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VICE News

Krieg in der Zentralafrikanischen Republik

Das Blutbad in der Zentralfrikanischen Republik geht weiter. Wir haben den Völkermord vor Ort dokumentiert.
26 März 2014, 1:00pm

Die muslimische Bevölkerung in Bangui, der Hauptstadt der Zentralafrikanischen Republik, ist in den vergangenen Monaten von 130.000 auf nunmehr 1000 gesunken. Im vergangenen Jahr alleine wurden Tausende Menschen im ganzen Land ermordet, und Millionen befinden sich auf der Flucht vor Gewalt und Chaos. Die Vereinten Nationen verkündeten kürzlich, dass der gesamte Westen des Landes von Muslimen gesäubert wurde.

Die Zentralafrikanische Republik hat sich niemals von Frankreichs Kolonialherrschaft erholt und hatte nach ihrer Unabhängigkeit 1960 nur ein Jahrzehnt lang (von 1993 bis 2003) eine zivile Regierung. Ein Staatsstreich nach dem anderen Staatsstreich hat das Land handlungsunfähig gemacht. Der derzeitige Konflikt hat nun Recht und Ordnung vollkommen hinweggefegt und lässt die UN und die internationale Gemeinschaft in einem schlechten Licht dastehen.

Im März 2013 stürzte die Séléka, eine zumeist aus Muslimen bestehende Rebellengruppe, die korrupte Regierung von François Bozizé, während sie das Land mit Terror und Chaos überzog. Plünderungen, Morde und Vergewaltigungen waren an der Tagesordnung. Als Antwort gründeten sich christliche Selbstverteidigungskräfte, die sich Anti-Balaka nannten und die Zentralafrikanische Republik vor den Angriffen der Séléka schützen wollten.

Die Auseinandersetzungen erreichten letztes Jahr also ein neues Maß an Gewalt. Im Dezember 2013 rückten französische und afrikanische Truppen ein, um die Séléka zu entwaffnen und das Blutvergießen zu stoppen. Die Anti-Balaka-Milizen gingen daraufhin in die Offensive.

Zuvor gab es in der Zentralafrikanischen Republik keine interreligiöse Gewalt und auch der derzeitige Konflikt wird nicht durch religiöse Ideologien angefacht. Der Ruf nach Rache durch die christlichen Anti-Balaka und ein Machtvakuum im Land schüren hingegen die Blutmorde an der muslimischen Bevölkerung.

Das Blutvergießen hat kein Ende gefunden. Die UN debattiert noch immer darüber, ob sie Blauhelme schicken soll. Doch selbst wenn sich die Internationale Staatengemeinschaft zu einer Entscheidung durchringen sollte, wird es mindestens sechs Monate dauern, bis UN-Truppen in der Zentralafrikanischen Republik eintreffen.