Das passiert, wenn man eine ganze Flasche Cannabis-Gleitmittel trinkt

Da ich seit Jahren mit Pilzinfektionen zu kämpfen habe, hielt ich ein komplett natürliches THC-Gleitmittel für meinen persönlichen heiligen Gral. Stattdessen durchlebte ich deswegen jedoch die selbstverschuldete Hölle auf Erden.

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09 Februar 2016, 1:20pm

Dieser Artikel ist zuerst bei Broadly erschienen.

Meinen ersten Scheidenpilz bekam ich mit 11 und er kam quasi Hand in Hand mit meiner ersten Periode. Damals ging ich noch auf die Middle School, was die ganze Erfahrung für mich noch mehr wie die Hölle auf Erden erschienen ließ. Ich weiß noch, wie ich dachte, "eine Frau zu werden"—ich hatte jedoch keine Ahnung, was genau das eigentlich bedeuten sollte. Ich versuchte verzweifelt, mich selbst irgendwie davon zu überzeugen, dass mein sich verändernder Körper etwas Gutes und Positives sei. Was mir Trost spendete, war die Tatsache, dass ich durch diese Veränderungen wohl bald richtige Brüste haben würde.

Meine Vagina glich einem blutigen und verpilzten Schlachtfeld. Dazu kam dann noch der Umstand, dass ich nicht mal alt genug war, um überhaupt zu verstehen, was da passierte. Zwar hatte ich den Sexualkundeunterricht bereits hinter mir und meine Mutter nahm auch kein Blatt vor den Mund, wenn sie mit ihren Kindern über dieses Thema redete, aber von Pilzinfektionen wusste ich trotzdem nichts. Ich fragte mich, ob das vielleicht allen Vaginen so gehen würde und alle erwachsenen Frauen ständig unter diesen Schmerzen zu leiden hätten—mich stört das Ganze halt nur, weil ich es nicht gewöhnt oder ein Meme bin. Schließlich erzählte ich meiner Mutter von dem Brennen und Jucken und sie erklärte mir, was bei mir da unten los war. Danach folgte noch eine traumatische Erfahrung, bei der sie mir einen kleines eiförmiges Bällchen antifungieller Creme in die Vagina einführte.


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Die Scheidenpilze waren jedoch hartnäckig und wollten nicht weggehen. Als ich dann mit 15 meinen ersten Freund hatte und sexuell aktiv wurde, kam das Ganze immer häufiger vor. Ich fand heraus, dass meine Vagina auf so ziemlich alles allergisch reagiert: Jegliche Latex-Kondome und 99 Prozent aller im normalen Einzelhandel gekauften Gleitmittel verursachen bei mir eine schwerwiegende Pilzinfektion.

Meine natürlich Anfälligkeit für Scheidenpilze hat in Kombination mit meinem doch recht freizügigem Verhalten und meiner Faulheit, meine Partner über meine verschiedenen Allergien aufzuklären, dazu geführt, dass ich während meines gesamten Erwachsenenlebens mindestens einmal im Monat mit einer Pilzinfektion zu kämpfen hatte. Zum Glück befinde ich mich derzeit in einer festen Beziehung und mir ist es inzwischen auch nicht mehr zu peinlich, meinen Freund darüber in Kenntnis zu setzen, was genau meine Vagina in das oben erwähnte Schlachtfeld verwandelt. Deshalb kann ich hier mit Stolz sagen, dass ich jetzt seit mehreren Monaten keinen Scheidenpilz mehr hatte. Und darüber bin ich unglaublich froh.

Ich hatte den Eindruck, als ob Foria speziell für mich entwickelt wurde, weil es meine drei liebsten Dinge der Welt vereint: Gras, Sex und Kokosöl.

Als ich zum ersten Mal von Foria, einem komplett natürlichen Marihuana-Gleitgel auf Kokosöl-Basis, Wind bekam, dachte ich, dass dieses Produkt mein Leben für immer verändern würde. Ich hatte den Eindruck, als ob Foria speziell für mich entwickelt wurde, weil es meine drei liebsten Dinge der Welt vereint: Gras, Sex und Kokosöl (also das einzige Gleitmittel, das bei mir keinen Scheidenpilz verursacht). Und während Foria selbst von Leuten, die nicht wirklich aufs Kiffen stehen, in den höchsten Tönen gelobt wurde, rauche ich nur zu gerne mal ein bisschen Gras.

Ich besorgte mir also bei der nächstbesten Gelegenheit eine Flasche Foria und freute mich wie ein kleines Kind an Weihnachten darauf, das Ganze auszuprobieren. Ich folgte den Anweisungen auf dem Beipackzettel und ging unten ohne über meiner Toilette in die Hocke. Dann sprühte ich das Gleitmittel auf meine Klitoris, auf meine inneren und äußeren Schamlippen, sowie auf das Innere meiner Vagina. Zwar verspürte ich während des anschließenden Geschlechtsverkehrs ein euphorisches und gleichzeitig entspannendes Gefühl, aber ich war auch irgendwie enttäuscht darüber, nicht wirklich high zu sein. Ich finde die Vorstellung, THC durch meine Vagina aufzunehmen, richtig gut, aber das Cannabis-Gleitgel zeigte einfach nicht die psychoaktive Wirkung, die Marihuana-Konsum sonst bei mir hat.

Also tat ich das, was wohl jeder normale Kiffer in dieser Situation gemacht hätte: Ich trank die ganze Flasche Gleitmittel aus.

Das Ganze klingt jetzt vielleicht irrationaler, als es eigentlich war. Als ich die Flasche Foria in meiner örtlichen Cannabis-Apotheke besorgte, meine die junge Verkäuferin zu mir, dass sie sich selbst ebenfalls eine Flasche gekauft hätte, nur um dann feststellen zu müssen, dass sie nun zwar ein Gleitmittel, aber keinen Sexpartner hatte. Also hat sie das Ganze erstmal in ihren Mund gesprüht und danach gemerkt, dass sie so tatsächlich high wurde. Das gab mir dann doch etwas Sicherheit, denn selbst wenn Foria als Gleitmittel nichts taugt, könnte ich es also immer noch oral konsumieren und in andere Sphären abdriften.

Bei Edibles konsumiere ich eigentlich immer so ungefähr das Zwei- bis Dreifache der von den Mitarbeitern der Cannabis-Apotheken empfohlenen Dosis. Normalerweise heißt es so etwas wie "Bitte iss nur ein Viertel von diesem Cookie, weil der ist wirklich stark" und dann gehe ich sofort davon aus, dass man mir nichts zutraut. Ich werde direkt defensiv und wütend, wenn Leute denken, dass ich mit Drogen nicht umgehen kann—und das führt dann unausweichlich dazu, dass ich den kompletten Cookie esse, um diesen Leuten das Gegenteil zu beweisen. Mir ist bewusst, dass so eine Reaktion total verrückt und unlogisch ist. Es ist halt nunmal der Job der Mitarbeiter, über ihre Produkte Bescheid zu wissen und die Kunden dementsprechend vorzuwarnen—selbst dann, wenn sie mich mehrmals die Woche bedienen und dementsprechend kennen. Sie wissen es besser als ich und trotzdem höre ich nie auf sie.

Also tat ich das, was wohl jeder normale Kiffer in dieser Situation gemacht hätte: Ich trank die ganze Flasche Gleitmittel aus.

Das Trinken der gesamten Flasche Foria hatte jedoch mit dem normalen Konsum von Edibles nichts gemeinsam, denn dieses Produkt enthält insgesamt 450 Milligramm THC. Das wusste ich nicht. Die empfohlenen Dosis für die meisten Edibles liegt bei ungefähr 25 Milligramm und selbst das ist meiner Meinung nach schon richtig viel. Wenn ich einem Freund, der nicht so viel kifft, eine spaßige Zeit verschaffen will, dann würde ich diesem Freund wohl so 10 bis 15 Milligramm THC empfehlen. Naja, ich konsumierte aber die komplette Flasche, also ganze 450 Milligramm. Weil ich durch das Gleitmittel auf meiner Vagina nicht high wurde, ging ich halt davon aus, dass Foria nicht viel THC enthalten würde. Es sollte sich jedoch herausstellen, dass das nur daran lag, dass das Cannabinoid im Intimbereich anders absorbiert wird als im Verdauungssystem.

Ich war immer noch nackt und fertig vom Sex, als mein Freund wieder aus dem Badezimmer kam und dann sah, wie ich völlig geschockt und angeekelt die Flasche Foria anstarrte, die ich gerade geext hatte.

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"Was ist los?", fragte er mich. Er ging wohl davon aus, dass mal wieder ein Scheidenpilz im Anflug wäre.

"Ich habe das Zeug getrunken", antwortete ich mit Tränen in den Augen.

"Du hast eine Flasche Gleitmittel getrunken ... ", meinte er ausdruckslos und klang dabei nicht mal sonderlich überrascht darüber, dass ich so etwas getan hatte.

"Ja", sagte ich. "Da drin war das 45-Fache der empfohlenen THC-Dosis. Das war mir nicht bewusst und jetzt habe ich Angst."

Mein Freund versuchte, mich zu beruhigen, und meinte, dass es sowieso schon Schlafenszeit wäre und ich am nächsten Tag im schlimmsten Fall mit einem kleinen Kater aufwachen würde. Damit lag er komplett daneben. In den darauffolgenden drei Tagen befand ich mich quasi in einer Art Dauerrausch. Drei volle Tage. Selbst beim Tippen dieser Zeilen habe ich immer noch das Gefühl, von meinem Trip wieder runterzukommen.

Ich erinnere mich auch noch vage daran, wie ich leicht panisch wurde, weil ich nicht wusste, wo unsere Katze war. Dabei besitzen wir gar keine Katze.

Wenn ich nicht gerade schreibe, arbeite ich oft als Babysitterin. Und natürlich sollte ich genau am darauffolgenden Tag um sechs Uhr aufstehen und bis abends auf ein extrem aktives Kind aufpassen. Kurz bevor Foria seine komplette Wirkung entfaltete, bekam ich die Krise und bat die andere Babysitterin des Kindes inständig darum, mich zu vertreten. Gottseidank tat sie das dann auch, weil sonst hätte ich wohl den schlimmsten Albtraum eines jeden Kiffers durchleben müssen: Auf ein Kind aufpassen, während man eigentlich viel zu high ist, um überhaupt irgendwas auf die Reihe zu kriegen. Einen anderen Albtraum hatte ich trotzdem: Nachts träumte ich zwölf Stunden lang davon, besagtes Kind in verschiedenen Szenarien aus den Augen zu verlieren—einmal in einem Einkaufszentrum, dann im Kino und schließlich noch in meiner ehemaligen Schule sowie bei meinem Ex-Freund zu Hause etc.

Als ich dann am nächsten Morgen endlich aufwachte, heulte ich mich bei meinem Freund darüber aus, wie wenig Lust ich eigentlich auf Disneyland hätte—dabei gab es gar keine Pläne, Disneyland einen Besuch abzustatten. Nachdem er mich beruhigt hatte, brachte mein Freund mich wieder ins Bett, gab mir eine große Tüte Chips und schaltete Gilmore Girls ein. Ich bekam Halluzinationen und dachte, dass Lauren Grahams Gesicht sich für nur wenige Sekunden in Ryan Goslings Gesicht verwandeln und nur ich das bemerken würde. Danach machte ich ein vierstündiges Nickerchen. Als ich wieder wach wurde, war ich mit Kartoffelchips übersät und bat meinen Freund darum, mich in der Dusche zu waschen, weil ich nicht das Gefühlt hatte, selbst dazu in der Lage zu sein. Ich erinnere mich vage daran, wie ich leicht panisch wurde, weil ich nicht wusste, wo unsere Katze war. Wir haben gar keine Katze.

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Die darauffolgenden Tage habe ich nur noch als verschwommene Mischung aus Snacks und Heulkrämpfen in Erinnerung. Auf meinem Handy befanden sich außerdem plötzlich zehn Nachrichtenkonversationen, von denen ich nichts mehr weiß, und in meiner ganzen Wohnung waren leere Erdnussflips-Tüten verteilt.

Alles in allem ziehe ich aus dieser Erfahrung folgendes Fazit:

Das Trinken einer ganzen Flasche Cannabis-Gleitmittel
Bewertung: 2 von 5 Sternen
Anmerkung: Ich würde es nicht weiterempfehlen, eine ganze Flasche jeglichen Gleitmittels zu trinken—und ganz besonders nicht die Marihuana-Variante. Einige wenige Sprüher dieses Produkts in den Mund verschaffen einem jedoch wohl ein mildes und vergnügliches High.

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