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Musik

Local Natives wollen mit Richard Dreyfuss Kartoffelbreiberge bauen

Bei den Local Natives wird viel getrommelt. Gerade live hat man bei den treibenden, synkopischen Rhythmen das Gefühl, man lausche hier nicht fünf weißen Slackern aus dem Norden von Los Angeles, sondern eigentlich einer ehemaligen afrikanischen...

von MALTE BORGMANN
22 Oktober 2009, 10:28am

Bei den Local Natives wird viel getrommelt. Gerade live hat man bei den treibenden, synkopischen Rhythmen das Gefühl, man lausche hier nicht fünf weißen Slackern aus dem Norden von Los Angeles, sondern eigentlich einer ehemaligen afrikanischen Percussion-Truppe. Gebleicht und mit karierten Hemden, Strickjacken und hippen Schnurbärten versehen, singen sie sich ihren folkigen Schmerz von der Seele. Sie haben genau die richtige Mischung aus Eingängigkeit und Weirdness, um sich mit Erscheinen ihres ersten Albums, „Gorilla Manor", zwischen Bands wie Arcade Fire und den Cold War Kids zu etablieren. Und zwar mit derselben Leichtigkeit, mit der die Afrikaner Bürgerkriege vom Zaun brechen. Wenn nur alles so einfach wäre.

Vice: Ihr seid zum ersten Mal in Berlin, oder? Habt ihr Spaß?

Andrew: Viel zu viel Spaß... Vorgestern hatten wir unsere letzte Show nach zwei Monaten Tour, und wir hatten danach zwei Tage frei. Wir waren bis 6 Uhr früh weg und haben am nächsten Tag bis 5 Uhr nachmittags geschlafen. Viel von Berlin haben wir also noch nicht gesehen.

Oh, ich denke, das geht den meisten hier so. Ich habe mir eure Show angesehen, und ich muss sagen, ihr habt echt toll gesungen. Habt ihr einen Vocal Coach?

Ryan: Nein, aber wir brauchen einen... Irgendwann mal vielleicht.

Sogar Death Metal Bands haben heutzutage Vocal Coaches.

A: Wir können uns keinen leisten. Hey, was ist das für ein Saft? Kristschinen Multick Vitamin Juice? Nur ein Standard Fruchtsaft mit vielen Vitaminen drin?

Ja, einfach nur viele Vitamine. Keine Ahnung, was da genau drin ist.

A: Wahrscheinlich alles...

Ihr lebt alle zusammen in einem Haus. Ehrlich gesagt hört sich das ein bisschen nach einem Konzept für eine Sitcom an. 5 Typen in einer WG, die auch noch zusammen in einer Band spielen...

Matt: Ja, auf eine Weise... Man merkt, dass wir zusammen wohnen. Wir verlieren uns manchmal in unserer Blase und vergessen, dass nicht jeder mit uns zusammen lebt und unseren Humor versteht...

Habt ihr bestimmte Regeln oder Rituale?

R: Eigentlich nur: Wasch dein Geschirr ab... Aber dann macht das doch wieder keiner. Dann wird es hässlich, weil sich alle gegenseitig anschreien. Glücklicherweise lebt Andys Freundin auch bei uns. Sie kümmert sich ein bisschen um den Haushalt.

Sie wäscht euer Geschirr ab?

A: Das tut sie nicht.

R: Sie wird nur wütend.

A: Sie erinnert uns einfach hin und wieder daran, wie dreckig das Haus ist.

Wenn ihr einen neuen Mitbewohner wählen müsstet: Wer würde das sein?

A: Richard Dreyfuss.

M: Der scheint ein lustiger Kerl zu sein. Wir könnten zusammen Kartoffelbreiberge bauen.

R: Im Grunde wollen wir ihn nur, damit wir ihn ins Zimmer neben Kelcey stecken können. Man würde die beiden dauernd verwechseln.

A: Wir haben in Dublin gespielt, und nach der Show ist dieser besoffene Ire auf uns zugekommen. Was hat er gesagt?

M: „Ye've got Richard Drrrreyfoos in th' baaand!"

R: Er war richtig wütend deswegen: „Wo ist dieser bärtige Trottel? Scheiß auf Richard Dreyfuss!"

Jemand, den ihr niemals nehmen würdet?

R: Carlos Mencia, der mexikanische Comedian. Das Ding ist, wir haben ihn schon immer gehasst. Schon bevor er in der South Park Folge aufgetaucht ist. Er ist einfach grauenhaft.

M: Jetzt bin ich wütend...

Wie lange lebt ihr jetzt schon zusammen?

A: Fast zwei Jahre. Aber in zwei verschiedenen Häusern.

R: Wir spielen jetzt seit ca. drei Jahren in dieser Formation zusammen, und vor ungefähr eineinhalb Jahren haben wir Jobs, Schule etc. abgebrochen, um uns voll und ganz auf die Musik zu konzentrieren. Zusammen zu leben hat uns dabei wirklich geholfen.

Und wo seht ihr euch in zwei, drei Jahren?

M: Oh, wir wollen nur, dass das eine möglichst lange Reise wird. Hoffentlich verbringen wir das nächste Jahr auf Tour, so viel wie menschlich möglich. Wir stehen kurz davor, endlich unser erstes Album zu veröffentlichen, und wir sind sehr aufgeregt deswegen. Wir hoffen, dass die Leute darauf anspringen, und dass die Sache wächst und wächst.

Ich habe heute in der Zeitung gelesen, dass ein paar Typen ein Mädchen getötet und zu Döner verarbeitet haben.

A: Oh nein, sag so was nicht.

R: Ich glaube das, ich glaube das sofort! Ich bin nämlich gestern zu so einem Dönerstand gegangen und allein schon vom Anschauen... dieses Fleisch... Ich schwör dir, mir ist schlecht geworden. Ich hab diesen Döner gegessen, und es war der schlechteste Döner, den ich jemals hatte.

A: Wir hatten in den letzten drei Nächten dreimal Döner um fünf Uhr früh.

Aber um fünf Uhr früh kommt das doch super.

R: Ja, aber wenn du nüchtern bist und dir das mal genau anschaust... Ekelhaft...

A: Ach, ich hatte übrigens ein Falafel, von daher bin ich eh auf der sicheren Seite.

R: Ich nicht, Mann, ich nicht...

A: Kelcey hat mir erzählt, er war bei diesem einen Kebap Laden, und der Größte hat 4,50 Euro gekostet. 4,50 Euro! Ich möchte gar nicht wissen, was da alles drin ist. Ja, wahrscheinlich sind es wirklich kleine Kinder, die niemand wollte.

R: Ja, das ist wahrscheinlich das Schlimmste, was ich jemals gehört habe... Vielen Dank, Mann.

Zu welchem Essen würdet ihr euch gern verarbeiten lassen, wenn ihr sterbt?

M: Ein Burrito?

R: Yeah, ein Burrito.

A: Ein köstlicher, köstlicher Burrito.

R: Habt ihr Burritos hier in Deutschland?

FOTO: WENDY REDFERN