Fotos davon, was in den Kühlschränken von Berner Studenten steckt
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Fotos davon, was in den Kühlschränken von Berner Studenten steckt

Wie meistern Studenten den Kampf zwischen ausgeglichenem Budget und gutem Geschmack? Die Kühlschränke verraten es.
02 April 2016, 2:45pm

200 Franken listet der Verband der Schweizer Studierendenschaften in seinem empfohlenen Budget als monatliche Kosten für Essen an der Uni auf. 200 Franken klingen nach extrem vielen Stunden in überfüllten Mensen oder vor kochendem Pasta-Wasser. Jeder, der schon einmal über mehrere Jahre mit dem Mittagessen in einer Uni- oder Schulmensa konfrontiert war, weiss, dass es einem Gericht selten zugute kommt, wenn es auf den kleinsten gemeinsamen Nenner hunderter Menschen getrimmt wird. In anderen Worten: Oft schmeckt das günstige Mensa-Menü entweder nach gar nichts oder nach viel zu viel Salz.

Nun dauert ein Studium aber mindestens drei Jahre lang an. Das bedeutet ein drei Jahre langer Kampf zwischen ausgeglichenem Budget und gutem Geschmack. Um herauszufinden, wie Studenten, die in Bern wohnen, diesen Spagat meistern, habe ich einige von ihnen Zuhause besucht und einen Blick in ihre Kühlschränke geworfen.

Jessica, 25, studiert Geographie und Geschichte

Alle Fotos von Pascal Triponez

VICE: Hi Jessica, habt ihr euren Kühlschrank in der WG aufgeteilt?
Jessica: Wir sind drei Mädels in der WG und jede von uns hat ein Fächchen. Dazu teilen wir uns noch ein Fach mit Gemüse und eines mit Alkohol. Die anderen beiden arbeiten aber bereits, darum sind ihre Fächchen meist leer. Dort müssen wir schauen, dass nichts vergammelt.
Der Kühlschrank ist ausserdem ziemlich kaputt. Die Seitenfächer wackeln, das Gefrierfach ist auch nicht wie es sein sollte. Ich muss diese Woche nochmal beim Vermieter anrufen—aber der ist so faul und hat nie Zeit!

Kommt es da manchmal zu Konflikten, wenn zum Beispiel Dinge vergammeln?
Gar nicht, es ist eher lustig, wenn wir hin und her raten wer das gekauft hat. Und wenn ich den Platz der anderen in Beschlage nehme, entschuldige ich mich. Bei Geburtstägen ist das mit dem Platz oft lustig. Wir müssen die Sachen im Kühlschrank richtig zusammenstopfen. Wenn dann noch jemand einen Kuchen mitbringt, wird es zur grossen Herausforderung für den noch einen Platz zu finden.

Was kaufst du am meisten ein?
Ich kaufe immer viel zu viel ein, vor allem frisches Gemüse, Milchprodukte und Früchte. Abends koche ich aber auch oft mehr und nehme die Resten am nächsten Tag mit an die Uni. Ab und zu bringe ich vom Bauernhof neben meinen Eltern frische Eier mit. Mir gefällt es, zu wissen, woher die Eier kommen.

Du kochst also oft selbst. Was kochst du denn so?
Ich koche sehr gerne, aber nicht alles schmeckt am Ende gleich gut. Leider misslingt mir manch eine meiner zusammengewürfelten Kreationen. Wenn ich Stress habe, gibt es viel ähnliche Sachen. Oft Salate, auch mal etwas ausgefallenere Varianten mit Quinoa, Gemüse oder Käse. Dazu Quiches oder alles andere, was wir im Ofen backen können. Wenn es sich ausgeht, essen wir am Abend zusammen.

Wie viel Geld gibst du wöchentlich für Essen aus?
Vielleicht zu viel für mein Studibudget? Nein, ich schätze etwa 50 Franken pro Woche. Ich koche gerne mit frischen und verschiedenen Zutaten, das geht schon ins Geld. Wie viel es schlussendlich wird, hängt immer davon ab, ob ich Zuhause oder an der Uni esse. Zum Glück esse ich kaum Fleisch, sonst wäre es noch teurer.

Gibst du mehr Geld für Essen oder für Alkohol aus?
In Zürich würde ich wahrscheinlich mehr für Alkohol ausgeben! Aber in Bern sind meine Lieblingsdrinks zum Glück etwas billiger. Ich gehe auch nicht so oft in den Ausgang, deshalb klar für Essen. Da ich nebenbei noch im Service arbeite, trinke ich dort ab und an mal ein Feierabendbier. Ich komme also schon auf meine Alkoholkosten, ohne wirklich Geld dafür auszugeben.


Mel, 25, studiert Modedesign in Basel

VICE: Die wichtigste Frage gleich zu Beginn: Gibst du mehr Geld für Alkohol oder für Essen aus?
Mel: Für Essen. Pro Woche sind das zwischen 50 und 80 Franken. Ich esse selten auswärts, gebe das Geld also vor allem zum Einkaufen aus.

Was kaufst du hauptsächlich ein?
Gemüse und Früchte habe ich immer im Kühlschrank. Und Milch! Milch ist das Wichtigste! Ich mag keinen Kaffee, darum trinke ich enorm viel Schokomilch.

Was kochst du üblicherweise?
Ich kann überhaupt nicht kochen. Oft kocht mein Freund oder meine Mitbewohnerin, die das sehr gut macht. Ich habe genug Leute um mich herum, die gut und gerne kochen, wieso sollte ich das dann auch machen? Wenn ich aber doch einmal etwas mache, dann gibt's Pommes—wir haben immer Pommes im Kühlschrank. Und sonst viel Salat.

Und was isst du von deinen Köchen am liebsten?
Meine Mitbewohnerinnen machen sehr gute Suppen, Spaghetti mit Tomatensauce und Pizzas.

Habt ihr den Kühlschrank in der WG organisiert?
Jede von uns hat ihr Fächchen. Wenn etwa mir einmal etwas fehlt, kann ich mich aber auch einfach bei den anderen bedienen. Ich muss ihnen das einfach sagen.


Laurent, 22, studiert Volkswirtschaft und Philosophie

VICE: Hi Laurent, was kaufst du hauptsächlich ein?
Laurent: Sehr viel Pasta, ich bin ein grosser Pastafarian. Brot und Käse esse ich auch sehr viel. Wir kaufen meistens jeweils für uns selbst ein, zusätzlich aber auch die Dinge, die wir in der WG alle zusammen brauchen. Was uns eben gerade einfällt.
Gleich nebenan gibt es einen Supermarkt, das ist sehr praktisch. Ich mache also nie Wocheneinkäufe. Wenn ich etwas brauche, gehe ich einfach kurz nach nebenan. Das passiert manchmal drei Mal pro Tag.

Euren Kühlschrank teilt ihr also auf?
Theoretisch ja. Aber da gibt es immer wieder ein Durcheinander und schlussendlich kommt alles zusammen. Wenn jemand von uns zehn Leute zum Essen einlädt, dehnen wir die Aufteilung zum Beispiel einfach aus. Da sind wir sehr familiär. Wir essen alle voneinander. Meine Mitbewohnerin hat einmal viel zu viel Berliner gekauft und mir gesagt, ich müsse die einfach essen. Es ist ein Geben und Nehmen.

Kochst du oft selbst?
In letzter Zeit schon. Das hängt aber immer davon ab, ob ich an der Uni viel zu tun habe oder ob ich etwas ausprobieren möchte. Meistens wird es dann zum Impro-Kochen. Ich habe ein paar Rezepte die ich kann und einfach abwandle. Da gibt es dann schon einmal spontan Curry mit Pasta.

Und findest du, dass du gut kochen kannst?
Ich kann zumindest so gut kochen, dass ich es gern habe und mich mein eigenes Essen nicht ankotzt. Die Mitesser sind meistens auch zufrieden. Ich denke also, ich mache das ganz OK. Ich habe zwar keine krassen Rezepte auf Lager aber kann so kochen, dass ich es abwechslungsreich und spannend finde.

Hast du sowas wie ein Spezialgericht?
Ich mache Pasta in der Bratpfanne. Das habe ich in Italien irgendwo gelernt. Dort haben sie gemeint, das sei die schnellste Methode, um Pasta zu kochen. Das ist mittlerweile mein bestes Gericht: Es braucht nicht viel Aufwand und ich bin schon so routiniert, dass es nie schlecht wird. Das ist der gute Kompromiss zwischen schnell und fein.

Brauchst du mehr Geld für Alkohol oder für Essen?
Ziemlich sicher für das Essen. Ich bin kein grosser Bier- oder Weinkenner. Beim Essen variiert es stark, wieviel ich brauche. Wir haben hier sehr viel Platz und da kommen öfters Leute zum Abendessen vorbei. Wenn die ganze Woche niemand kommt brauche ich um die 50 Franken, sonst schon gegen 100 Franken.


Flurina, 20, studiert Biologie

VICE: Für was gibst du mehr Geld aus, für Essen oder Alkohol?
Für Essen. Ich brauche fast kein Geld für Alkohol. Insgesamt gebe ich etwa 600 Franken pro Monat aus, davon schon das meiste für Essen. Ist 100 Franken pro Woche viel? Wieviel gibst du aus?

Puh, keine Ahnung. Ich esse aber auch oft auswärts. Was kaufst du denn hauptsächlich ein?
Gemüse, Früchte und bei jedem Mal Milch und Joghurt für mein Müesli am Morgen. Das kaufe ich alles im Supermarkt, der gleich um die Ecke liegt.

Kochst du häufig selbst?
Eigentlich koche ich nur selbst, ja. Ich bin Küchenchef! Ich bekomme immer Komplimente. In der WG kochen wir aber meistens separat.

Hast du ein Gericht, das deine Spezialität ist?
Viele! Curry kann ich extrem gut, Kuchen und Desserts auch und alles mit Gemüse. Und Reis! Ich kann so gut Reis kochen, da müsst ihr einmal vorbeikommen, um den zu probieren. Die meisten sagen ja, Reis sei sehr schwierig zu kochen.

Gibt es denn etwas besonderes, auf das du beim Kochen achtest?
Dass viel Gemüse dabei ist. Ich liebe Gemüse. Ich spüre das auch immer, wenn ich zu wenig davon gegessen habe. Dann geht es mir nicht mehr gut.

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