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Musik

Musikreviews

Sozialpädagogencafésoundtracks, grundsolider Indie-Pop und Reißzweckenkauen. Unsere Reviews.
20.10.12

HOMEBOY SANDMAN
First of a Living Breed
Stones Throw/Groove Attack

Gelegentlich wirkt Sandmans Conscious Rap ein wenig harmlos, wie Alltagsweisheiten eines Typen, der etwas zu viel nachgedacht und etwas zu wenig erlebt hat. Aber dann spittet er zwischendurch Schachtelsätze, die so komplex und verwirrend sind, dass man sie eigentlich nur von einem cracksüchtigen Quantenphysiker erwartet hätte. Gerade aus diesem Rasierklingenritt zwischen väterlicher Fürsorge und autistischen Psychospielchen bezieht der Homeboy jedoch seine Qualität, die inzwischen auf dem Stones Throw-Label von Peanut Butter Wolf ein angemessenes Zuhause gefunden hat. Und falls du dich jetzt noch fragst, ob hier auch einer dieser obligatorischen Illuminaten-Songs drauf ist: Ehrensache.

EMILY THE FLANGE

DEERHOOF
Breakup Song
ATP Recordings/Indigo

Ihr könnt Euch alle glücklich schätzen, dass Trennungen in der Regel entweder unter passiv-aggressiven Hasstiraden oder weinerlichem Selbstmitleidsgeplänkel vollzogen werden. Denn wenn es Gesetz würde, sich nach jedem missglückten Zweisamkeitsversuch Deerhoofs Mischung aus Katzenjammer, Reißzweckenkauen und mit den Fingernägeln auf der Tafel Kratzen anzuhören respektive andere damit zu belästigen, würde die Menschheit, oder zumindest der Teil ohne arrangierte Ehen, an einem kollektiven geplatzten Gehirn verenden. Oder ist das jetzt eine Errungenschaft, ideeller Sieger im Wettbewerb „Wer schafft es, dass nervtötendste Album zu machen?“ zu sein? In so einer Welt wollen wir wirklich nicht leben.

NEUSS BOYS

BEN GIBBARD
Former Lives
City Slang

Wenn ich mir echt mal verkneife, das Genre als solches zu bewerten – harmlos-unbedeutende Sozialpädagogencafésoundtracks irgendwo zwischen Keane und Joss Stone, so eine Mischung aus Weltverbesserungs-Musik und Nöl-Indie – wenn ich also versuche, diese Platte als „it is what it is“ zu akzeptieren und damit als Exemplar der Gattung „Musik, die die Welt so nötig hat wie Astrologie und Abtreibungsgegner“ und damit versuche, mich wirklich nur auf den Robbie-Williams-Gesang und die Mumford-and-Sons-Beliebigkeit und .. – nein, nochmal von vorn: Diese Platte wird in spätestens zwei Monaten jeder vergessen haben, der diesen Absatz hier gerade gelesen hat. So.

DEATHCAB MYASS

MENOMENA
Moms
Barsuk / Alive

Beim Hören dieser Platte fiel mir auf, dass ich Menomena bisher immer mit Efterklang verwechselt hatte. Zu meiner Verteidigung: beide sind einigermaßen bunt und experimentell im Auftritt.  Aber Menomena sind die, die man dabei immerhin halbwegs ernst nehmen kann. Die Band ist jedenfalls auf ein Duo geschrumpft seit der letzten Platte, und das entweder tolle oder schlimme daran ist, dass man den Unterschied fast nicht hört (vielleicht, weil die Instrumente weiterhin nicht personengebunden eingesetzt, sondern öfter mal gewechselt werden): grundsolider Indie-Pop, der diese Grat zwischen Langeweile und Verkopfung geradezu meisterhaft entlangläuft. (Wenn „nett“ übrigens die kleine Schwester von „scheiße“ ist, ist „grundsolide“ der große Bruder von „geil“.) Will sagen: Menomena sind die Tu Fawning des Indiepop.

JIM BUTTON