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Warum das HIV-Coming-out das Coolste ist, was Charlie Sheen je gemacht hat

Charlie Sheen selbst gab sich erleichtert. Seit vier Jahren habe er dieses Geheimnis bereits mit sich rumgetragen, gestand er und fügte hinzu: „Ich glaube, ich habe heute endlich dieses Gefängnis verlassen."

von Dimitrij Wall
17 November 2015, 4:23pm

Foto: imago | PicturePerfect

Die Hauptrolle in der Fernsehserie Two And A Half Men verhalf Charlie Sheen zu weltweitem Ruhm. Millionen Männer beneideten Sheens Alter Ego Charlie Harper um seinen Lifestyle. Klar, das Geld verdiente sich praktisch von alleine, der Whiskey floss in Strömen und die Frauen wurden am Privatstrand von Malibu angespült. Wäre da bloß nicht dieser lästige Bruder gewesen.

Auch im wahren Leben lief es für Charlie Sheen. Bis zu seinem Rauswurf im Jahr 2011, für den er etwa 100 Millionen Dollar kassierte, war er der bestbezahlte Seriendarsteller der USA und verdiente zuletzt zwischen 1,25 und 2 Millionen Dollar pro Folge. Das Geld verprasste er für teure Autos, Partys, Häuser und Porno-Darstellerinnen. Sheen—der Held aller heterosexuellen Männer in der Midlife-Crisis.

Doch in den vergangenen Wochen drehte sich der Wind. Mehrere Medien berichteten, dass Sheen womöglich HIV-positiv sei. Hämische Kommentare und Verunglimpfungen waren die Folge. Wohl auch deshalb musste der Lebemann in der heutigen Ausgabe der Today Show zugeben, dass er HIV-positiv ist. „Dass Sheen offenbar zum positiven Coming-out gedrängt wurde, ist inakzeptabel. Auch die vorherigen Spekulationen in den Medien verletzen sein Recht, selbst zu entscheiden, wem er von seiner Infektion erzählt", kommentiert Manuel Izdebski vom Vorstand der Deutschen AIDS-Hilfe (DAH) das Coming-out.

Charlie Sheen selbst gab sich erleichtert. Seit vier Jahren habe er dieses Geheimnis bereits mit sich rumgetragen, gestand er und fügte hinzu: „Ich glaube, ich habe heute endlich dieses Gefängnis verlassen." Zwar hätte er all jenen, denen er vertraue, von seiner Erkrankung erzählt, trotzdem habe er viel Geld bezahlt, um seine Infektion mit dem HI-Virus geheim zu halten. „So viel Geld, dass es in den Millionen-Bereich geht."

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Man könnte jetzt natürlich Fragen, warum Charlie Sheen so viel Geld dafür ausgegeben hat, seine Erkrankung geheim zu halten? Aber diese Frage zu stellen, wäre ebenso inakzeptabel wie der Druck, der auf ihm lastete. Denn Charlie Sheens Aussagen verraten im Grunde mehr über unsere Gesellschaft als über ihn selbst: Noch immer werden Menschen mit HIV ausgegrenzt, stigmatisiert und diskriminiert. „Dabei kann man auch trotz HIV mitten im Leben stehen", so Manuel Izdebski.

Und so kann Charlie Sheen nun erneut zum Helden werden, zum Helden der Menschen, die mit HIV leben müssen. Er selbst hat seine neue Rolle bereits angenommen: „Ich habe nun die Verantwortlichkeit, mich zu bessern und vielen anderen Menschen zu helfen."