Uchronia: Die Geschichte der Entdeckung Amerikas durch einen König aus Mali

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The Road to Nowhere Issue

Uchronia: Die Geschichte der Entdeckung Amerikas durch einen König aus Mali

Fotograf Maciek Pozoga und Musikwissenschaftler Christopher Kirkley haben sich gefragt, was hätte werden können, hätte ein König aus Mali Amerika als Erster entdeckt. Herausgekommen ist Uchronia, ein „fantastisches" Fotoprojekt.
22.1.16

Aus der The Road to Nowhere Issue 2015

Im Juni 2015 verbrachten der Fotograf Maciek Pozoga und der Musikwissenschaftler Christopher Kirkley zwei Wochen in Bamako, der Hauptstadt von Mali, wo sie ein Projekt namens Uchronia: The Unequivocal Interpretation of Reality entwickelten. Es erzählt eine Geschichte, über die Pozoga im Internet gestolpert war: Im Jahr 1311 verließ der malische König Abubakari II. angeblich Westafrika, um den Atlantik zu erforschen. Mali war damals reich—womöglich sogar das wohlhabendste Land der Welt—doch Abubakari wollte mehr, sei es Ruhm oder Land. Er glaubte, er würde dies auf der anderen Seite des Atlantiks finden, und stach mit einer Flotte von 2.000 Schiffen in See. In der westlichen Welt wird Christopher Columbus die Entdeckung Amerikas zugeschrieben, in Afrika gibt es dagegen einige, die dafür Abubakari annehmen.

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Die Geschichte diente als Inspiration für eine ethnologische Erforschung alternativer Realität. Die Künstler reisten nach Mali und stellten Fragen: Was, wenn Abubakari wirklich Amerika entdeckt hätte? Welche alternativen Realitäten hätten dann Mali, Afrika und die gesamte Welt erlebt?

In Uchronia bringen Pozoga und Kirkley Science-Fiction mit sozialer Dokumentation zusammen, um Themen wie Geografie, Globalismus, Fantasie, kulturelles Gedächtnis und Geschichtsinterpretationen zu untersuchen.

Die Fotografie war dabei zwar ihr Hauptwerkzeug, doch sie bildet nur einen Teil des Werks. Pozoga und Kirkely verließen sich oft auf den Zufall und arbeiteten mit einheimischen Musikern, Anthropologen, Historikern, Linguisten, Schildermalern und 3D-Künstlern, um eine fruchtbare, sich stets wandelnde Mischung aus Klängen und Bildern zu erschaffen. Das Projekt ist eine Kollaboration zwischen einem Fotografen und einem Musikwissenschaftler, doch es ist zudem eine Kollaboration zwischen den Künstlern und Mali, seinen Leuten, seiner Kultur, seinen Fabeln und seinen vielen Realitäten, sowohl den wahren als auch den unerfüllten.

3D-Design von Cheick Ahmadou Ouattara