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Wochenende ist vorbei

Hangover-News, 19. Juni 2017

Brennende Autos und Verletzte auf der Rigaer Straße, im Bundestag werden noch weniger Frauen sitzen, ein 14-Jähriger klaut extrem bescheuert das Auto seines Vaters und eine 71-Jährige blockiert eine Demo der Identitären.

von Christian Fahrenbach
19 Juni 2017, 7:11am

Foto: imago | Christian Mang

Na, das Beste aus dem Wochenende gemacht? Wie man auch mal in unpraktischen Situationen das meiste rausholt, zeigt Christian Pommnitz. Mitten im Stau rollte der ein Klavier aus seinem Transporter und spielte eine halbe Stunde für alle.

Ganz so harmonisch ging es bei anderen Events des Wochenendes nicht zu: In Berlin ist die Identitäre Bewegung aufmarschiert, Gegendemo inklusive und in der Rigaer Straße brannten Autos und flogen Pflastersteine. Da loben wir uns den 14-Jährigen, der in Göppingen in Baden-Württemberg das Auto seiner Eltern geklaut hat und sich bei seiner Festnahme nicht gewehrt hat. Außerdem: Die muslimische Friedensdemo in Köln ist kleiner als erhofft, genauso wie der Frauenanteil im kommenden Bundestag und in den USA wurden Avocados für 300.000 Dollar gestohlen. Holy Guacamole, willkommen bei den Hangover-News.

Weniger Muslime als erhofft bei Demo gegen Terror im Namen des Islam

Foto: imago | epd

Gute Idee, leider mit weniger Erfolg als geplant: In Köln wollten Muslime unter dem Motto "Nicht mit uns" gegen Gewalt im Namen des Islam auf die Straße gehen. Auf rund 10.000 Teilnehmer hatten die Veranstalter im Vorfeld gehofft, am Ende kamen laut Organisatoren 3.000 bis 3.500 Menschen, die Polizei sprach sogar nur von rund 1.000 Teilnehmern. Viele Rechte haben das in sozialen Netzwerken hämisch kommentiert. Der mit dem türkischen Staat eng verbundene Muslimverband Ditib hatte seine Teilnahme kurz vorher mit Verweis auf den Ramadan abgesagt, unter anderem, weil eine Demonstration während der Fastenzeit eine zu große körperliche Belastung sei – für Veranstalter Lamya Kaddor und Tarek Mohamad absurd: "Schön, dass ihr wenigstens alle da seid", rief Mohamad den Demonstranten zu. Dass Verbände an einer solchen Demo nicht teilnehmen, ist schade. Dass man aber erwartet, dass "die Muslime" sich nach jedem Anschlag vom Terror im Namen ihrer Religion distanzieren, ist genauso anmaßend. Es ist auch nicht so, als würden nach jedem brennenden Flüchtlingsheim, jedem Angriff auf einen Zuwanderer "die Deutschen" sich mit Demos von den Gewalttaten distanzieren.

Identitäre in Berlin ohne Chance, Gegendemo war größer

Die Rechten | Foto: Christian Mang

Und noch eine zweite Demo hat am Wochenende die Gemüter erhitzt. In Berlin ist die rechtsradikale Identitäre Bewegung mit ein paar Hundert Menschen aufmarschiert. Die vom Verfassungsschutz beobachtete Gruppe wehrt sich gegen eine angebliche "Überfremdung" Europas. Die Veranstaltung hat auch eine Gegendemo nach sich gezogen. Mit rund 1.400 Teilnehmern war die deutlich größer

Die Linken | Foto: Christian Mang

Heldin des Wochenendes ist eine 71-Jährige. Irmela Mensah-Schramm heißt die Frau – und sie setzte sich einfach zu den Demonstrierenden der Gegendemo.

Die 71-Jährige | Christian Mang

Als ein Polizist sie wegschicken wollte, sagt sie freundlich lächelnd: "Nein, nein. Ich solidarisiere mich mit den Jugendlichen."

Die Frau ist keine Unbekannte: Seit Jahrzehnten kratzt sie überall in Deutschland Neonazi-Aufkleber mit Spachtel ab oder übersprüht rechte Sprüche. Wir waren bereits mit ihr auf Putztour.

Wieder Randale auf Rigaer Straße in Berlin-Friedrichshain

Foto: imago | Christian Mang

Kurzes Was-bisher-geschah für die Nicht-Berliner: Die Rigaer Straße 94 in Friedrichshain ist eines der letzten Häuser Berlins, das seit den 90er Jahren besetzt ist. Im vergangenen Jahr ließ der Besitzer die Rigaer Straße 94 teilweise räumen. Der Konflikt eskalierte daraufhin.
In der Nacht zum Samstag haben nun laut Zeugen 40 bis 60 Vermummte laut Musik gespielt und mehrere Autos und Mülltonnen angezündet. Als die Polizei anrückte, flogen Pflastersteine, einige schrien polizeifeindliche Sprüche, berichten die Beamten. Ein 22-Jähriger wurde festgenommen, weil er versucht haben soll, einen Polizeihubschrauber mit einem Laserpointer zu sabotieren. Vier Frauen und Männer wurden verletzt. Zuvor waren die Straßenlaternen manipuliert worden, so dass Dunkelheit herrschte.

Eine Nacht später soll ein unbekannter Besoffener mindestens vier Autos beschädigt haben. Der laut Zeugen halbnackte Mann habe mehrere Scheiben eingeschlagen und in ein Fahrzeug ein Anarchie-Zeichen geritzt. Heute will der Innenausschuss der Stadt über den Brennpunkt diskutieren.

Im nächsten Bundestag werden noch weniger Frauen sitzen

Den Wahlsieg mit absoluter Mehrheit der Sitze von Emmanuel Macron in Frankreich dürfte ja jeder mitbekommen haben. Uns fiel daran ein kleines Detail besonders auf: 223 Frauen werden unter den 577 Abgeordneten in der Nationalversammlung sitzen, das sind fast 39 Prozent.

Anders sieht das in Deutschland aus: Beim Mandatsrechner von Christian Brugger lässt sich die Verteilung von Männern und Frauen vorhersagen. Aller Voraussicht nach wird der Frauenanteil in Deutschland nach der Bundestagswahl sinken. Er könnte erstmals seit 20 Jahren unter 30 Prozent fallen, berichtet die Bild am Sonntag. Am wenigsten Frauen werden wohl bei der AfD sitzen, weniger als 12 Prozent. Bei der Union sinkt der Frauenanteil von 25 auf 20 Prozent. Die einzigen, die das mit der Gleichberechtigung komplett verstanden haben, sind die Grünen. Bei ihnen werden vermutlich 55 Prozent der Abgeordneten weiblich sein.

14-Jähriger klaut Auto des Vaters – und wird von ihm erwischt

Guter Plan, mittelgut ausgeführt: Ein 14-Jähriger hat erst den Zweitwagen seiner Eltern geklaut und ist dann aus Versehen auf der Gegenfahrbahn an seinem Vater vorbeigefahren. Auf dessen Handyanruf reagierte der Teenager nicht, sodass der Vater ihm die Polizei hinterherschickte. Bei der Überprüfung des Jungen hat sich dann gezeigt, dass er sogar ein Mehrfachtäter ist: Schon vor zwei Wochen hatte er erfolglos versucht, den Wagen zu klauen, berichtet die Polizei.

Grand Theft Avocado: Früchte für 300.000 Dollar gestohlen

Wer redet bitte noch über Rucola? Wer isst noch Mozzarella auf Tomaten mit Balsamico-Creme? 2017 ist die Zeit der Avocado. Weil sich mit der grün-matschigen Alligatorbirne (ernsthaft, ist ein Alternativname) ein gutes Geschäft machen lässt, drehen anscheinend weltweit alle durch. In den USA sollen Diebe seit Mai Avocados im Wert von rund 300.000 Dollar geklaut haben. Die Wortspiel-Götter bei der kalifornischen Polizei in Ventura County schenken uns auch gleich einen filmreifen Namen: "Grand Theft Avocado". Und bei einem Vorfall in einer New Yorker Bodega haben zwei Kunden einem Verkäufer mit Avocados Platzwunden und Knochenbrüche zugefügt.


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