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Sex

Horrorgeschichten aus dem Flugzeug

Blut, Schweiß, Tränen—und kein Entkommen!

von Jay Stephens
16 Juli 2016, 4:00am

Titelbild: Symbolfoto: Imago/Westend61

Einer aktuellen Studie zufolge sind nordamerikanische Fluggäste im letzten Jahr eigentlich ziemlich zufrieden mit ihren Airlines gewesen. Ja, sogar so zufrieden, dass man von einem Zehnjahreshoch sprechen kann. Allein die allgemeine Zufriedenheit mit dem Service ist zum Vorjahr um 12 Punkte gestiegen. Aber wie immer gilt, Ausnahmen bestätigen die Regel und überhaupt sollte man Studien mit einer gesunden Skepsis entgegentreten, also haben wir ein paar unserer vielreisenden Freundinnen darum gebeten, ihre schlimmsten Flugerlebnisse mit uns zu teilen. Wenn du das nächste Mal hoch über den Wolken schwebst und dich darüber beschweren möchtest, dass nicht alle Harry Potter-Teile im Filmangebot enthalten sind, erinnerst du dich vielleicht einfach an eine dieser Geschichten.

Das unerwartete dritte Rad

Eigentlich hatte ich geplant, auf einem Flug nach Vegas selig wegzudösen. Offensichtlich hatte ich meine Rechnung dabei aber ohne die beiden Passagiere neben mir gemacht. Die wollten sich nämlich lieber hart gönnen. Beim Start noch zwei Fremde, konnten sie bei der Landung die Finger nicht mehr voneinander lassen—eine ganze Menge verdächtiger Bewegungen unter der bereitgestellten Decke inklusive. Ich für meinen Teil war beschämt auf meinem Fensterplatz gefangen und versuchte verzweifelt Augenkontakt zu den Flugbegleitern aufzubauen (die das Schauspiel einfach zu ignorieren versuchten). Ich versuchte mich abzulenken, indem ich aus dem Fenster auf die Wolken starrte, aber jede Wolke sah plötzlich aus wie ein Penis. Sie erklärte ihm lauthals, warum sie sich gerne beim Sex fesseln lässt, woraufhin der Typ entgegnete, dass er das zwar noch nie getan hätte, es aber liebend gern mal ausprobieren würde. Irgendwann konnten aber auch die Flugbegleiter das laute, besoffene und notgeile Pärchen nicht länger ignorieren und baten sie darum, etwas ruhiger zu sein. Da waren wir allerdings eh schon kurz vor der Landung und mein Flug entsprechend ruiniert. – Tiina, 26

Wohlig warm

Als ich letztens von Boston nach Dublin geflogen bin, freute ich mich riesig darüber, drei Sitze für mich allein zu haben. Ich baute mir ein einladendes Bett aus Kissen und Mikrofaserdecken zusammen, machte es mir mit meinem Kopf in Richtung Fenster bequem und schlief friedlich ein. Während meines Nickerchens spürte ich, wie etwas wohlig Warmes meinen Kopf streichelte. Es war extrem angenehm, kuschlig und rundherum einfach wundervoll. Als wir irgendwann in Turbulenzen gerieten, wachte ich auf und merkte plötzlich, wo die Wärme herkam. Der alte Mann in der Reihe hinter mir hatte seine Beine ausgestreckt und seinen nackten Schweißfuß zu meinem Sitz nach vorne durchgeschoben. Es war dieser Schweißfuß, an den ich mich die ganze Zeit gekuschelt hatte. Fassungslos zerstörte ich schnell mein bequemes Flugzeugbett, um von seinem Fuß wegzukommen. An Schlaf war für den Rest des Fluges nicht mehr zu denken. Stattdessen starrte ich Löcher in den Raum und wünschte mir, ich hätte Trockenshampoo eingepackt. – Natasha, 27

Kosmetikterror

Einmal saß ich in einem Flugzeug voll mit Mary Kay-Vertreterinnen, die auf dem Weg zu einer großen Konferenz in Texas waren. Mary Kay, das sind diese Kosmetikprodukte, die Kundinnen an andere Kundinnen weiterverkaufen können. Jedenfalls saß ich genau zwischen zwei besonders ehrgeizigen Kolleginnen, die sich außerdem nicht wirklich leiden konnten. Sie kämpften den ganzen Flug über darum, mich als Kundin zu gewinnen. Vier Stunden später stieg ich aus dem Flugzeug aus. Ich hatte zwar keine kostenlose Proben abgreifen können, dafür war mein Kopf bis zum Bersten gefüllt mit wichtigen Fakten über Mary Kay-Kosmetika. Ich hatte zwei nutzlose Visitenkarten bekommen und stank nach billigem Parfüm. Laura, 25

Drama über den Wolken

Ich stamme aus der Dominikanischen Republik und fliege dementsprechend regelmäßig die drei Stunde nach New York und zurück. Einmal saß ich dabei neben einer Frau, die den ganzen Flug über nicht aufhörte zu weinen. Ich versuchte sie zu fragen, was los ist, aber sie konnte kaum atmen—geschweige denn sprechen. Ich wollte verständnisvoll sein, aber als dann ein vollgerotztes Taschentuch auf meiner Seite der Armlehne landete, war es mit meiner Empathie vorbei. Rachell, 24

Militärintervention

Etwa drei Stunde nach dem Start unseres Nachtflugs von New York nach Spanien schaltete der Pilot plötzlich die Kabinenbeleuchtung ein und machte eine Durchsage durch die Sprechanlage. Am Ton seiner Stimme konnte ich sofort sagen, dass etwas nicht stimmt. Extrem ruhig, beinahe zu ruhig, sagte er: "OK Leute, wir haben hier ein kleines Problem und werden eine kurze Zwischenlandung einlegen, um ein paar Dinge zu kontrollieren." Da ich keine Ahnung hatte, wo man zwischen New York und Spanien "eine kurze Zwischenlandung einlegen" kann, war ich felsenfest davon überzeugt, dass er uns nur beschwichtigen wollte, bevor wir alle unser kühles und nasses Grab finden. Stattdessen landeten wir dann aber auf einem Stützpunkt der Canadian Royal Air Force—offensichtlich der nächstmöglichen Landemöglichkeit, die nicht der Atlantik war—und blieben dort über Nacht in den Kasernen. Ich freute mich ein bisschen, endlich mal einen kanadischen Stempel in meinen Pass zu bekommen. Über die Kasernen freute ich mich allerdings weniger. Sie waren eine verranzte Mischung aus Studentenwohnheim und Gefängniszelle. Da unser Ersatzflugzeug um 6 Uhr morgens eintreffen sollte, entschied ich mich dazu, den Schlaf einfach komplett auszulassen. Das sollte sich allerdings als Fehler herausstellen. Unser Ersatzflieger kam nämlich erst zehn Stunden später, um 16 Uhr. Sobald wir an Bord waren, erfuhren wir, dass das neue Flugzeug nicht für eine Atlantiküberquerung geeignet ist. Also ging es zurück nach New York, um die Reise dort wieder von Neuem zu beginnen. Als wir endlich dort ankamen, waren die meisten internationalen Flüge schon weg. Lauren, 26

Böses Blut

Ich saß einmal neben einem Typen, dessen Hemd voll mit Blut war. Jede einzelne der elf Flugstunden verbrachte ich in panischer Angst, dass er gerade jemanden umgebracht hatte und auf der Flucht war. Catherine. 25