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Sex

Studentinnen, die ihr Studium durch Sexarbeit finanzieren, erzählen von ihrem Job

"Dieses Jahr habe ich rund 46.000 Euro verdient. Wenn man gut aussieht und lustvoll stöhnen kann, dann hat man ausgesorgt."

von Madeleine Holth
02 November 2016, 12:48pm

Sexy Werbung in einer Telefonzelle – heutzutage läuft so etwas eher online ab | Foto: Per Gosche | Flickr | CC BY 2.0

Sexarbeit ist in Studentenkreisen längst kein Tabuthema mehr. So hat eine repräsentative Umfrage unter Berliner Studenten und Studentinnen ergeben, dass 3,7 Prozent einer Nebentätigkeit im Bereich der Sexarbeit nachgehen bzw. nachgegangen sind. Und fast 33 Prozent könnten sich vorstellen, sich während des Studiums auf diese Art und Weise Geld dazuzuverdienen.

Bei stetig steigenden Mieten und Lebenshaltungskosten ist es aber auch kein Wunder, dass junge Menschen "ungewöhnliche" Wege einschlagen, um am Ende des Studiums nicht mit einem riesigen Schuldenberg dazustehen. Und die Sexarbeit hat ja auch diverse Vorteile: flexible Arbeitszeiten, gute Bezahlung und Geschlechtsverkehr. Dem gegenüber stehen jedoch auch ein gewisses Stigma sowie das damit einhergehende Versteckspiel vor den Kommilitonen und der Familie.

Für diesen Artikel haben uns drei junge Frauen erzählt, wie es ist, Studentin und gleichzeitig Sexarbeiterin zu sein.

Tiffany, 25

Im Grunde gibt es zwei Arten von Kunden: zum einen die reichen Säcke, die sich auskennen, und zum anderen die Loser, die halt mal ihr Glück versuchen. Ein Typ hat mich zum Beispiel mal zum Mexikaner ausgeführt. Dort musste ich während der Happy Hour bestellen und ihm hing für den Rest des Abends Guacamole am Mund. Dann erzählte er davon, dass er sich "beruflich gerade neu orientiere", mit mir aber trotzdem gerne in einen Dessousladen gehen würde. Alles klar, tschüs!

Ein anderer Typ überreichte mir in einer Kneipe hingegen direkt einen Riesenbatzen Geld und schickte mir dann auch noch eine Kreditkarte zu, als er ein paar Wochen später auf Geschäftsreise war. Zu diesem Zeitpunkt hatten wir noch nicht mal gefickt.

Die Vorteile meines Nebenverdiensts sind richtig gut: Ich kann mich jeden Monat komplett neu einkleiden und meine erste Bezahlung bei einem neuen Kunden geht für eine teure Handtasche oder Louboutins drauf. Meistens kaufen mir die Kerle aber sowieso, was ich will.

Ich bin auch schon durch die halbe Welt gereist—egal ob London, Barcelona oder Dubai. Man darf allerdings nicht zu lange an einem Ort bleiben, weil den Kunden sonst langweilig wird. Das ist manchmal recht ermüdend. Außerdem muss ich mich immer sexy anziehen, perfektes Make-up tragen und rund um die Uhr gut drauf sein. Rülpsen, Furzen und Gähnen sind tabu, während ich über jeden noch so schlechten Witz lachen muss. Dazu kommt, dass ich zu sexuellen Handlungen bereit sein muss, die ich wahrscheinlich nicht mal mit einem festen Beziehungspartner machen würde. Ich meine, im einen Moment liege ich noch auf dem Rücken und im nächsten steckt mir ein Dildo im Arsch. Und ich tue so, als würde ich das alles richtig genießen. Dieses Jahr habe ich allerdings rund 46.000 Euro verdient. Wenn man also gut aussieht und lustvoll stöhnen kann, dann hat man ausgesorgt.


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Adrianne, 24

Ich komme ursprünglich aus den USA und hatte keine Ahnung, wie teuer Europa werden würde. So landete ich auch in einer Dreizimmerwohnung, in der schon sechs andere Leute lebten. Und trotzdem musste ich jeden Cent zweimal umdrehen. Deshalb entschloss ich mich dazu, das ganze Escort-Ding auszuprobieren und eine Kommilitonin verwies mich auf eine dafür geeignete Website.

Ich erstellte ein Profil und in den ersten 24 Stunden bekam ich auch direkt 25 Nachrichten. Die Anfragen waren dabei ganz unterschiedlich—vom einfachen Kaffeetrinken bis hin zu sinnlichen Massagen. Meine Wahl fiel auf einen Typen, der einen netten Eindruck machte und beim Schreiben auch ganz höflich rüberkam. Er war Mitte 30, denn ich wollte mein erstes Treffen nicht mit einem zu alten Kerl haben. Wir verabredeten uns schließlich auf ein paar Drinks. Während ich in der Bar auf ihn wartete, fühlte ich mich total unwohl und mir kam das Ganze überhaupt nicht wie ein Date vor. Ich hatte außerdem das Gefühl, dass alle anderen Anwesenden genau wussten, warum ich in die Bar gekommen war.

Als der Typ schließlich reinkam, wurde ich direkt paranoid. Obwohl es sich nämlich wirklich um den Mann von der Website handelte, hatte er rein äußerlich keine Ähnlichkeit mit den Profilbildern. Während der Unterhaltung konnte ich das Zittern in meiner Stimme nicht unterdrücken. Er kam mir auch viel zu nahe und schien seine Hände immer irgendwo auf meinem Körper zu haben. Das machte mir richtig Angst. Er wandte seinen Blick zu keinem Zeitpunkt von mir ab und kam immer mit irgendwelchen unangenehmen Rätseln an. Er beantwortete meine einfachsten Fragen mit diesen Rätseln, deren Lösungen sich ausschließlich auf mich, meinen Körper oder meine Kleidung bezogen.

Foto: Flora Rüegg

Später ging er dann auf die Toilette. Diese Chance nutzte ich und fragte den Barkeeper, ob es noch einen anderen Ausgang als die Eingangstür gäbe. Er deutete freundlich auf die andere Seite des Raums und ich rannte mit meinem Mantel in der Hand nach draußen. Als ich mich der Bushaltestelle näherte, hörte ich plötzlich, wie jemand meinen Escort-Namen laut ausrief. Ich drehte mich um und sah, wie der Typ aus der Bar auf mich zu rannte und sagte, dass ich noch nicht gehen dürfe und er noch nicht fertig sei.

Daraufhin sprang ich panisch in den nächstbesten Bus und mir war es auch erstmal total egal, dass ich in die falsche Richtung fuhr. Den Typen habe ich zum Glück nie wieder gesehen.

Annabelle, 22

Eine Freundin führte mich in die Escort-Welt ein, denn sie hatte von Studentinnen gehört, die "Begleitung" anbieten, um sich das Studentenleben finanziell gesehen zu vereinfachen. So entschied ich mich dazu, das Ganze selbst auszuprobieren.

Ich date auch heute noch meinen ersten Sugar Daddy. Wir trafen uns damals auf einen Kaffee und verstanden uns sofort blendend. Es folgten dann erstmal ein paar Dates ohne Sex, also Restaurant- und Opernbesuche. In der Nacht, in der wir zum ersten Mal miteinander schliefen, verdiente ich gut 1.300 Euro—für normalen vaginalen Geschlechtsverkehr, einen Blowjob und Cunnilingus. Im Grunde fühlte sich der Sex nicht anders an, als der Sex mit den Typen, die ich normalerweise date. Der einzige Unterschied bestand darin, dass mein Bettpartner fast doppelt so alt war wie ich und dazu noch Frau und Kinder hatte.

Bis zum jetzigen Zeitpunkt habe ich knapp 33.000 Euro verdient. Dazu begleite ich meinen Sugar Daddy auf seinen Geschäftsreisen. Im Normalfall vertreibe ich mir dann in Cafés und Restaurants die Zeit, aber manchmal gibt er mir auch seine Kreditkarte und schickt mich auf Shoppingtour. Dabei lasse ich die superteuren Sachen jedoch eher links liegen, denn er gibt mir monatlich ja sowieso gut 3.500 Euro.

Im Bett habe ich mit ihm schon ziemlich versaute Dinge gemacht, weil er auf sowas steht. Er zeigt sich gerne unterwürfig. In anderen Worten: Ich schlage ihn, würge ihn und spucke ihn auch manchmal an. Das macht ihn geil.

Ich habe nicht vor, mit der Sexarbeit aufzuhören. Ab und an fällt mir die Escort-Tätigkeit aber auch schwer—zum Beispiel wenn ich mich für andere Männer interessiere. Irgendwie muss ich mir meinen Lifestyle aber finanzieren. Und dieser Lifestyle ist mir im Moment einfach wichtiger als eine feste Beziehung.

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