstruationsgeschichten gefragt.

Ann-Kathrin*
Da ich unter unfassbaren Schmerzen leide, wenn ich meine Tage habe, habe ich irgendwann beschlossen, mir zusätzlich nicht auch noch einreden zu lassen, dass ich mich dafür schämen muss zu bluten. Deswegen hatte ich auch kein Problem damit, als ich mich auf der Hochzeit einer Freundin ausgesprochen gut mit dem Trauzeugen verstand und irgendwann klar war, dass wir später auf jeden Fall Sex haben würden—aus Ermangelung an angemessenen Schlafmöglichkeiten auf der Couch im Wohnzimmer, während alle anderen schon schliefen. Ich drapierte meinen Tampon unauffällig unter meinen Klamotten, der Typ hatte kein Problem mit ein bisschen Blut und alles lief fantastisch. Als wir fertig waren, wurde ich allerdings komplett panisch: Ich fand meinen Tampon nicht mehr. Meine Freundin hatte einen Hund und langsam machte sich in mir die Wahnvorstellung breit, dass der beim Frühstück plötzlich triumphal mit dem Tampon im Maul unter der Couch hervorkrabbeln könnte.

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Halbangezogen rutschte ich auf dem Parkett herum und muss ein unfassbar absurdes Bild abgegeben haben—auch, weil ich trotz mehrfacher Nachfrage des Trauzeugens nicht verraten wollte, was genau ich da eigentlich suche. Klar, wir hatten Sex, während ich meine Tage hatte, aber meinen benutzten Tampon musste er nun wirklich nicht auch noch sehen. Nach gefühlten zehn Minuten hysterischen Suchens meinerseits, meinte er schließlich trocken: „Wenn du deinen Tampon suchst: Den habe ich schon weggeschmissen." Ich wäre am liebsten unter die Couch gekrochen und nie wieder hervorgekommen.

Nina
Ich war ungefähr 12 Jahre alt, als ich zum ersten Mal meine Tage gekriegt habe. Es geschah in den Winterferien, ich war mit meiner Familie in den Bergen und besuchte eine dieser überteuerten Skischulen, um snowboarden zu lernen. Ich war noch nie besonders sportlich und demzufolge fiel es mir auch schwer, das Gleichgewicht auf dem Brett zu halten. Am besagten Tag stellte ich mich besonders dumm an und fiel immer wieder auf meinen Allerwertesten.

Wenn du deinen Tampon suchst: Den habe ich schon weggeschmissen.

Gegen Mittag besuchten wir ein gutgefülltes Restaurant und irgendwann trieb mich Mutter Natur dazu, die Damentoilette aufzusuchen. Die Frau meines Onkels, ich nenne sie jetzt mal Sally, begleitete mich. Ich deckte den Brillenrand sorgfältig mit einer dicken Schicht Toilettenpapier ab und setzte mich brav hin. Beim Betrachten meiner heruntergelassenen Unterhose stellte ich fest, dass sie völlig blutverschmiert war. Erschrocken rief ich nach Sally, die sofort herbeieilte. Sie schaute sich mein Missgeschick an, lächelte und sagte: „Herzlichen Glückwunsch, du bist jetzt eine Frau!"

Sie riet mir, sitzen zu bleiben und versprach, in der Zwischenzeit ein paar Binden zu besorgen. Ich bat sie darum, meinem Vater und meinem Onkel nichts davon zu erzählen. Die Situation war mir schließlich schon unangenehm genug. Nach ein paar Minuten klopfte sie an die Kabinentür, reichte mir die Binden und zeigte mir, wie das alles funktioniert. Etwas verwirrt und stolz zugleich verließ ich die Damentoilette. Ich lief zu unserem Tisch zurück und sah, wie mein Vater und sein Bruder breitgrinsend am Platz saßen und den Satz „Meine Tochter/Nichte ist jetzt eine Frau!" ständig und in voller Lautstärke wiederholten. Sie konnten es sich natürlich nicht verkneifen, Witze zu reißen und innerhalb von wenigen Minuten wusste das ganze Restaurant—nein, das ganze Skigebiet—Bescheid. Immerhin: Eine Dame, wahrscheinlich selbst Mutter, warf mir ein paar verständnisvolle Blicke mit den Worten „Alles halb so schlimm!" zu.

Leonie
Damals war ich 24 und lernte eine echt tolle Frau in einem Club kennen. Wir hatten unglaublich viel Spaß an dem Abend und weil wir nicht wollten, dass der Abend endete, gingen wir zu ihr nach Hause. Dieses ungeplante Date fiel leider ziemlich genau auf den Tag meines Eisprungs, doch das habe ich damals gekonnt ignoriert.

Ich schaute an mir herunter und dachte, mein Unterleib und das Bett würden zur Requisite im Film ‚The Texas Chainsaw Massacre' gehören.

Bei ihr angekommen, fingen wir an, uns die Kleider vom Leib zu reißen. Wir machten heftig rum und nachdem ich meinen ersten Orgasmus hatte, sah sich meine Gebärmutter wohl irgendwie dazu aufgefordert, ganz plötzlich ganz heftig zu bluten.

Diese echt tolle Frau war gerade damit beschäftigt, meine südlichen Körperregionen mit der Zunge zu verwöhnen, als es anfing, aus mir heraus zu fließen. Sie zuckte ziemlich angeekelt zurück und mir war das Ganze unglaublich peinlich. Mir fielen schlagartig 1000 Dinge ein, die ich noch zu erledigen hatte, also zog ich mich in Windeseile an und suchte vor lauter Scham das Weite. Im Treppenhaus führte ich mir kurz einen Tampon ein und meldete mich nie wieder bei ihr.

Wahrscheinlich auch kein Menstruationsblut | Foto: erin molina | Flickr | CC BY 2.0

Natia
Mit 22 Jahren zog ich in eine andere Stadt, um dort Medizin zu studieren. Ich war zum ersten Mal in meinem Leben völlig auf mich alleine gestellt und fühlte mich abends immer ein bisschen einsam. Da ich nicht zu dem Typ Frau gehöre, der besonders offen ist und einfach so mit jemandem ins Gespräch kommt, meldete ich mich bei einer Datingplattform an, um neue Leute kennen zu lernen. Schnell kam ich mit einem sympathischen jungen Mann namens Jonas ins virtuelle Gespräch. Wir tauschten unsere Nummern aus und verabredeten uns zu einem Tete-a-Tete am darauffolgenden Abend. Als ich am anderen Morgen aufwachte, hatte ich ganz fürchterlich Durchfall.

Eigentlich hätte ich wissen müssen, dass das nichts Gutes bedeuten kann. Der Abend rückte immer näher und ich hoffte, dass „die rote Tante" (ihr wisst schon, was ich meine) noch bis Morgen warten würde.

Ich traf mich also mit Jonas und er kam mir auf Anhieb irgendwie bekannt vor. Nach einem kurzen Spaziergang im Nieselregen schlug er vor, zu ihm zu gehen und einen Film zu gucken. Nachdem wir uns an seinen Mitbewohnern vorbeigeschlichen hatten, passierte so ziemlich schnell das, was eben passiert, wenn zwei junge Menschen einen Film gucken wollen. Er rollte sich ein Kondom über, drang ein paar Mal in mich ein und wirkte plötzlich irgendwie verwirrt. Ich schaute an mir herunter und dachte, mein Unterleib und das Bett würden zur Requisite im Film The Texas Chainsaw Massacre gehören.

Ich tauchte gerade auf, als ich ein lautes ‚Was zur Hölle ist das denn?!' hörte.

Überall war Blut und mit überall, meine ich überall. Jonas' Organismus schien sich in dem Moment nicht so recht entscheiden zu können, ob er sich nun übergeben oder weinen soll, also fiel er kurz in Ohnmacht. In diesem Augenblick hatte ich die Erleuchtung: Ich kannte Jonas aus meinem Anatomiekurs! Nachdem er so langsam wieder zu sich kam, ich ihm ein Glas Wasser reichte und die Spuren beseitigte, trug ich das blutverschmierte Laken ins Badezimmer, was seine Mitbewohner natürlich alle mitkriegten. Jonas und ich sind übrigens seit zwei Jahren ein Paar. Er wohnt noch immer in derselben WG, studiert jetzt jedoch Jura.

Chloé
Mit 20 wurde ich von meinem ersten Freund zum Mittagessen bei seinen Eltern eingeladen. Er stammte aus einer etwas wohlhabenderen Familie und so war es auch nicht verwunderlich, dass mitten in ihrem Garten ein riesengroßer Pool stand. Als wir dort ankamen, sprang er direkt in das kalte Nass. Ich ging kurz zur Toilette, um mich umzuziehen und stellte fest, dass ich meine Tage gekriegt hatte. Dummerweise hatte ich keine Tampons dabei, also durchkämmte ich alle Badezimmerschränke und Schubladen und fand schließlich ein paar XXL-Binden.

„Das muss reichen!", dachte ich mir und klebte mir dieses Monster in die Bikinihose. Ich gesellte mich zu meinem Freund, seinen Brüdern und seinen Eltern in den Pool und wir quatschten über Gott und die Welt. Irgendwann fingen mein Freund und ich an, herumzutollen. Er hob mich auf seine Schultern, ich sprang von ihm runter, er warf mich in die Höhe und fing mich wieder auf. Alles sehr unvorteilhafte Aktionen, wenn man so bedenkt, dass ich eine mit Blut und Wasser vollgesogene Binde in meinem Schlüpfer kleben hatte.

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Ich tauchte gerade auf, als ich ein lautes „Was zur Hölle ist das denn?!" hörte. Der Vater meines Freundes bildete mit seinem Zeigefinger und dem Daumen eine Zange und hielt dieses Oma-Teil, das zuvor noch an meinem Körper war und eigentlich einen Zweck zu erfüllen hatte, in die Luft. Kommentarlos stieg er aus dem Pool, warf dieses Ding in die Tonne, wusch sich die Hände und fragte ironisch: „Na, wer hat Lust auf Spaghetti al Pomodoro?!"

Sila
Meine beste Freundin Anna und ich bezogen unsere erste gemeinsame Wohnung. Völlig euphorisch machten wir uns an einem Samstagmorgen auf den Weg zu einem großen und bekannten Möbelhaus, kämpften uns an den schreienden Kindern, verzweifelten Müttern und streitenden Paaren vorbei und schauten uns die Sofas an. Anna wollte ein dunkles Sofa für unser Wohnzimmer, ich eher ein helles. Bevor wir uns jedoch, völlig überfordert von der Gesamtsituation (wer an einem Samstag schon mal in einem Möbelhaus war, der weiß, wovon ich rede), die Köpfe einschlugen, beschlossen wir, einfach mal Probe zu sitzen und dann nach Komfort zu entscheiden. Wir setzen, legten und quetschten uns also zu zweit auf jedes einzelne Sofa und philosophierten über die Farbe und den „Chill"-Faktor.

Irgendwann sprang mir ein besonders schönes Exemplar ins Auge und ich konnte es mir nicht nehmen, mit meinem Hintern darauf herum zu hüpfen. Die Kissen waren weich und dick und schrien förmlich nach gemütlichen Filmabenden. Plötzlich fing Anna an, ganz heftig zu lachen. Sie zeigte mit dem Finger auf das Sofa und da entdeckte ich das Blut, das sich durch meine dünne Stoffhose gefressen und einen Fleck auf dem beigen Sofa hinterlassen hatte. Wir kauften noch ein paar obligatorische Kerzen und verdünnisierten uns so schnell wie möglich. Eine Woche später kamen wir wieder, um ein dunkles Sofa für unsere Wohnung zu kaufen.


*Namen von der Redaktion geändert

Titelfoto: Jo Naylor | Flickr | CC BY 2.0

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