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Ich bin mit einem Teddybären auf Geisterjagd gegangen

BooBuddy Jr. ist ein Stofftier, das aufleuchtet, wenn es ein übernatürliches Wesen bemerkt. Ich habe den Plüschfreund in einem unheimlichen Museum auf die Probe gestellt.

von Colin Dickey
31 Oktober 2016, 11:48am

Alle Fotos: bereitgestellt vom Autoren

Eine meiner prägendsten Kindheitserinnerungen ist eine besonders angsteinflößende Folge der Gruselserie Geschichten aus der Schattenwelt. "Ursa Minor" wurde ausgestrahlt, als ich acht Jahre alt war, und die Episode brannte sich förmlich in mein Gehirn ein.

Alles dreht sich darum, dass ein junges Mädchen zum Geburtstag einen Teddybären geschenkt bekommt—und zwar unter irgendwie mysteriösen Umständen. Zwar gefällt ihr das Stofftier, aber schon bald macht sie es auch für verschiedenes Unheil verantwortlich. Eine umgestoßene Blumenvase? "Teddy war's!" Dreckspuren an der Wand? "Teddy hat rumgealbert."

Die Mutter glaubt, dass ihre Tochter nur das eigene Fehlverhalten vertuschen will, aber der Teddybär ist tatsächlich verflucht und ziemlich gefährlich. Nachdem ein "Experte" der Mutter bestätigt hat, dass Teddybären "große Kräfte besitzen", will die das Stofftier loswerden und schmeißt es auf den Müll. Der Bär kommt natürlich zurück und zeigt sich von seiner schlimmsten Seite.

Die Folge endet, als eine riesige Bärenpranke die Haustür zerschlägt. Ich werde niemals vergessen, wie viel Angst und Schrecken mir diese Geschichte als Kind eingejagt hat. Und jetzt—drei Jahrzehnte später—gibt es einen neuen, ebenfalls verstörenden Teddybären. Sein Name ist BooBuddy Jr. und er sieht tote Menschen.

BooBuddy Jr. ist ein Produkt von GhostStop. Dabei handelt es sich um ein in Florida ansässiges Unternehmen, das diverse Werkzeuge und Hilfsmittel für Geisterjäger und Forscher des Übernatürlichen anbietet. Dazu gehören eine breite Auswahl an Aufnahmegeräten, Thermometern, Bewegungssensoren und elektromagnetische Messgeräten. Letztgenannte sind eigentlich dafür gedacht, schädliche Strahlungen auszumachen, aber inzwischen haben auch die Fans des Übernatürlichen Gefallen an ihnen gefunden. Sie gehen nämlich davon aus, dass Geister ein elektromagnetisches Feld (EMF) haben können.

Es gibt Dutzende verschiedene EMF-Messgeräte, aber manchmal muss es etwas besonderes sein. Genau hier kommt BooBuddy Jr. ins Spiel. Der Teddybär kann nämlich nicht nur elektromagnetische Felder ausmachen, sondern agiert gleichzeitig noch als sogenanntes "Trigger-Objekt"—also ein Gegenstand mit emotionaler oder psychischer Resonanz, der Geister zur Kommunikation anregen soll. Trigger-Objekte können sich direkt auf den Verstorbenen beziehen, den man kontaktieren will (eine Haarsträhne oder ein Foto), oder etwas Einladendes sein, auf das besonders die Geister von Kindern reagieren. Zum Beispiel ein Teddybär.

Wenn man BooBuddy Jr. anschaltet, leuchtet sein Bauch grün. Und wenn er in die Nähe irgendeines elektromagnetischen Felds (oder eben eines Geists) kommt, blinken seine Tatzen rot auf. Meine Neugier war geweckt und ich bestellte mir direkt eines der knuddeligen EMF-Messgeräte, um herauszufinden, wie gut sich Geister damit wirklich finden lassen.

Kaum war der Postbote wieder weg, fingen meine Frau und ich schon damit an, das Mädchen aus der am Anfang erwähnten Geschichten aus der Schattenwelt-Folge zu imitieren und BooBuddy Jr. für alles die Schuld in die Schuhe zu schieben. "Das war ich nicht, Boo Buddy Jr. hat die Sauerei in der Spüle hinterlassen", "BooBuddy Jr. hat vergessen, den Müll rauszubringen", "BooBuddy Jr. hat die Stromrechnung nicht bezahlt". Außerdem tauften wir ihn auf den Namen "Deady Ruxpin", eine Anspielung auf ein in den USA beliebtes Teddybären-Spielzeug. Mit Deady in der Hand lief ich durchs Haus, um Geister oder gefährliche Geräte zu finden. Leider ohne Erfolg. Das lag aber wohl daran, dass es bei uns zu Hause einfach nichts Übernatürliches zu finden gab. Deshalb rief ich direkt ein paar Freunde an, um Deadys Fähigkeiten an einem ziemlich gruseligen Ort auf die Probe zu stellen.

Bei diesem Ort handelte es sich um das Morbid Anatomy Museum in Brooklyn. In dem Gebäude hatte sich früher außerdem mal ein Nachtclub und ein Spätkauf befunden. Deswegen war ich mir sicher, dass sich dort eine Menge übernatürlicher Wesen aufhalten würden. Nach mehreren Stunden durften meine Frau, meine Freunde und ich endlich auch ins obere Stockwerk, wo sich die Bibliothek befand. Dort setzten wir Deady auf einen Tisch und bildeten einen Kreis um das Stofftier. Anschließend dimmten wir das Licht und nahmen uns bei den Händen.

In diesem Moment wurde leider auch klar, dass niemand von uns wusste, wie genau eine Séance abläuft. Also schlugen im unendlichen Wissensquell aka Wikihow nach und hielten uns streng an die Vorgaben des Artikels "How to Conduct a Séance". Nur auf die Kerzen mussten wir aufgrund der Brandschutzverordnung verzichten. Wir rückten eng zusammen, nahmen uns erneut bei den Händen und begannen dann im Einklang, die Geister zu rufen. "Geister der Vergangenheit, kommt zu uns" sangen wir und beobachteten dabei unser knuffiges Messgerät. "Lasst euch vom Licht dieser Welt leiten und besucht uns."

Deady Ruxpin regte sich nicht. Kein rotes Licht flammte auf. Absolut nichts. Wir versuchten es noch mal. Wieder kein Erfolg. Also fingen wir an, einfache Fragen zu stellen: "Ist hier jemand? Willst du mit uns reden? Hast du Schmerzen?" Deady Ruxpin blieb stumm. Wenn da tatsächlich irgendwelche Geister im Raum waren, dann bemerkte sie unser flauschiger Freund nicht.

Schließlich griffen wir noch auf die gute alte "Gutes Medium/Schlechtes Medium"-Taktik zurück: "Hör mal, Deady, ich bin wirklich ganz auf deiner Seite, aber meine Freundin hier ist etwas ungeduldiger. Meinst du, du könntest uns ein paar Geister anzeigen, bevor sie richtig sauer wird?" Keine Reaktion. Sein Bauch leuchtete im sattesten Grün, aber seine Tatzen blieben dunkel. Ganz immun gegen unsere Überredungskünste, zeigte der Bär absolut keine Regung. Wir gaben auf.

Vielleicht waren wir einfach nur unwürdige Medien. Vielleicht hatten die Geister den Eindruck, dass wir sie nicht ernst nahmen. Vielleicht spukt es im Morbid Anatomy Museum gar nicht. Ich kann nur mit Sicherheit sagen, dass es dort keine schädliche elektromagnetische Strahlung gibt.

Auf dem Nachhauseweg legten meine Frau und ich den Teddybären aus purer Neugierde auf das Armaturenbrett unseres Autos. Und siehe da, während der gesamten Fahrt leuchteten seine Tatzen rot auf. Das lag womöglich daran, dass Autoradios genauso wie Handys und Mikrowellen EMF-Messgeräte losgehen lassen. Ich glaube aber lieber, dass es in dieser Stadt vor Geistern tatsächlich nur so wimmelt.

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