Festival

Ein Blick in die Schlafzimmer vom Wacken

Wie sieht es aus, wenn sich 75.000 Metalheads für ein paar Tage ein neues Zuhause bauen?

von Wilhelm Rinke & Julian Ehmer
06 August 2015, 4:52am

Bei kaum einem Festival gibt es mehr Klischees über seine Besucher als beim Wacken Open Air. Grund genug, genauer hinzuschauen und einen Blick auf die Schlafplätze und Rückzugsorte zu werfen. Wie sieht es aus, wenn sich 75.000 Metalheads für ein paar Tage ein neues Zuhause bauen? Wir hofften auf offene Türen und offene Metal-Herzen.

Berlin: weitestgehend trocken und vor allem kein Anlass, Schlimmes zu befürchten.

Wacken: Autobahnausfahrt gesperrt, Campingplätze auch gesperrt, betreten auf eigene Gefahr.

Zehn Tage Dauerstarkregen hatten selbst tiefe Fahrrillen in glatte, glänzende, braune Oberflächen verwandelt. Egal, erstmal Auto stehen lassen und loslaufen und an fremde (Zelt-)Türen klopfen. Ein Einblick in unzählige Camps, Zelte, Wohnwägen, Anhänger, Autos und so ziemlich alles dazwischen:

Hose, 53

"Ich heiße Frank, aber alle nennen mich Hose, das liegt nicht am Rock, den ich trage, sondern kommt von meinem Nachnamen. Wie ihr seht, stehe ich auf das Sandmännchen und meine Tochter auf Winnie Puuh – sieht bei uns zu Hause nicht anders aus. Tragt euch doch bitte noch ins Gästebuch ein, wenn ihr geht."

Claudio, 32 & Kati, 19

"Lasst euch von der Gesellschaft nicht verarschen, Jungs, Frauen stehen auf Bärte, Rüstungen und Kriegsbemalungen!"

Nina, 19

"Ich bin eh nur zum Schlafen hier, sind halt Igluzelt, Isomatte und Klamotten."

Joachim, 46

"Ich penne hier im Auto, da habe ich alles, was ich brauche. Ich mach da einfach den Rücksitz zurück, das passt dann. Aber ohne die Schneeketten wäre ich gar nicht erst auf den Platz gekommen."

Jana (1 in Wackenjahren) & Claas (8 in Wackenjahren)

"Warum wir noch hier liegen? Es gibt dieses Jahr nicht viel, was ich unbedingt sehen muss."

Kai, 33 & Thomas, 29

"Die orangefarbene Plane ist der einzige Weg, das Wetter zu überleben. Seit Dienstag sind wir hier, nur Matsch. Für den Weg, der sonst keine zehn Minuten dauert, haben wir über drei Stunden gebraucht. Wir bleiben im Zelt, die Frauen haben wir zu Hause gelassen, Wacken ist Zeit für Zärtlichkeit."

Julian, 26

"Bin eh nur wegen den FireFuckers und den Menschen hier, da kann ich auch mal ein Stündchen länger liegen bleiben. Bin halt ein Kuschler."

"Die Toilette ist was Besonderes. Von außen gibt es eine Pissrinne und von drinnen kann man sogar abschließen."

Caro, 21

"Wohnen hier im Wackingervillage, direkt hinter unserer kleinen Bühne. Wir sind Schausteller, daher sehe ich normal nicht so aus und mein Zelt nicht wie mein Zuhause."

"Günni schrieb hier an die Wand: 'Ich bleib auf jeden Fall für immer hier.'"

"Eigentlich sollten das zwei Stockwerke werden, aber der Wind hat uns das versaut. Wir haben sogar extra bei Wacken angefragt und die fanden das OK – solange wir kein feuerspuckendes Monstrum bauen."

Oliver, 27

"Foto könnt ihr schon machen. Es steht und es funktioniert, aufgeräumt habe ich leider nicht."

Markus, 32

"Ich bin der Luxus-Camper, einen Tausender kostet es, den fürs Wochenende zu mieten. Muss sein, hat aber dann auch alles. Zwei schlafen vorne, zwei hier hinten, hier der Gasherd, der Fernseher ist nicht eingestellt, ist aber auch egal, und hier hinter das Bad: duschen ja, aber nicht kacken."

Kai, 29 & Tamara, 40

"Kannst du hier bitte meinen Ex-Mann drauf verlinken? Uns beiden ist vorgestern das Feldbett zusammengebrochen, daher haben wir die blauen Flecken."

Samson, 51

"Wir stehen hier auf dem VIP-Camping. Man könnte sagen, wir kennen die richtigen Leute. Und verdienen genug Geld."

Sascha, 23

"Gerade bin ich alleine hier und dann höre ich eigentlich lieber Gangster Rap."

Martin, 29 & Reinhard, 36

"Mit dem goldenen Chevy sind mein Sohn und ich aus Bayern gekommen. Die blauen Haare? Mit dem Bart hat es angefangen, inzwischen sind halt Haare und Brille dazugekommen. Ist aber Spray und nicht gefärbt, zu Hause ist das mit einmal Waschen wieder raus."

Andreas, 33

"Auf der Nature One wird man mit dem Wacken-Shirt schon komisch angeschaut! Hier sind die Leute toleranter. Ja, und wegen der Bettdecke, die habe ich meinem Sohn geklaut."

Nadja, 29 & Verena, 18

"Soll das so ein Home-Report sein, wir sollen uns jetzt küssen, gä?"

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