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Sex

Plüschtier-Petting aktiv

In einer großen Stadt, wo öffentliches masturbieren in der Ringbahn keinen mehr interessiert, wurden auch mir nur ein paar „ach Mädchen...“-Blicke zugeworfen.
4.1.11

Letzten November habe ich über das Internet mit einem Plüschbären aus Australien, gesprochen. Er hieß Alien und war das Kuscheltier von Peter Banki, der hat neben diesem Teddy noch viele andere Kuscheltiere, die in seiner Welt alle sprechen können. Bei ihm heiratet der Bär eine Ente, die lesbische Krabbe ist Alkoholikerin und im Flugzeug wollen alle Tiere am Fenster sitzen. Über Weihnachten hat Peter das sonniges Sydney gegen das weiße Berlin eingetauscht. Es war nur eine Frage der Zeit, bis ich an einem besonders verschneiten Mittwochvormittag mit meinen Plüschtieren in der U-Bahn saß. In einer großen Stadt, wo öffentliches masturbieren in der Ringbahn keinen mehr interessiert, wurden auch mir nur ein paar „ach Mädchen…“-Blicke zugeworfen. Doch ich war aus gutem Grund mit meiner Katze und dem schwulen Bär unterwegs, wir wollten spielen. Alien konnte es nicht erwarten, endlich meinen schwulen Teddy kennen zu lernen und was mich angeht, ich konnte es nicht erwarten. Mit einer Mischung aus Neugier und leichter Verwirrung betraten meine Tiere eine Altbauwohnung in Berlin Schöneberg.

Im Spielzimmer saßen alle Tiere bereit und guckten mich mit ihren schwarzen Knopfaugen an. Es wurde Hallo gesagt und mein Besuch erklärt. Da stand ich nun und stellte mich einem Sessel voller Kuscheltiere vor. Schön. Voller Erwartung wurde beobachtet wie Katze und Gaybär aus der Tasche spazierten. Peter, die Tiere und ich.

Junior, schwuler Bär, Alien, Lady Di, Jane Harden, meine Katze und Leonardo.

In Rahmen der Xplore (Festival zur Kunst der Lust) bietet Peter Banki seit einigen Jahren einen Kuscheltier-Workshop an. Trotz anfänglicher Bedenken gegenüber der plüschigen Thematik, wurde es ein voller Erfolg. Ohne vorgefertigtes Konzept trifft man sich, bringt seine Tiere mit und spielt. Peter betont immer, das Spiel würde von allein entstehen, die Tiere leiten den Workshop. Die Geschichten zu den Tieren entwickeln sich einfach, sie kommen als Geschenk oder selbst gekauft zu ihm. Schon als Kind wurde mit ihnen gesprochen, gelacht und das Leben entdeckt. Irgendwie hat er das nie abgelegt.

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Wie schon beim letzten Interview war schnell klar, dass es hier keinen trockenen Frage-Antwort-Ablauf geben wird. Ich wurde schließlich zum Spielen eingeladen. Mit Peters Hilfe traute sich Alien als erste vom Sessel und beäugte sehr interessiert meinen Bären. Ganz selbstverständlich wird der Teddy in die Hand genommen und spaziert über den Fußboden. Alien ist ein richtiger Mann, deswegen hat er eine sehr dunkle Stimme. Mehrmals an diesen Nachmittag wurde betont, dass der Bär eine viel ausgeprägtere Männlichkeit hat als er selbst. Eine selbst gewählte Konkurrenz mit dem Plüschtier, ich wollte sofort mein Studium schmeißen und mit Psychologie weitermachen.

Links: Junior & Alien beim Bondage Jam, rechts erste Annäherungsversuche.

Jedes von Peters Tieren hat einen Beruf oder einen Auftrag. Alien bekam er von einer alten Freundin, doch in Wirklichkeit kam er natürlich von einem fremden Planeten und wollte die Menschen studieren. Doch die Menschen und ihre Vorlieben hatten eine so große Faszination, dass er seinen Auftag nie ausführte. Man trifft Alien öfters bei Bondage-Workshops, wo er es sich gefesselt mit SM-Maske demütigen lässt. Schnell war klar, dass nur ich die Verklemmte in der Runde war. Die Teddys machten sich gleich auf, um ihre schwule Seite zu entdecken. Ich war verwirrt, da knutschten zwei Plüschbären vor mir rum.

Ab dann konnte es nicht mehr skurriler werden, so lies ich mich auf alles ein. Auch als sein Mitbewohner mit einem riesigen Killerwahl unterm Arm in der Tür stand. Sie hieß Lava Loona und lies sich brav auf der Luftmatratze fotografieren.

Lava Loona am Plastic Beach.

Meine eher alte Katze beobachtet alles und blieb nah bei mir, während mein schwuler Bär schon zwischen dem Hasen Junior und Alien lag. Hätte die einen plüschigen Dreier gemacht, ich hätte mich zu Sokrates ins Grab gelegt. Junior war sein erstes Kuscheltier und somit der Anführer. Von Beruf ist er Gewerkschaftsleiter. Schon seine Eltern mussten ihm Hallo sagen. Peter hat immer wieder betont wie viel Ähnlichkeit zwischen seinem Vater und Junior besteht. So geht jeder anders mit seiner Kindheit um.  Wie so viele Männer in Machtpositionen lässt auch er sich gerne fesseln und hängt dann mit Alien devot rum. Trotz der dauerhaften Präsenz von Sex und Fetisch, blieb alles kindlich naiv. Auch wenn ich mir ein wenig Perversion mit Plüschtieren gewünscht hätte, gab es keinen erwachsenen Mann, der der Kuschel-Sodomie verfallen war.

Links Junior ganz devot, rechts wirds wild.

Die lesbische Krabbe Jane Harden hat gleich ein Auge auf mich geworfen. Peter meinte, ich würde ihr sehr gefallen. Sie kam vom Stuhl und legte sich vor meinen Schoß. Kurze Zeit später lag auch ihr SM Outfit vor mir. Das durfte ich Jane anziehen, bestimmt nur ein billiger Trick, um sich von mir befummeln zu lassen. Die Krabbe wollte mich, dass konnte ich spüren. Doch leider sie ist Alkoholikerin und das finde ich schon bei Männern anstrengend.

Die betrunkene Krabbe Jane im SM Outfit.

Als Alien dann anfing meinen Teddy von hinten zu nehmen, wurde es auch Zeit für mich. Meiner Katze wurde so viel homoerotischen Bärenliebe zu viel, dass macht der Altersunterschied. Ich habe ihn erstmal bei seinen neuen Freunden gelassen, zum ordentlich austoben. Hoffentlich denkt er an Kondome! Ein Bär mit Syphilis muss echt nicht sein.

Man soll gehen, wenn es am schönsten ist. Die Katze fing an zu nörgeln und wollte nach Hause. Auch wenn ich vieles schon gesehen, gehört oder gelesen habe, ein Nachmittag mit einem erwachsenen Mann und seinen Kuscheltieren zu verbringen, war schon etwas anderes. Auf dem Weg nach Hause ließ ich meine Katze aus dem Fenster gucken und bekam wieder „ach Mädchen…“-Blicke. Schön, dass wenigstens in der U-Bahn alles geregelt weiter läuft.