Der Leipziger NPD-Vize wurde in seinem Büro blutig geschlagen

Auf einer linken Plattform wurde ein Bekennerschreiben gepostet, die NPD hat ein Kopfgeld ausgesetzt.

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11 Dezember 2015, 11:31am

Antifa-Sticker in Leipzig. Foto: Sebastian Löffler

Der Schatzmeister und stellvertretende Vorsitzende der Leipziger NPD, Axel Radestock, wurde am Mittwoch von Unbekannten in seinem Laden überfallen und blutig geschlagen. Kurz darauf wurden auf der Plattform indymedia ein Bekennerschreiben und Fotos des Vorfalls veröffentlicht, die offenbar von den Angreifern selbst gemacht wurden.

Der 50-Jährige saß gerade am Schreibtisch in seinem Handy-Geschäft, als zwei Vermummte in den Laden kamen. Einer der Beiden fing sofort an, den überraschten Politiker zu schlagen, der andere fotografierte die Szene. Abschließend fotografierten sie auch noch ihr blutüberströmtes Opfer, während Radestock die Polizei rief.

In dem Bekennerschreiben, das noch in derselben Nacht auf indymedia auftauchte, heißt es: „In 3 Tagen möchte Axels Ex-Kumpane durch Leipzig laufen. Besonders im Hinblick auf die vergangenen zahlreichen Legidaversammlungen, Übergriffe auf Antifaschist_innen, und die steigenden rassistischen Angriffe in Sachsen, ist konsequenter Antifaschismus nötiger den je." Die Verfasser nennen sich selbst „Keepers of the Faith".

Das Schreiben lässt also keinen Zweifel, dass die Tat mit dem am Samstag von drei verschiedenen rechten Gruppen geplanten „Sternmarsch" durch das Leipziger Linken-Viertel Connewitz zusammenhängt. Linke Gruppen haben den geplanten Marsch von Anfang an als gezielte Provokation verstanden, gegen die sie schon seit Wochen aktiv Widerstand mobilisieren. Der Angriff auf den NPD-Funktionär ist aber eine deutliche Eskalation der bisherigen, rein verbalen Drohgebärden.

Der Leipziger Kreisverband der NPD hat jetzt auf seiner Facebook-Seite ein „Kopfgeld" von 500 Euro ausgesetzt—was genau für eine Leistung für das Geld erbracht werden soll, ob zum Beispiel schon ein Hinweis genügt, wird nicht erklärt. Auch ist unwahrscheinlich, dass das veröffentlichte Foto, auf dem der Täter nur von hinten zu sehen ist, wirklich zu einer Identifizierung führen kann. Die Kommentare sind wütend: „Linkes feiges volkszerstörendes pack", schreibt ein User. „Wird Zeit mal wieder aufzuräumen um denen zu zeigen mit wem die sich eigentlich anlegen", ein anderer, ein dritter wünscht den Tätern Besuch von „ein paar Maskierten mit Teleskopschlagstöcken".

Auf indymedia selbst findet die Aktion nicht nur Zuspruch. „Was für eine dämliche Aktion", schreibt ein Kommentator. „Was habt ihr damit überhaupt erreichen wollen? ... Der gemeine CDU-Renter, der immernoch die gefühlte Hälfte and den Wahlurnen ausmacht wird sich nur denken; die Linken, dass sind doch diese dummen Schläger". Auch andere sind von der Signalwirkung nicht begeistert. „linker aktivismus sollte die massen ansprechen und nicht in angst versetzen" schreibt jemand. „wenn ihr euch kloppen wollt verabredet euch doch mit iwelchen faschos auf ner wiese und schlagt euch gegenseitig zu brei."

Aber es gibt auch Befürworter: „Schön zu sehen dass man in Leipzig weiss was zu tun ist. In dieser Woche wird eine klare Grenze gezogen", meint ein User. „Wunderbar", schreibt ein anderer: „Danke für dieses klare Statement. Es ist nötiger denn je, Nazis klare Grenzen aufzuzeigen. Lasst euch bitte von irgendwelchen Internet-Trolls und ach so progressiven Kommentaren nicht beeindrucken - macht weiter! Nicht weil es geil ist, nicht weil es schön es und auch nicht weil es Spaß macht, das macht es nämlich nicht. Macht es, weil es notwendig ist. Lasst euch nicht beirren."

Diese Art „Hausbesuche" beim politischen Gegner sind übrigens auch bei Neonazis beliebt: Im Oktober wurde ein Anhänger der linken Szene in Sachsen-Anhalt in seinem Haus überfallen, geschlagen und bekam einen Schraubenzieher in den Oberschenkel gerammt. Am nächsten Tag schlugen zwei Neonazis einen 75-Jährigen in seiner Wohnung zusammen, weil sie sich in der Adresse des Opfers vom Vortag, der offenbar noch einen Besuch bekommen sollte, geirrt hatten.

Der Angriff auf den NPD-Mann hat die Stimmung in Leipzig im Vorfeld zu Samstag weiter aufgeheizt. Die linke Szene der Stadt, die von der Zeit den Titel „Ostdeutschlands Hauptstadt der Antifa" verliehen bekommen hat, signalisiert schon seit Wochen Gewaltbereitschaft gegenüber den rechten Demonstranten. Spätestens seit der Tat vom Mittwoch dürften auch die Rechtsextremen einiges an Wut mitbringen.