Festival Guide

Ein Outdoor-Experte erklärt, was ihr beim Zeltkauf fürs Festival beachten müsst

Vergesst überhitzte oder durchnässte Zelte, Unterkühlung und warmes Bier – Hier sind Essentials, mit denen euer nächstes Festival zum reinsten Wellnesurlaub wird.

von David Klein und Noisey Staff
31 August 2018, 2:09pm

Foto: imago

Dieser Artikel wird präsentiert von SEAT Sounds. Er ist Teil des VICE Guides für Festivals , alle Texte findet ihr hier.

Nachdem man vier Stunden in der Schlange vor dem Festival-Einlass stand und die Sonne den sowieso schon matten Schädel auf die Genuss-Temperatur einer Kartoffelsuppe dampfgegart hat, bleibt für das alljährliche Zelt-Aufbauen eher weniger Motivation. Nachts dann der seit Tagen angekündigte und mit Erfolg ignorierte Sturm und bevor man von der Warm-up-Party zurück ist, befindet sich die Schlafunterkunft davongeweht im Niemandsland des Campingplatzes. Am zweiten Tag ist das mitgebrachte Bier mehr warme Mahlzeit als kühle Erfrischung und spätestens bei der Abreise bekommt ihr einen Nervenzusammenbruch, weil sich die Zeltstangen irgendwie nicht mehr in die Tasche quetschen lassen, aus der sie gekommen sind. Oder ihr euch die biegsamen Stangen des Wurfzelts selbst in die Fresse haut.

Hört sich alles nach Querelen an, die man auf einem Festival einfach hinnehmen muss? Falsch, der Zustand der Campingausrüstung ist bekanntlich der Spiegel der Seele aller Festivalbesucherinnen und wir wollen nur das Beste für euer mentales Wohlbefinden. Deswegen haben wir uns im Berliner Globetrotter-Store mit einem Outdoor-Experten darüber unterhalten, was ihr sowohl beim eigentlichen Kauf als auch auf dem Festival selbst unbedingt beachten solltet, um dem Regen, der Sonne und den unsäglichen Mitmenschen auf einem Festival zu trotzen.

Noisey: Was ist das wichtigste Campingutensil auf einem Festival?
Frank Vogelsberger: Also wenn Festivals über mehrere Tage, vielleicht sogar eine Woche gehen, dann muss man die Kernausrüstung natürlich schon haben. Es kann ja auch mal richtig übles Wetter geben. Deswegen braucht man ein vernünftiges, wasserdichtes Zelt. Wenn du mehrere Tage an einem Ort bist und ein Zelt hast, das zu klein oder zu dunkel ist, macht das keinen Spaß. Du bist nicht ausgeruht und hast keinen Komfort, um das wirklich so zu genießen.

Manche schmeißen sich natürlich auch nur besoffen in ein Ein-Personen-Pop-up-Zelt. Weil die aber aus einem großen Hula-Hoop-artigen Reifen bestehen, brechen sich die Leute beim Zusammenlegen meistens Einen ab. Das Wurfzelt springt zwar einfach aus der Verpackung raus, aber das Kleinkriegen und Falten bereitet oft Schwierigkeiten.

Was ist denn dann der Vorteil eines Kuppelzelts gegenüber einem Wurfzelt?
Die Kuppelzelte sind doppelwandig, das bedeutet man hat ein Innenzelt. Das hat den Zweck, dich vor Insekten zu schützen und die Feuchtigkeit zu minimieren. Wenn es nass und kalt ist, bildet sich Kondenswasser. Damit das nicht auf deinen Schlafsack tropft, hat man ein atmungsaktives Innenzelt. Der Abstand von Innenzelt und Überdach ist außerdem sehr groß, was die Belüftung enorm verbessert.

Der Vorteil eines Wurfzelts ist theoretisch der Aufbau, aber eben nur bei schönem Wetter. Bei Wind halten die Stangen einfach nicht. Da können die auch schnell mal durch die Luft fliegen, für mich ist das keine Alternative zu einem langfristigen Zelt. Das baut man auf, legt sich ein paar Tage rein, das verschleißt ganz schnell. Deswegen werden die oft einfach liegen gelassen oder auf den Müll geworfen. Bei einem Kuppelzelt hat man vernünftige Gestänge, die Stabilität reinbringen und die durch das Abspannen auch bei stürmischem Wetter gut verwendet werden können. Das kannst du auch, sofern du es richtig aus- und einpackst, die nächsten fünf bis zehn Jahre verwenden, vielleicht auch für andere Zwecke als für ein Festival.

Je größer der Abstand zwischen Innen- und Außenzelt, desto besser die Belüftung.

Wie pflege ich mein Zelt denn richtig, sodass es langfristig nutzbar bleibt?
Man sollte immer eine Zeltunterlage verwenden. Das hat den Vorteil, dass man es am nächsten Tag auf dieser Unterlage sorgfältig und sauber zusammen legen kann. So entgeht man selbst nach drei Tagen Regen und schlammigem Boden dem Schmutz, der sonst beim Zusammenlegen mit in die Zelttasche kommen kann. Und nach der Abreise hilft es natürlich, es daheim nochmal auszupacken und grob sauber zu machen.

Was ist der gängigste Fehler beim Zelt-Aufbauen?
Richtiges Abspannen ist das A und O. Gerade bei Wurfzelten sollte wirklich jede Leine, die dran ist, benutzt und straff abgespannt werden, weil bei denen die Seitenstabilität fehlt. Ohne richtige Abspannung bewegt sich ein Zelt sehr schnell und ist auch sehr laut, was ja vor allem nachts nervig ist. Zweiter Fehler ist die fehlende Berücksichtigung der Standwahl. Man steht in einer Senke oder unter einem Baum, da lässt sich das Zelt dann selbstverständlich nicht sicher aufbauen, beziehungsweise ist gefährdet durch Äste, die herunterfallen können.

Im Zelt wird es, vor allem bei schönem Wetter, früh morgens schon ziemlich stickig und heiß. Wie schaffe ich es, dass mein Zelt das Festival über kühl bleibt?
Wichtig ist es, eine gute Belüftung zu haben. Es gibt zwar ein paar Hersteller, die präsentieren sogenannte Thermo-Zelte, das haut aber nicht wirklich hin, weil die Luftzirkulation dem entgegengewirkt. Die brauchst du aber in deinem Zelt. Die sorgt nämlich für einen ständigen Wärmeaustausch. Wenn du einen wirklichen Thermoschutz haben möchtest, geht das mit dieser Luftbewegung nicht. Ein solcher Thermoschutz macht das Zelt außerdem stockdunkel.

Mein Zelt ist jetzt also angenehm kühl. Was ist dann die bequemste Art, darin zu schlafen?
Eine wirkliche Luftmatratze ist selbstverständlich sehr bequem und hat den Vorteil, dass sie relativ günstig ist. Muss man die eben aufpumpen, aber das ist eigentlich ganz einfach. Das Problem hieran ist, dass man bei Bodentemperaturen unter zehn Grad keine Luftmatratzen benutzen sollte. Dann sollte man auf Isomatten zurückgreifen. Die bestehen aus Schaum, der die Isolation zum Boden hin verbessert. Luftmatratzen bestehen aus einer großen Luftkammer, die bei kühlen Temperaturen abkühlt und dich dann nicht mehr wärmen kann. Viele Leute denken, ein Schlafsack wäre warm genug, aber wenn die Kälte von unten kommt, sprich deine Körperwärme in den Boden geht, dann kannst du auch mit einem warmen Schlafsack durchaus frieren.

Wie sieht es da mit den Getränken aus? Hast du einen Tipp, wie man die über mehrere Tage hinweg kühl halten kann?
Man kann eine Kühlbox nehmen, das ist der angenehmste Weg. Was viele auch machen, ist die Getränke in einem Wasserbecken frisch zu halten. Was auch ganz clever ist, ist die Methode, einen Jutebeutel in Wasser zu tränken und seine Getränke dann da reinzupacken. Wenn man den aufhängt und die warmen Temperaturen den Beutel von außen trocknen, entsteht innen ein Kühlungseffekt.

Auf Festivals gibt es immer wieder Probleme mit Randalierern oder Diebstahl. Gibt es eine Möglichkeit, das Zelt so zu sichern, dass nichts geklaut werden kann?
Man hat durchaus die Möglichkeit, durch den Reißverschluss ein kleines Schloss zu ziehen und es so abzuschließen, aber das bringt dir nur begrenzt was. Wenn einer in dein Zelt will, schneidet er mit dem Messer ein Loch rein. Der Vorteil ist daran höchstens, dass du siehst, wenn einer dran war und dass ein schneller Zugriff nicht möglich ist. Es gibt theoretisch die Möglichkeit, seine Wertsachen zwischen Unterlage und Zeltboden zu legen. Der beste Schutz ist aber natürlich nur, wenn immer jemand am Zelt bleibt.

Gibt es einen preislichen Rahmen, unter dem du kein Zelt kaufen würdest?
Alles unter 80-90 Euro ist einfach – wenn mehr als eine Person reinpassen soll – schwierig herzustellen, sodass es dann dauerhaft wasserdicht ist. Der größte Unterschied bei den Materialien ist die Frage, wie lange die wasserfeste Beschichtung hält. Da das Gewebe das Teuerste an einem Zelt ist, ist alles unter diesem Betrag fragwürdig und wahrscheinlich nicht wasserdicht. Je teurer es wird, desto besser sollte eigentlich das Material sein. Sprich desto dichter und auch reißfester sollte es werden, was es dann auch nachhaltiger macht.

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