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Diese Radfahrer halten dich davon ab, selbst einer zu werden

Vom Bike-Bobo bis zum ADHS-Trickster: Diese Radfahr-Typen triffst du im Wiener Stadtverkehr.
07 September 2016, 5:00am
Illustrationen: Sandra Reichl

Dieser Artikel ist in Zusammenarbeit mit Heineken entstanden.

Für die einen ist es moralisch, gesundheitlich und rein pragmatisch die einzig richtige Art, sich in Wien fortzubewegen. Für andere sind Radfahrer die Grundlage, auf der ein weiteres, beliebtes Wiener Hobby sein Dasein fristet: das Sudern. Zum Leidwesen Kohlenmonoxid-getränkter Nerven von Autofahrern wächst und gedeiht der Wiener Radverkehr jedenfalls prächtig.

Aber Radfahrer ist nicht gleich Radfahrer und so, wie es unterschiedliche Fahrräder gibt, gibt es auch unterschiedliche Typen von Nutzern. Wir sagen nicht, dass jeder Mensch mit fahrbarem, motorlosem Zweirad-Untersatz zu einer dieser Gruppen gehört oder dass du deshalb wirklich unbedingt auf Taxi oder zur Arbeit schwimmen umsteigen musst. Wir sagen nur, dass du diese Typen vielleicht kennen solltest, bevor du dir das mit dem Waffenrad oder dem Trickster-Bike überlegst. Hier sind also die fünf Typen von Fahrradfahrern, die dir in Wien am häufigsten begegnen.

Meist schon als junger Student merkt er, dass ihm ein wesentliches Statement hin zur Vollendung seines Daseins als kreativer Streetfood-Blogger fehlt. Das Mountainbike, das Opa Alois einst für 4000 Schilling erstanden und ihm für die zwei Einser im Zeugnis geschenkt hat, ist nicht mehr cool genug. Und deshalb holt er sich beim Flohmarkt um die Ecke ein rostiges Waffenrad um 200 Euro—mit Ein-Gang-Schaltung, kaputten Bremsen und ohne Licht, weil weniger ist mehr und alt ist hip und kaputt ist das neue Neu.

Selten trifft man ihn in den Außenbezirken oder gar auf Radrundwegen in der Natur. Sein Metier sind Fußgängerzonen—denn er fährt eigentlich eher ungern. Lieber schlendert er gemeinsam mit seinem Fahrrad über Bio-Märkte und Raritätenbörsen. Ein Fahrrad kann auch einfach nur ein guter Freund sein.

Er ist der Pro unter den Fahrrad-Fahrern und auch sonst im Leben. Wenn er seine 80 Stunden Arbeitswoche hinter sich gebracht hat, hält ihn nichts mehr davon ab, einige Hausberge zu bestreiten oder 50 Kilometer lange Ringrunden zu drehen. Sein Look ist auf das Wesentliche beschränkt und funktional—wenn er die Wiener Einkaufsstraßen entlang rast, scheint er nicht minder motiviert, als ein Iron-Man-Teilnehmer.

Warum? Weil er das einfach braucht, um runterzukommen. Wenn du ihm begegnest und dich dabei schlecht fühlst, denk dran: Während er für den nächsten Triathlon trainiert, ziehen seine Arbeitskollegen (und mit Sicherheit auch seine Freunde) beim abendlichen Bier über ihn und seine viel zu engen Radler-Hosen her.

Im ersten Moment ist er wohl der Unscheinbarste unter seinen Artgenossen. Sein augenfälligstes Attribut sind kolossale Schweißflecken an mannigfaltigen Stellen seiner Kleidung, sowie sein geistloser Gesichtsausdruck, die auf eine gewisse Unsportlichkeit schließen lassen.

Welches Fahrrad er fährt, ist für ihn nicht von Bedeutung. Das erste Rad, das er nach einer Gürteltour ohne Schloss antrifft, ist das Beste. Er ist pleite und wahrscheinlich auch betrunken—denn das Geld, das ihm seine Eltern für ein Semesterticket überwiesen haben, ist für Bier, Zigaretten und Schwarzfahren draufgegangen.

Nicht zu verwechseln mit dem Hipster oder dem Pro, ist er gewissermaßen ein Upgrade dieser zwei Typen. Meist tätig als freier Journalist, Marketer oder Dokumentarfilm-Produzent ist Fahrradfahren für ihn weniger Mittel zum Zweck, als echte Ideologie. Der regelmäßige Gang zum Barber-Shop ("Friseur" sagen nur Proleten) gehört genauso zu seinem Life-Style, wie die wöchentliche Pflege des veganen Sattels seines italienischen Retro-Rennrads.

Dieses ist, wie eingangs erwähnt, teurer als dein Fiat Punto und er fährt damit auch deutlich schneller als du. Sein Haar schützt er mit sorgsam eingearbeiteter Pomade vor freien Radikalen—so auch sein Fahrrad, dass er täglich vier Stockwerke hoch in seine Altbauwohnung trägt und als modisches Innenarchitektur-Accessoire an die Wand hängt.

Als Spätfolge professioneller Vernachlässigung in seiner Kindheit ist der Trickster wohl der Unbeliebteste unter den Radfahrern: Er steht nie still, auch nicht an der Ampel. Seine Lebensaufgabe ist es, so lange stehend zu freestylen, bis die nächste Grünphase kommt und er die Fahrt auf seinem BMX-Hinterrad fortsetzen kann.

Letzteres ist, genau wie das Vorderrad, so umfangreich und breit wie deine Autoreifen und ermöglicht ihm längere und stabilere Stehzeiten. Eigentlich hat er kein bestimmtes Ziel, außer niemals mit seinem Sattel in Berührung zu kommen und keinen einzigen Bunnyhop der Welt vorzuenthalten. Er ist der wahre Grund, warum dich andere Verkehrsteilnehmer hassen werden, wenn du selbst aufs Fahrrad steigst.


Alle Illustrationen: Sandra Reichl