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Politik

Hambi bleibt: Warum die Aktivisten den Hambacher Forst trotzdem nicht verlassen

Der Hambacher Forst wird nicht abgeholzt, aber der Kampf ist noch nicht gewonnen, sagen die Bewohner.

von Muriel Kalisch
20 Januar 2020, 4:00am

Baumhaus im Hambacher Forst | Foto: imago images | Jannis Große

Sie haben gewonnen. Seit 2012 besetzen Aktivistinnen und Aktivisten den Hambacher Forst. Die Eigentümerin RWE will das Waldstück abholzen, um dort Braunkohle zu fördern. Die Besetzenden haben das nun tatsächlich verhindert. Der Bund und Nordrhein-Westfalen haben in ihrem Braunkohle-Ausstiegsplan entschieden: Der Hambi bleibt!

Ein Sieg – oder? Die Aktivistinnen sind jedenfalls immer noch da. Warum eigentlich?

Der Energiekonzern RWE hat die Aktivisten und Aktivistinnen aufgefordert, den Wald zu verlassen. "Es wird spätestens jetzt Zeit, dass sie dort endlich ihre Baumhäuser abbauen", sagte RWE-Chef Rolf Martin Schmitz der Rheinischen Post.

Man stellt sich feiernde Menschen in Baumhäusern vor, die fröhlich ihre Sachen packen. Abrissparty. Aber so leicht ist es dann doch nicht. Stattdessen sagt Momo, Waldbewohner: "Es ist eine gewisse Wut da."


Außerdem bei Vice: Ausgekohlt - Der Kampf um die Braunkohle des Ruhrgebiets


Der Aktivist lebt seit zweieinhalb Jahren im Hambacher Forst. Er ist Vollzeit-Aktivist: Wenn er nicht im Wald ist, setzt er sich für Geflüchtete ein. Dass der Wald wirklich bleiben darf, haben er und die anderen Waldbewohner am Donnerstag erst nach und nach erfahren, so richtig realisiert hat Momo es noch nicht.

Warum er wütend ist? "Es ist ein Etappensieg – aber mit sehr, sehr fahlem Beigeschmack." Den Aktivisten gehe es ja nicht nur um den Hambacher Forst. Der Wald sei nur ein Symbol. Natürlich freuen sie sich, dass der Wald bestehen bleibt. Aber genug ist ihnen das nicht.

Der neue Plan von RWE sieht nun vor, um den Hambacher Forst herum zu graben. Für die Waldbewohner kommt das einer Abholzung gleich. "Der Wald wird austrocknen und sterben, einfach weil er zu wenig Wasser hat", sagt Momo.

Viel ist ohnehin nicht mehr da: Von der einst 40 Quadratkilometer großen Waldfläche sind nur noch zwei Quadratkilometer übrig.

Statt zu packen, werden die Aktivistinnen nun erst einmal warten. Langeweile droht ihnen trotzdem nicht. "Der Klimawandel ist ja nicht aufgehalten, nur weil der Hambacher Forst nicht weiter abgeholzt wird", sagt Momo.

Nutzlos im Angesicht des eigenen Erfolgs fühlt sich niemand. "Es gibt viele neue Besetzungen", sagt Momo. Die Besetzer ziehen dann wohl einfach weiter. Der nächste Wald wartet bereits auf seine Rettung.

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