Moskauer Neonazi-Gang hat in sieben Monaten 14 Obdachlose ermordet

Sie sagten, sie wollten die Stadt von "biologischem Abfall" säubern.

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27 Oktober 2017, 2:07pm

Screenshot: Youtube

Sie stachen Hunderte Male auf ihre Opfer ein, zertrümmerten ihre Schädel mit Hämmern, verstümmelten und zerstückelten sie: Fünf Mitglieder einer Moskauer Neonazi-Gang sind laut Medienberichten am Mittwoch wegen insgesamt 14 Morden zu langjährigen Gefängnisstrafen verurteilt worden. Die meisten ihrer Opfer waren Obdachlose, die sie nachts überfielen.

Die einzige Frau in der Gruppe, die 27-jährige Elena Lobacheva, hatte vor Gericht erklärt, sie hätte die Stadt von "Vagabunden und Betrunkenen säubern" wollen. Die Frau, die sich Chuckys Braut nennt, hat erklärt, das Morden sei für sie "befriedigend wie Sex" gewesen. Auf ihrem Computer fanden Ermittler Fotos der Opfer mit aufgeschnittenen Bäuchen, außerdem Folter- und Hinrichtungsvideos – sortiert in Ordnern mit Namen wie "Zärtlichkeit" und "Brauche das", berichtet die Bild. Da man ihr aber nicht alle Morde einwandfrei nachweisen konnte, wurde Lobacheva nur zu 13 Jahren verurteilt.


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Der Kopf der Bande, Pavel Vojtov, bekam lebenslänglich. Im Gerichtssaal erschien er in einem T-Shirt mit der Aufschrift "Nur Hass" und versuchte mehrmals, trotz Handschellen einen Hitlergruß zu machen. "Ich verachte Betrunkene, darum töte ich", zitiert der Independent Vojtov vor Gericht. "Für mich sind sie biologischer Abfall."

Die anderen drei Mitglieder der Bande, Männer zwischen 19 und 25 Jahre alt, erhielten Gefängnisstrafen von neuneinhalb bis neunzehn Jahren. Nach einem Bericht der Moskauer Zeitung Moskowski Komsomolez hatten die fünf sich in einer Online-Gruppe namens "Time to Hate" kennengelernt. In der Gruppe ging es hauptsächlich um zwei Dinge: die "Säuberung der weißen Rasse" und offene Verherrlichung brutaler Gewalt.

Zwischen Juli 2014 und Februar 2015 war die Gruppe nachts in abgelegenen Gegenden Moskaus auf die Jagd nach Menschen gegangen, die sie als "biologischen Abfall" betrachteten. Viele ihrer Opfer waren Obdachlose, die sich zum Schlafen auf die Straße gelegt hatten, es waren aber auch berufstätige Menschen darunter, die die Gruppe fälschlicherweise für Obdachlose hielt. Die Bande ging fast immer gleich vor: Sie stürzten sich auf das Opfer, stachen Dutzende oder Hunderte Male auf es ein oder zertrümmerten den Schädel mit Hämmern.

In der Neonazi-Szene hat die Bande auch jetzt Unterstützer: Eine russische Neonazi-Online-Community hat sich bereits in "Unterstützt Pavel Voitov" umbenannt.

Niemand weiß genau, wie viele Obdachlose es in Russland gibt, aber Schätzungen gehen von bis zu fünf Millionen Menschen aus. Sie sind immer wieder brutaler Gewalt ausgesetzt – Neonazis, Straßengangs und Serienmörder haben in den vergangenen Jahren Dutzenden Obdachlose getötet.

Einer der berühmtesten Serienmörder Russlands, der "Schachbrettmörder" Alexander Pichushkin, tötete von 1992 bis 2007 mindestens 48, vielleicht sogar 60 Menschen – der Großteil davon Obdachlose. 2008 ermordete eine von einem 22-jährigen DJ angeführte Teenager-Gang in Irkutsk fünf Obdachlose, sie hatten ihre Opfer gesteinigt, mit Stahlstangen zu Tode geprügelt und angezündet, die abgetrennten Köpfe spießten sie auf Zaunpfähle. Eine St. Petersburger Neonazi-Bande wurde angeklagt, 2009 und 2010 ingesamt zehn Menschen ermordet haben – und zwar ausschließlich nicht-weiße Ausländer und Obdachlose (in einem Fall wird ihnen vorgeworfen, zwei obdachlose Frauen bei lebendigem Leib verbrannt haben). 2013 sollen zwei Jugendliche in Moskau einen Obdachlosen geköpft und mit dem Kopf Fußball gespielt haben. Ein ehemaliger Polizist wird angeklagt, im Februar 2017 vier obdachlose Männer in einen Wald gelockt und in einem satanischen Ritual geopfert zu haben, um "eine Zombie-Armee" zu erschaffen. "Er hat versucht, die Toten wieder zum Leben zu erwecken und sie in Zombies zu verwandeln", zitiert der britische Mirror die russischen Ermittler. "Seine Versuche waren allerdings ergebnislos."

Dass Neonazis Morde verüben, ist in Russland ebenfalls gewöhnlicher als in anderen Ländern. Seit Anfang dieses Jahres sind laut der Monitoring-NGO SOVA mindestens 19 Menschen Opfer rechtsradikaler Gewalt geworden, vier davon sind gestorben. Zwei von ihnen waren ebenfalls Obdachlose.

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