Glaube, Liebe, House: Terrence Parker im THUMP Mix

Als Vorgeschmack auf sein neues Album hat uns die Detroiter DJ-Institution mit einem Live-Mix beglückt und über die Zukunft der Stadt gesprochen.

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Juni 20 2017, 12:53pm

Terrence Parker benutzt ein altes Telefon zum Mixen. Promofoto

Der vielen nur unter dem Kürzel "TP" bekannte Terrence Parker hat einen festen Platz in der DJ-Geschichte – und das aus gutem Grund. Abgesehen von der Tatsache, dass er zum Auflegen einen echten Telefonhörer benutzt, ist Parker derjenige, der die Möglichkeiten der CDJ-Technologie bis an ihre Grenzen ausreizt. Nicht nur scratcht er damit, sondern benutzt sie auch zum Beatjuggling und dazu, um Live-Vocals in seine House-Sets einfließen zu lassen. Darüber hinaus kann sich Parker ein ansehnliche Liste, herrlicher Dancefloor-Hits auf die Fahne schreiben. "Love Is Got Me High" und "Somethin' Here" von 1996 sind vielleicht seine größten Hits, aber bis heute veröffentlicht er Jahr für Jahr unermüdlich neue Musik und Alben.

2017 gibt es von Parker sogar zwei Alben: GOD Loves Detroit erscheint Ende Juni auf Planet E. Darauf gibt es Kollaborationen mit der Sängerin und Produzentin Merachka; Motor City Life erscheint Ende des Jahres auf dem Pariser Label Goldmin. Wie sich an den Namen unschwer ablesen lässt, drehen sich beide Alben thematisch um Parkers Heimatstadt Detroit. Insbesondere GOD Loves Detroit setzt sich mit den anhaltenden wirtschaftlichen Problemen, sowie der öffentlichen Wahrnehmung der Stadt mit ihrer oftmals turbulenten Geschichte auseinander.


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"Das Konzept für das Album hatte ich 2013", schreibt Parker in der dazugehörigen Pressemitteilung. "Zu diesem Zeitpunkt hatte die Stadt sich offiziell für bankrott erklärt und damit das größte kommunale Insolvenzverfahren der US-Geschichte eingeleitet. Detroit war das Ziel von Witzen in Late-Night-Shows und wurde global zum Gespött. Ich konnte mir das nicht anders erklären, als dass Gott Detroit liebt und der Stadt diese Dinge aus einem bestimmten Grund geschehen lässt. Als die Lage sich langsam besserte, habe auch ich mich dazu inspiriert gefühlt, eine Reihe von Songs zu kreieren, die am Ende dieses Album ausmachen."

Religiöse Untertöne schmücken auch die souligen House-Rhythmen, die von Merachakas dynamischen Vocals gewürzt werden. Vor der Veröffentlichung des Albums am 30. Juni hat uns Parker mit einem Mix beglückt, der vor Kurzem live bei einer Party im legendären Pariser Club Rex aufgenommen wurde. Dazu hat er uns auch noch ein paar Fragen über das Album, Detroits Entwicklung und Spiritualität im House beantwortet.

THUMP: Wie hört man den Mix am besten?
Terrence Parker:
Der Mix passt überall. Ich würde allerdings vorschlagen ihn im Auto oder auf dem Fahrrad zu hören. Ich würde sagen, er passt perfekt zum Fahren.

Synästhetisch gesehen, welche Farbe hätte dieser Mix?
Ich habe keine Ahnung von Synästhesie. Wenn ich diesen Mix allerdings mit einem visuellen Erlebnis vergleichen müsste, dann wäre er ein helles Licht am Ende des Tunnels.

Gab es ein bestimmtes Konzept hinter diesem Mix/Set?
Nicht wirklich. Ich lege einfach gerne auf.

Hast du einen Lieblingsmoment in dem Mix? Wie war die Party?
Die Party im Rex Club war super! Mein Lieblingsteil im Mix ist die Stelle, an der ich Beatjuggling mit "Billie Jean" von Michael Jackson, "Never Grow Old" von Robert Hood (aka Floorplan) und "Pulsar" von DJ Mo Reese mache. Ich benutze dafür 4 CDJs gleichzeitig.

Das Album scheint von religiösen Themen inspiriert zu sein – vom Titel bis hin zu einigen Tracks. Kannst du erklären, welche Rolle Religion und/oder eine höhere Macht beim Produzieren oder Auflegen für dich spielt? Findest du, dass es dafür Raum auf dem Dancefloor gibt?
Für mich geht es nicht um Religion. Der Definition nach könnte man sich jeden Morgen um 9 Uhr religiös einen Latte bei Starbucks holen. Es geht um die Beziehung zu Gott. Alles Gute, was in meinem Leben passiert, auch jede Gelegenheit, bei Veranstaltungen auf der ganzen Welt aufzulegen, kommt von Gott. Das heißt nicht, dass nicht auch schlechte Dinge passieren. Der Regen eines Sturms fällt schließlich auch auf alle. Es geht stattdessen um die Gewissheit, dass Gott mich durch den Sturm bringen wird, und ich die Sonne wieder scheinen sehe.

Oft kommen Menschen in Clubs und auf Festivals, um Spaß zu haben und ihren Alltag zu vergessen. Durch die Musik, die ich spiele, die Art und Weise oder einfach durch die Tatsache, dass ich hinter den Decks stehe, hoffe ich, ein für alle erkennbares Zeugnis abzugeben. Wenn Gott mich liebt und mir die Kraft gibt, dort zu stehen, liebt Gott auch die anderen Menschen und wird ihnen die Kraft geben, stehen zu können.

Du hast Detroit schon viele schwere Zeiten durchmachen sehen. Was hältst du von dem aktuellen Zustand der Stadt und warum scheint gerade jetzt eine gute Zeit zu sein, um ein Album darüber zu machen?
Das Leben ist manchmal wie ein Boxkampf. Ein Kämpfer kann in einem Kampf ordentlich einstecken, aber dann plötzlich in der letzten Runde – alle haben ihn schon aufgegeben – schlägt er seinen Gegner K.O. und gewinnt den Kampf. Schreibt Detroit noch nicht ab, der K.O.-Schlag kommt noch.

Das Album ist meine eigene persönliche Motivation, die ich mit meiner ganzen Detroit-Familie und der Welt teile. Lasst uns nicht aufgeben, Gott ist bei uns und trotz alle Widrigkeiten werden wir am Ende gewinnen. Aktuell erfährt Detroit ein wachsendes Momentum in ökonomischer, sozialer und kreativer Hinsicht.

Was macht Detroit und seine Bewohner deiner Meinung nach so widerstandsfähig?
Die Detroit-Erfahrung ist die menschliche Erfahrung. Wenn die Zeiten schwierig sind, überwiegt das Gute im Menschen das Böse. Der Kampf ist Teil des Lebens, aber es ist das Zusammenhalten im Kampf, das uns unsere Stärke gibt. Schau dir den tragischen und sinnlosen Anschlag von Manchester an und wie die Menschen zusammenkamen und sich mit Liebe gegenseitig unterstützt haben.

Es gibt unzählige solcher Beispiele in der Welt. Ich will jetzt aber auch nicht den sinnlosen Verlust von Menschenleben mit wirtschaftlichen Problemen gleichsetzen. Die Menschen in Detroit kämpfen gegen ein anderes Böses. Was ich sagen will, die menschliche Rasse ist widerstandsfähig und wir werden es schaffen!

Was erwartet die Stadt und ihre Einwohner als Nächstes?
Erfolg!

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