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Diese Politiker verdienen mehr als 10.000 Euro mit Nebenjobs

Seit kurzem wissen wir, wie viel jeder Parlamentarier zusätzlich zu seinem Gehalt von 8.160 Euro durch Nebenjobs verdient. Bei acht ganz besonders fleißigen sind das über 10.000 Euro brutto und ihr solltet euch ein Beispiel daran nehmen.
4.7.13


© APA/HERBERT PFARRHOFER (aus: DiePresse)

„De mortuis nil nisi bene“—und wenn jemand auf dem Boden liegt, nimm nicht auch noch Anlauf, um der Person so richtig in die Eier zu treten. An dieses Gesetz, das älter als der Codex Hammurabi ist, halten uns im Normalfall sogar wir. Dementsprechend schlecht ist unser Gewissen, wenn wir wie Jörg Haider zu seinen besten Zeiten die Kärtchen mit den seltsamen Zitaten und Statistiken auspacken und auf die faulen Abgeordneten und ihre Gehälter zu schimpfen. Auch deshalb, weil „faul“ in diesem Fall nicht wirklich angebracht sind, im Gegenteil. Die Zuverdienstliste der Parlamentarier, die am Montag online gestellt wurde, zeigt recht deutlich, dass zumindest 8 Parlamentarier ganz besonders fleißig sind.

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Diese acht Abgeordneten kassieren zusätzlich zum monatlichen Parlamentarier-Gehalt von 8.160 Euro einen Betrag von über 10.000 Euro brutto. Könnt ihr euch noch an den Nebenjob erinnern, bei dem ihr euch zuletzt dachtet „Endlich werde ich mal nicht ausgebeutet und kann es mir sogar leisten, Wasser aus der Flasche zu trinken, wie ein richtiger König?“ Wir uns auch nicht. Aber selbst wenn: Diese Nebenjobs sind definitiv noch um einiges besser.

NEBENJOB AKTMODELL? ES GEHT NOCH BESSER! (Foto: Ida Haltaufderheide)

Selbst ohne irgendwelche Zusatzbezüge und Zulagen (für Kinder, Pendlerpauschale oder schwere psychische Mehrbelastung) verdienen unsere Busy Eight mindestens 5,448 Euro neben ihrem eigentlichen Job. Wie viel genau, ist schwer zu sagen, denn so weit geht es mit der Transparenz in Österreich natürlich auch wieder nicht. Die Zusatzeinkommen sind nämlich nur in 5 grobe Stufen eingeteilt, von bis 1000 Euro in der ersten Stufe bis zu über 10.000 Euro zusätzlich in der 5. Stufe, in die wie gesagt unsere tollen Acht fallen. Und das beste: Wenn sie einem zu antrengend werden, kann man einfach im Hauptjob auf der Parlamentsbank powernappen.

Weil man von solch fleißigen Gesellen (übrigens ausschließlich Männer) in Sachen Motivation und Geschäftssinn noch einiges lernen kann, wollen wir uns an dieser Stelle die fünf besten Nebenjobber ein bisschen genauer anschauen. Und sie uns zum Vorbild für unseren weiteren Werdegang nehmen.

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Jakob Auer (ÖVP)

© Parlamentsdirektion/WILKE

Der 1948 in Kirchberg in Tirol geborene Landwirt ist der lebende Beweis, dass weder Rap noch der Obmann der Raiffeisen Landesbank Oberösterreich eine Matura brauchen. Pflichtschule muss reichen. Okay, wir wollen jetzt nicht unfair sein und die zahlreichen Fortbildungslehrgänge und den Präsenzdienst unter den Tisch fallen lassen, nachdem beides als Teil seines weiteren Bildungswegs angeführt ist.

Woher die ganze Kohle kommt, wissen wir nicht, aber vielleicht ist Schweinemast doch lukrativer als wir gedacht haben. Jedenfalls gibt es Gerüchte, denen zufolge Auer regelmäßig auf die Dächer diverser Gymnasien in Tirol steigt und von dort aus seinen goldenen Stuhl auf bildungsversessene Idioten hinunterscheißt. Wir glauben kein Wort davon, sagen aber, falls doch was dran sein sollte: Jedem sein Urlaub.

Ernest Windholz (BZÖ)

© Parlamentsdirektion/WILKE

Wer nicht nur wie Hemingway heißt, sondern auch noch so aussieht, darf von uns aus gern alles Geld der Welt dazuverdienen. Erst recht, wenn die Einkommensquelle auch noch ins Bild passt und man seine über 10 großen Flocken im Monat als Inhaber von zwei Trinkhöhlen macht. Windholz ist nämlich Betreiber des Gasthofs zum Amphitheater und des Cafés Carnuntum in Bad Deutsch Altenburg.

Okay, vielleicht nicht genau die Art von Bar, in der Papa H. bevorzugt seine Double Daiquiris und Absinths getrunken hätte—aber wenn er in Bad Deutsch Altenburg (und hier speziell in den Trinkstätten des BZÖlers) gestrandet wäre, hätte er mit Sicherheit auch nicht auf Double Daiquiris und Absinths verzichten können. Aber grundsätzlich gilt: wer es nach Polytechnikum und „Büroschule“ zum rechten Gastro-Zar von Bad Deutsch Altburg geschafft hat, dem gebührt zumindest eine kleine Belohnung. Ernest Windholz ist unser 10.000-Euro-Verdiener-der-Herzen.

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Martin Bartenstein (ÖVP)

© Parlamentsdirektion/WILKE

Als ehemaliger Wirtschaftsminister weiß man, wie man zu Geld kommt, auch wenn Bartenstein den Ursprung seiner Einkünfte nicht angibt und uns lernbereiten, wissbegierigen, geldgeilen Trittbrettfahrern damit den Stinkefinger zeigt. Wir vermuten, es könnte etwas mit seiner Beteiligung an der Gerot Lannach Gmbh zu tun haben, bei dem Barti als Geschäftsführer eingesetzt wird.

Das ist ein Pharma-Unternehmen, das ab Sommer ein „Austro-Viagra“ auf den Markt bringen wird. Mehr wissen wir darüber auch nicht (inklusive der Info dazu, wann dieser „Sommer“ denn nun wirklich für mehr als einen Tag vorbeischaut). Schade, wir hätten wirklich gern den Witz gebracht, dass Bartenstein sich an den lahmen Schwänzen seiner Wähler eine goldene Nase verdient. Oder an den goldenen Nasen seiner lahmen Wähler einen langen Schwanz.

Wilhelm Haberzettl (SPÖ)

© Parlamentsdirektion/WILKE

Vorwürfe vom Format „Wasser predigen und Wein trinken“—oder im Fall der SPÖ „Offiziell hackeln, tatsächlich einsackeln“—gehen unter die Gürtellinie und müssen auch bei den vormals eher unterschichtig und arbeitsklassig orientierten Parteien natürlich längst nicht mehr sein. Zum Glück. Es wäre auch ziemlich unfair, wenn nur diejenigen Abgeordneten Zaster sammeln dürften, die aufgrund ihrer Parteienzugehörig „Hallo, ich bin zum Zaster sammeln da“ auf dem Namensschild stehen haben. Außerdem nennt sich die SPÖ ja auch „Partei der Arbeit“—ein Spruch, der angesichts von Wilhelm Haberzettls Zuverdienst von über 10.000 auf einmal richtig Sinn macht.

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Wir dachten davor, die SPÖ wäre eine Partei für Arbeiter. Jetzt wissen wir, die SPÖ ist eine Partei für Leute, die nebenbei arbeiten. Und mit nebenbei meinen wir stattdessen. Haberzettl ist jedenfalls Vorstandsmitglied der gemeinnützigen allgemeine Bau-, Wohn- und Siedlungsgenossenschaft und war davor Eisenbahner. Das ist schon das Ende der Fahnenstange—und der Anfang des Goldmasts vor der eigenen Villa.

Dr. Andreas Karlsböck (FPÖ)

© Parlamentsdirektion/WILKE

Ernsthaft: Wie viele Medizinstudenten wollen später mal in Gesichter greifen und abgestorbene, verfaulte Knochenstücke daraus entfernen? Wer Arzt wird, hat dabei meistens Füllungen der etwas anderen Art im Kopf, wenn ihr versteht. Vor allem, weil die Zahnmedizin den Ruf hat, die Sandler-Kategorie unter den Leibeswissenschaften zu sein. Wer Zahnarzt wird, schläft mit einem Fuß schon unter der Brücke und muss sich mit Almosen von 2.000 bis 3.000 Euro netto im Monat abgeben. Dachten wir zumindest.

Dann kam die Transparenzliste und mit ihr trat Dr. Karlsböck in unser Leben. Seither fragen wir uns, ob dieser wohl HC Strache als Zahntechnikgehilfen anstellt und so in der eigenen Praxis für Umverteilung (also von vernünftigen Menschen hin zu FPÖ-Mandataren) sorgt. Übrigens wird gemunkelt, Adolf Hitler habe an unglaublicher Mundfäule und entsprechendem Mundgeruch gelitten. Altlasten abarbeiten much?

Ferner liefen

© Parlamentsdirektion/Mike Ranz

Die drei weiteren Politiker mit mehr als 10.000 Euro Zusatzeinkommen sind Harald Stefan, FPÖ (der Notar, der trotz Reichtum zu knausrig für einen richtigen Nachnamen ist), Peter Michael Ikrath, ÖVP (ein Sparkassenguru, der auf der Parlaments-Setie statt einem Foto von sich lieber eins vom Sitzungssaal stehen hat und wahrscheinlich ziemlich traurig drauf ist) und Johannes Jarolim, SPÖ (der seine Finger bei den Austrian Airlines in den Turbinen hat und dafür wahrscheinlich einfach nur regelmäßig ziemlich viel Schmerzensgeld abcasht). An euch drei: Sorry, dass ihr es nicht mit Foto hier rein geschafft habt. Als Entschädigung steht euch die Einführung einer "Kategorie 6" für Zusatzverdienste bei Parlamentariern zu.

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Wer sich selbst durch die Liste wühlen will, kann das hier tun.

Eure eigenen Einkünfte aus Nebenjobs könnt ihr dieses Wochenende hier anlegen:

DONNERSTAG

Am Anfang kommt die Kultur, danach die Party und das schlechte Gewissen. Um die Pflicht vor der Kürz zu erledigen, solltet ihr neben die Buchpräsentation von Skeletons in the Closet ein Häkchen machen. Dann gibt es Kultur im Augarten, zum Einen die Eröffnung der Ausstellung Cerith Wyn Evans: The What If?… Scenario (after LG) und zum Anderen der Startschuss für Kino Wie Noch Nie.

FREITAG

Bei Schönwetter (wovon wir einfach mal ausgehen) lädt die Grelle Forelle nachmittags zu den Terrassenstunden ein; nicht nur heute, sondern das ganze Wochenende. Am frühen Abend gibt's dann am Augartenspitz wieder Wortkunst und Picknick-Körbe von TBA21: Ephemeropteræ 04 startet um 19:00 Uhr und bringt friedvolle Sprachgewalt von Cerith Wyn Evans und Susan Stenger und anschließend gehts zum Susi Sommerpausenfest ins Werk.

SAMSTAG

Heute ist Pause, ihr Idioten, damit ihr lustige Dinge zu Hause oder im Gastgarten oder wo auch immer anstellen könnt, für die ihr keine Anweisungen von uns benötigt (Sex fällt damit leider weg, hehe).

DIENSTAG

Wir wissen, dass das Wochenende für die meisten von euch am Sonntag endet, weil ihr entweder arbeiten müsst oder die Jagd einfach aufgebt. Aber zwischen heute und der nächsten Ausgabe liegt nun mal auch die Atelier-Eröffnung von unserem allerliebsten Fotografen Daniel Gebhard de Koekkoek. Und da ihr sowieso keinen 10.000-Euro-Nebenjob habt, könnt ihr in eurer Freizeit genauso gut hier vorbeischauen.