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Lincoln war der Antichrist

'BioShock Infinite' erhöht Apartheit und Nationalismus auf ein neues Level. An die Spitze der Troposphäre.
10.4.13

In den Lüften sind die Weißen an der Macht! Lincoln ist der Teufel und sein Kopfschuss-Billeteur John Wilkes Booth wird zum Heiligen erkoren. BioShock Infinite hat den Freischwimmer gemacht, sich - mit dem nunmehr dritten Teil der Reihe - aus den Tiefen des Rapture-Ozeans erhoben hinauf in die rassistischste Wolkenstadt, New Columbia.

Ein Prequel in den 1910ern: "Patriots, Arm thyself! Against the foreigners & anarchists!". Es ist ein Amok-Volksfest des Amerikanischen Exzeptionalismus und knattert mit esoterischer Steampunk-Technik und genetischen Superkräften durch die Troposphäre.

Das klingt doch alles vielversprechend und du als Privatdeketiv Booker Devitt musst lediglich das pubertierende Wundermädchen Elizabeth finden und aus den Fängen der Sekten-artigen Ami-Nazis befreien. Kein Problem. Natürlich macht das einem der dampfbetriebene, Boing-große und scheißaggressive Songbird nicht so einfach. Auch die Heimwehr-Miliz macht einem das Überleben schwer. Keiner sollte jetzt aber Angst haben, dass man beim Niedermähen der Nationalisten ständig die Kleine schützend an der Hand halten muss. Die weiß sich schon allein zu helfen, versorgt einen mit Money und Muni oder reißt mal eben dem ganzen Raum- und Zeitkontinuum den Arsch auf.

Außerdem präsentiert sie im späteren Spielverlauf einen schweren Ausschnitt, den dieses Real-Life-Lookalike Mädchen hier auch würdig vertritt. Die hat uns alle ja bereits vor dem Release mit ihren versteckten "Fähigkeiten" die Hose geöffnet. Ach, aber irgendwo verläuft sich BioShock Infinite in einem Sumpf aus so-wie-die-alten-Teile-sein-wollen und langweiligen Spezial-Zauberkräften, wie zum Beispiel: Krähenwerfen (kein Scheiß!). Auch obwohl das Konzept der Stadt im Himmel episch umgesetzt ist und viele liebevoll gemachte Details wie Figuren/Level-Design, Werbeplakate und Propaganda aufweist, die hintergründige Einblicke in die Geschichte geben, bin ich irgendwie unbefriedigt.

Sicher sind Story und die Inszenierung derselben super gemacht, aber irgendwie kenn ich das schon alles. Und eigenartig ist auch, dass man sich in einer Welt voller schwebender Stadtteile und auf den crazy Tony-Hawk-Himmelbahnen derart im Spielverhalten eingeengt fühlt. Vielleicht fehlt mir noch die Übung in dieser Zahnradmetropole. Aber die Hoffnung, dass ich dem Propheten und Gründer vom fliegenden New Columbia noch eine RPG-Ladung ins faschistoide Bartgesicht betonieren darf, hält den Spielspaß dann doch am Leben.

4 von 5 Kreissägen ins Gesicht der White Supremacy.

Plattform: Xbox 360, PS3, PC, OS X

Publisher: 2K

Josef auf Twitter: @theZeffo