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Musik

Musikreviews

Manchmal strahlen Booklets mehr Kunstsinn aus als die Musik. Das ist kein gutes Zeichen, Stefan Goldmann.
29.9.12

STEFAN GOLDMANN
17.50
Macro/Wordandsound

Es ist Sonntag, ich lümmel auf der Couch rum und lese meinem Weib den ersten Satz eines umherfliegenden Promozettels vor: „Wenn Du einer Note nichts hinzufügst, stirbt sie.” Das Weib macht würgende Geräusche. Ich kläre sie auf, dass es sich dabei um ein Zitat von Miles Davis handle. Sie zeigt sich unbeeindruckt und behauptet, es klänge eher wie der Kleine Prinz. Verdammt, dabei wurde sich hier so viel Mühe gegeben, einen intelligenten Eindruck zu vermitteln. Das Booklet mit den tristen Bildern von Dimitar Variysky hat uns aber trotzdem gut gefallen.

HAIRY SALLY

CONDUITS
s/t
Beep Beep! Back up the Truck

Auf dem Cover äugt ein zartes Fräulein durch Spinnennetze, die an dornigen Zweigen hängen. Der Rest des Artworks ergeht sich in 4AD-Gedächtnisdesign. Die Stücke heißen „Top of the Hill“, „Limbs and Leaves“ oder „Last Dirge“. Natürlich weißt du längst, wie diese Stücke klingen. Sie klingen so wie Jana Pallaske seit ein paar Jahren aussieht. Gut, dass ich mich selber dran erinnere, ich muss mal nachschauen, ob in meiner Versicherungspolice irgendwas zur Schädigung durch Klischeebefall drin steht.

COGITO ERGO SUM

THE SEA AND CAKE
Runner
Thrill Jockey/Rough Trade

Nein, eine richtig schlechte Band waren The Sea and Cake eigentlich nie. Leider zeichnet sich nach nunmehr fast 20 Jahren Bandgeschichte ab, dass sie wohl auch keine richtig gute Band mehr werden. Denn inzwischen haben sie ihre teflonartige Geschmeidigkeit derart perfektioniert, dass man ihr neues Album problemlos auf voller Lautstärke hören kann, ohne wirklich etwas davon mitzubekommen. Mag sein, dass das auch eine Kunst ist. Ist halt die Frage, ob man dafür Geld ausgeben möchte.

LOUISE SCHMOUISE

STAER
Stear
Discorporate/Soulfood

Wem die jüngste Entwicklung der norwegischen Kollegen von Årabrot nicht behagt, wer während des Angriffs auf sein Verständnis von Musik am Ende des Tages lieber Dosen leert als Gläser rückt, wer kurz gesagt seinen Noise lieber gerockt als verrührt mag, der/die wird mit diesem 40-minütigen Kompakt-Tonträger bestens bedient. Aufgrund eines genetischen Defekts ist es zwei der drei Mitglieder unmöglich, ihre Extremitäten im Zaum zu behalten, der dritte ist der Wächter und versucht, mit subsonischen Elektroschocks dagegen zu halten. Das schlimmste kann er verhindern. Klingt krank, ist krank.

DR. PILLERMANN