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Fotos

Die griechische Krise in Bildern

Eine fotografische Chronik von Griechenlands finanziellem Zusammenbruch.

von Dimitris Michalakis
07 April 2014, 6:00am

2010 haben die Europäische Kommission, die Europäische Zentralbank und der Internationale Währungsfonds begonnen, die Kontrolle über die griechische Wirtschaft zu übernehmen.

Eher im Sinne einer mahnenden als einer feierlichen Erinnerung hat der Fotograf Dimitris Michalakis 2014 eine Auswahl von 40 Fotografien aus den letzten Jahren zusammengestellt. Die Bilder zeigen die sozialen Auswirkungen der Sparmaßpolitik in Griechenland und beleuchten ein knappes halbes Jahrzehnt, das von Schlagzeilen über „soziale Ungleichheit", „Schulden" und die „Wirtschaftskrise" geprägt war.

Griechenland hat ein Revival dessen erlebt, was in den USA in den 1930er Jahren als Große Depression bezeichnet wurde.

Viele Demonstrationen sind zu gewaltsamen Auseinandersetzungen eskaliert, bei denen die Straßen wie nach einem Bombenanschlag aussahen.

Die meisten Bürger wehren sich vehement gegen die Sparmaßnahmen.

Die griechische Regierung reagiert auf die Unzufriedenheit der Öffentlichkeit mit einer Ausweitung der Polizeigewalt. Bei großen Demonstrationen sind die Straßen in Athen von Polizisten übersät, die die Hauptstadt wie ein Kriegsgebiet aussehen lassen. Ironischerweise sind in den letzten Jahren auch die Gehälter der Polizisten massiv gekürzt worden.

Immer wieder enden Proteste in Athen in Straßenschlachten mit der Polizei.

Griechenland erlebt einen dramatischen Anstieg von Selbstmorden. In den letzten vier Jahren haben sich mehr als 3.000 Menschen getötet oder versucht, sich zu töten.

Arbeitslosigkeit, Lohn- und Rentenkürzungen sowie Steuer- und Preiserhöhungen haben griechische Haushalte in Notlagen gebracht.

430.000 Kinder leben unter der Armutsgrenze.

Die Wirtschaftskrise hat die Mittelklasse, das Rückgrad der griechischen Gesellschaft, in den Ruin geführt.

Seit 2012 haben sich rassistische Übergriffe gegen Roma vermehrt. Im August 2012 zündete eine Gruppe von 80 Leuten, angeführt von Mitgliedern der Goldenen Morgenröte, Häuser von Roma an. Maria und ihre Familie fielen den Angriffen zum Opfer.

Immigranten leiden unter entsetzlichen Arbeitsbedingungen.

Allein in Athen leben 25.000 Obdachlose. Während tausende Häuser und Wohnungen leerstehen, schlafen sie auf Bänken und Pappe.

George ist Bauer und Vater von drei Kindern. Er arbeitet 12 bis 15 Stunden pro Tag. Sein Einkommen ist in den letzten vier Jahren um 70 Prozent gesunken.

Stamatia ist arbeitslos und hat keinen Zugang zum Gesundheitssystem. Manchmal geht sie Putzen, vor allem aber helfen ihr ihre Nachbarn über die Runden.

Die Generation meines Vaters (*1964) ist die letzte, die von der staatlichen Gesundheitsfürsorge profitiert hat.

Niko war früher im öffentlichen Sektor angestellt und lebte in einem Vorort nördlich von Athen. Jetzt lebt er in einem provisorischen Haus in der Nähe des Strandes.

Familien in Griechenland haben ihre Ausgaben für Kleidung und Schuhe enorm reduziert. Sieben von zehn Griechen haben 2013 keinen einzigen Urlaubstag nehmen können.

Im Januar 2014 haben Bauern gegen Steuererhöhungen, Kürzungen von Subventionen, den Anstieg der Ölpreise und der Produktionskosten protestiert.

Solange Immigranten auf dem Feld arbeiten, werden sie von der Polizei in Ruhe gelassen. Nach Ende der Saison leben Tausende Immigranten versteckt in Wäldern, weil sie ihre Abschiebung fürchten.

Einkaufswagen sind in Athen allgegenwärtig. Sowohl Griechen als auch Immigranten suchen in Mülleimern nach Metallresten, um sie an Schrottplätze zu verkaufen.

Eine Studie von 2012 ergab, dass 64,8 Prozent der 214 Befragten seit weniger als zwei Jahren obdachlos waren. 89,7 von ihnen waren Griechen, 10,3 Prozent Ausländer. 82,2, Prozent der Befragten waren männlich, 60,7 Prozent im Alter von 41 bis 55 und 26,4 Prozent zwischen 26 und 40. Ein Fünftel von ihnen hat einen höheren Schul- oder Studienabschluss. Costas ist 57 Jahre alt und ihm fehlt ein Bein. Er schläft in seinem Auto und sammelt tagsüber Metallreste.

Die einzigen Geschäfte, die florieren, sind Pfandhäuser, die in den wenigsten Fällen gesetzliche Bestimmungen erfüllen. Verzweifelte Bürger verpfänden ihre Juwelen, Familienandenken und sogar Goldzähne.

Eine neuere Studie zu den Auswirkungen der Sparmaßnahmen auf die geistige Gesundheit stuft 12 Prozent der Griechen als klinisch depressiv ein. Betroffen sind vor allem Frauen, Menschen in den Altersgruppen von 35 bis 44 und 55 bis 64, Personen mit niedrigem Bildungsgrad und mit einem Monatsgehalt unter 400 Euro sowie Arbeitslose und Unterbeschäftigte. 2008 lag der nationale Wert noch bei 3,3 Prozent.

13,1 Prozent der griechischen Schüler brechen die Schule ab und suchen sich Arbeit, um ihre Familien finanziell zu unterstützen. Zugleich sind zwei Drittel der griechischen Jugendlichen arbeitslos.

Die geschätzte Anzahl der Heroinkonsumenten in Griechenland liegt bei 100.000. 1980 waren es nur 2.000. 58,9 Prozent der Konsumenten sind arbeitslos.

Junge Griechen suchen einen Ausweg in Drogen, Prostitution und Illegalität. Dem Staat vertrauen sie nicht.

Die Prostitution in Griechenland hat während der Krise einen dramatischen Anstieg erlebt.

Athen stellt 2000 Portionen Mittagessen und Abendessen für Obdachlose und Menschen ohne Einkommen zur Verfügung.

Das Viertel Perama befindet sich im Westen der Stadt. Vor fünf Jahren lebten die Leute hier noch in Holzhütten. Irgendwann bekamen sie Hypotheken, die sie nun nicht mehr abbezahlen können.

Rentner sehen ihr Einkommen schrumpfen und ihre Ersparnisse schwinden. Die meisten von ihnen leben in Armut.

27 Prozent der griechischen Familien fehlt das Geld für basale Ausgaben. Immer mehr Menschen wenden sich an Suppenküchen.

Gesundheits- und Sicherheitsmaßnahmen am Arbeitsplatz werden von Arbeitgebern, besonders in Fabriken, als unnötige Produktionskosten angesehen und ignoriert.

Hellenic Halyvourgia, eines der größten Industrieunternehmen in Griechenland, hat die Finanzkrise zum Anlass genommen, den Arbeitnehmern neue Verträge aufzuzwingen und einige Angestellte zu entlassen. Die Produktion kam daraufhin für 272 Tage zum Stillstand. Die Frauen der Angestellten haben den Streik unterstützt, obwohl viele von ihnen selbst arbeitslos waren.

An der Werft von Scaramaga waren früher 6.000 Leute angestellt. Nach einer Reihe von Geschäften zwischen der griechischen Regierung und ausländischen Investoren wurde sie als der „kranke Mann“ der griechischen Wirtschaft bezeichnet. Im Oktober 2013 stellte die Werft offiziell die Arbeit ein und setzte die letzten 1.100 Angestellten auf die Straße.

Entlassungen, Gehälter von 400 Euro pro Monat und Mehrarbeit sind einige der Gründe, die die Hafenarbeiter in Piräus zum Streiken veranlasst haben.

Die Besatzung des Fährboots „Penelope A“ streikt für höhere Löhne.

Arbeitslose Werftarbeiter verbringen ihre Zeit damit, in der Gegend von Thriasion zu fischen.

Aufgrund des hohen Arsengehalts ist das Trinkwassersystem im nordöstlichen Chalkidiki ungenießbar.

2012 tauchten in Griechenland Krankheiten auf, die im Westen vor Jahrzehnten eigentlich ausgerottet waren. In Evros und Scala gab es Fälle von Malaria.