Das sind die Doppelgänger deutscher Politiker in der Kunst

Über die Arts & Culture App von Google lassen sich Gesichter mit Tausenden Kunstwerken abgleichen. Wir haben das Ganze an Björn Höcke, Christian Lindner, Angela Merkel und Co. getestet.

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25 Januar 2018, 5:30am

Foto links: imago | Steve Bauerschmidt

Kunst kann politisch sein. Oft wirkt auch Politik so, als sei sie kunstvoll inszeniert worden. Durch die Google App Arts & Culture lässt sich nun endgültig herausfinden, wie viel Kunst und Politik(er) gemein haben. Eine neue Funktion erlaubt es, ein Selfie von euch mit den Gesichtern auf Tausenden Kunstwerken abzugleichen. Anschließend könnt ihr euch durch eure künstlerischen Doppelgänger swipen. (Offiziell ist die Funktion noch nicht in Deutschland freigeschaltet, mit kostenlosen VPN-Diensten fürs Handy könnt ihr sie allerdings schon jetzt testen. Oder ihr fliegt in die USA oder ihr lasst nordamerikanische Freunde das für euch machen.)

Das funktioniert natürlich nicht nur mit Selfies, sondern auch mit Fotos anderer Menschen, die man mit seinem Handy abfotografiert hat. Fotos von Politikern zum Beispiel, die sich auch früher schon nur allzu gerne in Pose geschmissen haben, um sich für die Ewigkeit festhalten zu lassen. In welchem Ölgemälde verstecken sich die Gesichtszüge unserer Bundeskanzlerin? Träumten die talentiertesten Künstler der Menschheitsgeschichte vor Jahrhunderten von einem Mann, der so schön ist wie Christian Lindner? Wir haben die Antworten. Und manchmal auch ganz neue Fragen.

Alice Weidel

Foto links: imago | ZUMA Press

Die blonde Gallionsfigur der erstarkten Rechten in Deutschland sah schon immer ein bisschen so aus, als sei sie direkt aus einem Handbuch für "Herrenmenschen" entsprungen. Eigentlich kein Wunder also, dass dieses krude Ideal nordischer Schönheit sich auch in der Kunst widerspiegelt. Die abgebildete Blondine wirkt trotz ihrer weichen Züge vor allem kalt und irgendwie leer. Ansprechende Hülle, nichts dahinter – wer hier eine Metapher auf die Versprechungen der AfD an die besorgten Bürger findet, darf sie behalten.

Martin Sonneborn

Foto links: imago | Mauersberger

Geschlagene drei Anläufe hat es gebraucht, bis Google auch nur einen Doppelgänger zu Die-PARTEI-Chef Martin Sonneborn präsentiert hat. Interessanterweise hat sein Ebenbild in Öl, Sir Walter Scott, neben rosigen Wangen und fortschreitendem Haarverlust, noch etwas mit dem Satiriker gemein: Auch er hat jahrelang mit Schreiben sein Geld verdient. Scott gilt als Begründer des klassischen Geschichtsromans und war einer der meistgelesenen Autoren seiner Zeit. Sonneborn hingegen leitete die Titanic und hat mit der Partei Die PARTEI Deutschlands erfolgreichste Satirepartei gegründet. Es steht also unentschieden.

Christian Lindner

Foto links: imago | Jürgen Heinrich

Nach der überaus stylischen Plakatkampagne der FDP zur letzten Bundestagswahl werdet ihr euch vielleicht fragen: Gab es in der Geschichte der Menschheit überhaupt irgendwann mal jemanden, der so männlich, integer, sexy, gleichzeitig aber auch verletzlich und sensitiv aussah wie Christian Lindner? Dem Gemälde "No Exit" nach zu urteilen, für das der koreanische Künstler Sang-ik Seo Radiohead-Frontmann Thom Yorke malte, lautet die Antwort: eindeutig Ja. Sorry, Christian. Dafür hast du ganz alleine die Jamaika-Verhandlungen gesprengt!

Thomas de Maizière

Foto links: imago | Metodi Popow

Was sagt mehr "Deutsche Leitkultur" als besorgt aussehende Menschen mit hässlichen Brillen? Richtig, fast nichts. Deswegen dürfte Innenminister Thomas de Maizière (CDU) recht glücklich mit seiner Doppelgängerin sein. Fehlt eigentlich nur noch das Bier, um die eigene kulturelle Hegemonie zu unterstreichen – und ein sarkastischer Tweet zum aktuellsten Tatort.

Andrea Nahles

Foto links: imago | Metodi Popow

Beim vergangenen SPD-Parteitag ist es etwas lauter geworden. Auch – wenn nicht sogar vor allem – wegen Andrea Nahles. Die "Oprah Winfrey aus der Vulkaneifel", wie die Zeit sie beschrieb, hielt eine flammende Rede und wird mittlerweile als mögliche neue Parteivorsitzende gehandelt. Ihre Kunst-Doppelgängerin hingegen trägt zwar einen ähnlichen Lippenstift, scheint sich allerdings schon in einem Abschnitt ihres Lebens zu befinden, in dem nicht mehr gekämpft werden muss. Einer Zeit, in der es Suff statt Sondierungsgespräche regnet und sie nicht mehr in der gepanzerten Limousine zum nächsten Termin gefahren wird, sondern in einem offenen Cabriolet. Es sei ihr gegönnt.

Björn Höcke

Foto links: imago | Steve Bauerschmidt

Es war ein bisschen schwierig, Björn Höckes Gesicht abzufotografieren, weil sich die Google-App immer automatisch die halbabgeschnittenen Gesichter der Personen im Hintergrund gezogen hat – die für die App offensichtlich mehr Menschlichkeit versprühten als der Mann, für den das wirklich Schandvolle am Holocaust die Tatsache ist, dass man seiner Opfer gedenkt. Irgendwann haben wir es dann aber doch geschafft, das Ergebnis hat uns mehr als befriedigt. Nach seinen absurden Äußerungen der Vergangenheit und der Tatsache, dass sich niemand so richtig merken kann, wie er nun wirklich mit Vornamen heißt, würde es uns nämlich nicht wundern, wenn es sich bei dem AfD-Rechtsaußen in Wahrheit um eine mürrische Hausfrau aus dem 19. Jahrhundert handelt.

Martin Schulz

Foto links: imago | Emmanuele Contini

Zwei Männer, eine Gesichtsbehaarung: Wüssten wir nicht, dass es sich bei dem rechten Bild um ein Kunstwerk aus dem 16. Jahrhundert handelt, wir hätten es für Fanart aus dem Schulzzug-Subreddit gehalten. Mit seinem Doppelgänger, dem Kurfürsten August, der sich selbst "Augustus" nannte, hat der SPD-Vorsitzende Martin Schulz zwar nur wenig gemein. Aber im 16. Jahrhundert gab es auch noch keine Currywurst (Schulz’ Lieblingsessen) – und Wurst formt einen Mann schließlich mindestens so sehr wie sein Amt.

Sigmar Gabriel

Foto links: imago | Jürgen Heinrich

Sigmar Gabriel mag in Menschenjahren gezählt nicht mehr der Jüngste sein, hat sich nach deutlichem Gewichtsverlust aber quasi neu erfunden. Mittlerweile benutzt er Smileys auf Twitter und hat Buzzfeed ein Gif-Interview gegeben. Wie viel flippiger kann man sein?! Da scheint es nur angemessen, dass sein kunstgeschichtliches Alter Ego eine überaus kecke Brille trägt und ganz allgemein den Charme eines Anwalts aus den 80ern versprüht, der Drogendealer aus Miami vor Gericht vertritt. (Tatsächlich handelt es sich aber um den Journalisten und Kunstkritiker David Bourdon, der in den 60ern immerhin eng mit Andy Warhol befreundet war.)

Angela Merkel

Foto links: imago | Metodi Popow

Die Bundeskanzlerin musste wegen ihres Äußeren schon viele dumme Kommentare über sich ergehen lassen. Die Frisur war zu topfschnitt-mäßig, ihre Mundwinkel zu tief, und über ihre Blazer wurden Dutzende Artikel geschrieben. Das kann Angela Merkel freilich ziemlich egal sein. Sie ist schließlich die mächtigste Frau der Welt und keine Kandidatin bei Germany’s Next Topmodel. Deswegen muss sie auch den Vergleich zu Isabella Reisser nicht fürchten. Die gehörte wohl ebenfalls nicht zu den schönsten Frauen ihrer Zeit, führte nach dem Tod ihres Mannes allerdings dessen Unternehmen weiter – eine bedeutende Wiener Druckerei. Da hat es auch niemanden interessiert, ob sie nett lächelt.

Peter Altmaier

Foto links: imago | Jürgen Heinrich

Wenn man etwas über das Gesicht des interimsmäßigen Finanzministers sagen kann, dann das: Es ist nicht beliebig. Umso überraschender, dass Google ein Gemälde ausgespuckt hat, auf dem sich tatsächlich eine Figur findet, die frappierend an den CDU-Politiker erinnert. Für würdevolle Aktgemälde seiner selbst mag sich der 59-jährige Altmaier womöglich schon etwas zu alt finden, vielleicht tut es aber auch ein Kunstdruck von "Der barmherzige Samariter".

Heiko Maas

Foto: imago | Sven Simon

Justizminister Heiko Maas (SPD) hatte in den letzten Wochen nicht sonderlich viel zu lachen. Nahezu jeder scheint sein Netzwerkdurchsetzungsgesetz zu hassen, das nicht nur Hass-Nachrichten ahndet, sondern anscheinend auch Satire-Accounts beschneidet. Und dann spuckt Googles Kunst-App auch noch eine Fratze aus, die mehr an einen garstig kichernden Gnom als an einen Menschen erinnert. Absicht? Vielleicht. Google weiß schließlich alles – und verzeiht nichts.

Sahra Wagenknecht

Foto links: imago | IPON

"Courage" heißt das Kunstwerk, in dem sich die Gesichtszüge der Linken-Politikerin wiederfinden sollen. Hätte sie sich selbst ein Bild aussuchen können, das sie als Person widerspiegelt, sie hätte sich wahrscheinlich ebenfalls für die entschlossen in die Ferne blickende Pilotin entschieden. Schließlich positioniert sich Sahra Wagenknecht gerne als unangepasste Vertreterin ihrer Partei, die auch keine Angst davor hat, ohne Unterstützung im Rücken neue Wege zu beschreiten. Vielleicht klappt es ja mit der neuen linken Volkspartei, wenn sie im Bundestag künftig eine Fliegerbrille trägt.

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