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Nicole Byer ist die Moderatorin, die das Food-Fernsehen gebraucht hat

In der zweiten Staffel der Netflix-Show 'Nailed It' kostet sie wieder eure Kuchen-Desaster – und bringt dabei frischen Wind in die angestaubte Welt der Kochshows.
23 Juli 2018, 9:02am
Fotos mit freundlicher Genehmigung von Netflix

Wenn du die süchtig machende Netflix-Show Nailed It noch nicht geschaut hast, verpasst du die ultimative Anti-Kochsendung. Die Serie, deren zweite Staffel gerade angelaufen ist, präsentiert sich mit einem Augenzwinkern und gilt inzwischen als die Kochsendung für Menschen, die keine Kochsendungen mögen.

Moderiert wird Nailed It von der New Yorker Comedian Nicole Byer. Die Show ist bekannt dafür, dass sie im Gegensatz zu so vielen anderen Kochsendungen keinerlei prätentiöse Allüren hat. Nichts soll perfekt sein, je mehr du versemmelst, desto besser! Und so funktioniert's: Drei Amateur-Konditorinnen und –Konditoren liefern sich in halbstündigen Episoden einen Wettkampf darin, ausgefallene Kreationen zu produzieren – wie orangehäutige Trump-Büsten-Kuchen oder aufwendige Einhorn-Torten.

Die Kandidatinnen und Kandidaten präsentieren ihre in Windeseile erschaffenen Werke der Jury und hoffen auf das Preisgeld von 10.000 Dollar. Byer und ihr Co-Moderator, der französische Konditor Jacques Torres, dienen als Juroren. Bei der Bewertung geht es nicht nur ums Aussehen der Kuchen, sondern auch um Geschmack und Kreativität.

Byer war zuvor schon Jurorin bei Ru Paul's Drag Race und hat sich inzwischen mit ihrer unkonventionellen Moderation weltweit einen Namen gemacht. MUNCHIES hat vor Kurzem mit Nicole Byer telefoniert – sie lag dabei im Bett und aß ihren Lunch-Bagel – und mit ihr über Stand-up-Comedy und Barbecue-Kuchen gesprochen.

MUNCHIES: Hi, Nicole. Nailed It ist nicht der Ort für aufstrebende Martha Stewarts. Wie stellt deine Show die Suche nach dem perfekten Kuchen auf den Kopf?
Nicole Byer: Wir sind eine inklusive Backsendung, in der Menschen backen, die nicht wissen, wie man backt. Wir sind da, um alle wissen zu lassen, dass es in Ordnung ist, wenn man nichts Umwerfendes hinkriegt. Bei uns geht es um Spaß.

Wie läuft die Bewertung ab?
Ich bin keine Konditorin, ich weiß nichts übers Backen und behaupte auch nicht, dass ich das tue. Ich schaue also zu meinem Mitmoderator Jacques, und er sagt: "Da fehlt Buttercreme." Dann sage ich: "Ach so, genau, das ist es." Oder er sagt nur, dass es zu trocken ist, und ich stimme zu. Dinge schmecken entweder gut oder nicht. Ich bin die normale Person von nebenan, die die Kreationen der Kandidatinnen und Kandidaten kostet.

Hast du eine Lieblingsanekdote aus der zweiten Staffel?
Wir haben einen Gast Barbecue-Kuchen machen lassen, der sollte wie ein Grill aussehen – so was Verrücktes hab ich noch nicht gesehen. Er steckte einen echten Pfannenwender an seinen Kuchen, statt einen aus Rice Krispies zu machen. Es hat unheimlich Spaß gemacht, ihm dabei zuzuschauen.

Nailed It sorgt dafür, dass wir uns nicht so schlecht fühlen, wenn wir selbst schreckliche Küchenkreationen fabrizieren. Die Show ist besonders, denn ihr lacht die Kandidaten nicht aus, sondern feuert sie an.
Ich ermutige sie, weil sie das gerade zum ersten Mal ausprobieren, und beim ersten Versuch ist niemand perfekt. Wenn du backen lernen willst, dann backe einfach weiter. In einem Jahr stellst du vielleicht etwas Umwerfendes her. Ich lache niemanden aus, weil wir ihnen zwei Stunden geben, etwas zu tun, das normalerweise Experten machen. Es wäre nicht lustig und auch nicht nett, wenn dann jemand ankäme und sagte: "Wow, du bist ja scheiße!" Der Humor steckt aus meiner Sicht in der Tatsache, dass die Leute sehr hart an etwas arbeiten, und dann stehen sie da und sagen: "Tja, und das kam dabei raus." Es ist auf eine alberne Art lustig, finde ich.

Du hast auch schon mal einen Vergleich mit dem ersten Versuch eines Stand-up-Comedians gezogen – gemein sein und Auslachen geht da auch nicht klar. Siehst du Parallelen zwischen Kochen und Comedy?
Wenn du zum ersten Mal mit deinen fünf Minuten Material auf die Bühne gehst, bist du noch total unsicher und fragst dich dauernd: "Ist das lustig?" Aber beim 20. Mal hast du schon mitbekommen, an welchen Stellen die Leute lachen. Beim Backen ist es das Gleiche – es braucht vielleicht 20 Versuche, aber beim 20. Mal wird es gut.

Hättest du je gedacht, dass du mal eine solche Sendung moderieren würdest?
Nein, nie im Leben hätte ich geglaubt, dass ich mal eine Backwettbewerb-Show moderiere. Ich glaube nicht, dass irgendwer Comedian wird, um dann eine Backsendung zu machen. Es ist ein tolles Erlebnis, und ich bin dankbar für diese Chance – es macht so viel Spaß!

Wie ist es, neben einem Profikoch wie Jacques die Werke zu bewerten?
Er nennt mich sein kleines Blätterteiggebäck, wir blödeln am Jury-Tisch rum und ich mache einfach, was auch immer ich für lustig halte. Als wir uns am ersten Drehtag kennenlernten, war ich besorgt, dass er mich nicht mögen würde, weil ich so wenig über Backen und Kochen weiß. Aber wir ergänzen uns gut. Es ist witzig, ihm zuzusehen, wie er den Kandidatinnen und Kandidaten beim Failen zusieht. Er sagt mir: "Ich will ihnen einfach nur helfen." Aber das darf er nicht.

Hat dir die Show etwas übers Backen beigebracht?
Ich habe gelernt, dass Zuckerguss und Buttercreme verschiedene Dinge sind.

Warum ist es wichtig, Amateur-Bäckerinnen und –Bäcker zu unterstützen?
Weil wir alle Amateure sind, bevor wir professionell werden. Essen macht man mit Liebe – wir kochen für unsere Liebsten, um ihnen zu zeigen, dass sie uns wichtig sind, dass wir uns Zeit für sie genommen haben. Aber: Ich persönlich koche gar nicht. Ich springe viel lieber in mein Auto und gehe in ein Restaurant.

Dieser Artikel erschien zuerst auf MUNCHIES US.

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