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Ich bin zu faul zum Überleben

'The Last of Us' fordert unsere schlaffen Hirne heraus. Wir wünschen uns die Zeiten zurück, in denen Zombies noch schlurften.
19.6.13

Vielleicht muss ich an meiner Grundeinstellung arbeiten, denn nicht nur Gaming ist mir zur Zeit zum überanstrengenden Graus geworden, sondern auch Arbeit, Rauchen, Frauen, Kochen, Unterhemden wechseln, Fortgehen, Serien, Bücher fertig lesen und Motivation in ihrer bloßen Essenz. Sicher, vielleicht löst die Hitze im Schlafzimmer gerade eine Art Sommerlethargie aus, aber da ist mehr dahinter.

Ich dachte immer ich wäre so romantisch veranlagt, sehne mich nach Sehnsucht und liebe Selbstmitleid, so wie ein erfolgloser, Hurenhäuser besuchender, expressionistischer Künstler Anfang des 20. Jahrhunderts, aber die Wahrheit ist: Ich bin einfach faul. Ich bin zu faul für Beziehungen, zu faul für Fernseher einschalten, zu faul für Klavierüben, zu faul für 69, zu faul um Drogen zu besorgen, also letztlich zu faul um mich selbst kaputt zu machen, zu faul um mich für Faulheit zu begeistern und sogar zu faul für den interaktiven Überlebenskampf auf dem Sofa. The Last of Us erleichtert mir in dieser Hinsicht das Dasein nicht wirklich.

Dass in das nicht-Sterben eine tatsächliche Herausforderung darstellt, setzt uns endlich wieder einmal mit einem lange vergessen geglaubten Spielekonzept auseinander: Beherrsche und bemühe dich, sonst schaffst du das Level nicht. Wenn schon Horror-Survival-Game auf der Packung steht, sollte man sich nicht mit links am Sack kratzend durch die untoten Massen schießen können. Darum ist es spannend und toll, dass in dem aktuellen, großen Vorzeigetitel von Munition Mangelware ist, in den Ruinen von Boston Orientierungslosigkeit herrscht, die verschiedenen Zombiearten verdammte Genies und schneller unterwegs sind als EKH-Speed-Schnupfer.

The Last of Us

Naughty Dog

Aber es beweist auch wie unglaublich verwöhnt ich bin von Spielen wie Shoot Many Robots oder Max Payne 3 (das übrigens ziemlich rockt und vielerseits unterschätzt wird). Jedenfalls reicht die kleinste Gameplay-Hürde um mich verzweifeln zu lassen und führt dann im Affekt zu solchen überreflektierten Zynismus-Artikel, wie diesen hier. Wie gerne würde ich kilometertief in die Hodenrückzug-Atmosphäre von The Last of Us eintauchen und meine Nächte unschlafbar machen, aber mittlerweile vermisse ich bloß die Zeiten, in denen Zombies noch schlurften.

Die Motion-Capture-Technologie von The Last of Us macht vieles möglich: geile Gesichtsgrafik, überzeugendes Texturen-Design, realistische Figurenbewegungen und vor allem Fotos von Leuten in lächerlich gepunkteten Neoprenanzügen. Dazu kommt die einnehmende Stimmung des Schreckens nach jeder Ecke—verstärkt durch den bedrohlichen Soundtrack von Gitarrenmeister Gustavo Santaolalla (Amores Perros, Brokeback Mountain, Babel)—in der wahren Manier von den ersten, richtig haarsträubenden Resident Evils, eine Serie, die leider viel an Biss verloren hat.

Im Nahkampf erinnert mich das Spielverhalten außerdem sehr an Manhunt, die ultragrausame Gewaltverherrlichung von Rockstar aus 2004, das dann auch kurz indiziert wurde, ich vorher aber noch ausspielen konnte. Natürlich ist The Last of Us nicht annährend so brutal, aber man schleicht auch viel mit selbstgemachten Plastikmessern umher, stranguliert von hinten die Leute oder lenkt sie mit gezielten Flaschenwurf-Manövern ab.

Das moralische Dilemma einer Endzeitgeschichte mit wenig Überlebenden lässt bei manchen von uns schnell Verbindungen zu aktuellem Zeitgeschehen ziehen, was aber nicht bedeutet, dass man die Thematik des Zombie-Genres ernst nehmen sollte, auch wenn sie die Entwickler von The Last of Us löblicherweise sehr ernst genommen haben. Das wurde uns sofort klar, als wir die ersten Einblicke ins Gameplay machen durften, auch wenn diese in einem Rapevan gehostet wurden. Das Spiel wird mich definitiv noch richtig fangen und ich freue mich schon zu sehen wie der Blutpilzpfad des Schmugglers und der Teenagerin endet. Der Prolog und die Tristess der verranzten Nachwelt sind schon sehr schwermütig. Zum Abschluss muss ich jedoch den allgemeinen Hype um The Last of Us etwas drosseln. Es ist und bleibt Innovation aus der Dose und klarerweise hat man bei einer dermaßen ausgelutschten Sparte wie Zombie-Meuchelei dann doch einiges schon ein- oder dreimal gesehen.

4 von 5 Motivationen, sich selbst mit ein wenig Geschick und Strangulation aus dem Sommerloch zu befreien.

Publisher: Sony Computer Entertainment

Platforms: PS3

Josef auf Twitter: @theZeffo