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Sex

Wenn deine Freundin nach einem Dreier Schluss macht

Mit zwei Frauen gleichzeitig zusammen zu sein, empfand ich als Wagnis, auf das ich mich vielleicht besser nicht eingelassen hätte.
5.11.15

Ab und an skype ich noch mit Bowie. Wenn ich sie sehe, löst das in mir immer noch fast die gleichen Gefühle aus wie damals, als ich sie zum ersten Mal traf. Wenn ich ehrlich bin, dann glaube ich nicht, dass wir jemals ganz voneinander loslassen können.

Ich lernte Bowie vor fünf Jahren in einer Straßburger Bar kennen. Meine Mitbewohnerin Caroline feierte Geburtstag. Unsere kleine Gruppe vernichtete ein Bier nach dem anderen und dann kam plötzlich eine dunkle Gestalt vorbei und stellte sich vor uns.

Der Autor in früheren Zeiten | Foto: bereitgestellt vom Autoren

Zuerst war ich mir nicht ganz sicher, ob es sich nun um einen Mann oder um eine Frau handelte. Aber dann drehte sie sich um und blickte mich mit ihren grünen Augen an. Mit ihrer großen, schlanken und knochigen Figur erinnerte sie mich dabei an David Bowie—deswegen auch ihr Spitzname.

Wir fingen an, miteinander zu reden, und mir fiel sofort auf, wie kindlich und gebrochen ihre Stimme war. Sie hatte etwas Zerbrechliches an sich, was doch einen ziemlichen Gegensatz zu ihrem Auftreten darstellte. Wir tauschten Nummern aus und verabredeten uns für den darauffolgenden Tag. Auf meinem Nachhauseweg konnte ich nicht aufhören, an sie zu denken.

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Am nächsten Abend erzählte sie mir dann von ihrem Leben. Ihre Mutter hatte eine lange Zeit in einer psychiatrischen Klinik verbringen müssen und mit ihrem Vater kam sie nicht gut klar. So dachte ich mir auch, dass es in ihrem Leben wohl nicht viele Menschen gibt, auf die sie sich verlassen kann und sah mich deshalb als so etwas wie ihren Beschützer an. Nicht mal eine Stunde später entschieden wir uns, zusammen nach Hause zu gehen.

So etwas wie unsere erste gemeinsame Nacht hatte ich vorher noch nie erlebt. Sie nahm die Zügel in die Hand und übernahm teilweise die männliche Rolle, denn sie packte mich auch im Nacken, flüsterte mir Dinge ins Ohr und tat dabei so, als sei sie ein Mann. Im Laufe der darauffolgenden Monate waren wir unzertrennlich.

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Es brauchte nicht lange und Bowie gestand mir, dass sie mit einer Frau schlafen wolle. Ich kenne viele Leute, die von Dreiern träumen (einer Umfrage zufolge sind das in Deutschland zum Beispiel 72 Prozent der Männer und 54 Prozent der Frauen), aber in mir habe ich diesen Wunsch noch nie verspürt. Und trotzdem schlug ich ihr Hermine vor. Mit ihr hatte ich früher öfters Sex und wir waren immer noch sehr gute Freunde. Ich stellte sie einander auf Facebook vor und beide schienen von der Idee doch sehr angetan zu sein.

Ich kenne viele Leute, die von Dreiern träumen, aber in mir habe ich diesen Wunsch noch nie verspürt.

Eines nachts lag ich im Bett und bekam einen Anruf von Bowie. Sie schlug mir vor, Hermine einzuladen. Schließlich kamen die zwei Frauen bei mir vorbei, aber das Ganze war dann richtig komisch und die beiden berührten sich kaum.

Erst eine Woche später wurde mir jedoch so richtig bewusst, was diese Nacht alles verändert hatte. Wir hingen alle drei bei Hermine ab, aber meine beiden Freundinnen waren verdächtig still. Ich bin dann eingeschlafen und als ich ein paar Stunden später wieder aufwachte, stellte ich fest, dass die beiden eng umschlungen auf der Couch miteinander schliefen. Das war zwar schon ein schöner Anblick, aber ich war dennoch eifersüchtig. Ich brach schließlich auf, um mit meiner Familie zu Mittag zu essen, und als ich Bowie später erreichen wollte, antwortete sie mir nicht.

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Nachdem noch weitere vier Tage ohne jeglichen Kontakt verstrichen waren, rief mich Bowie schließlich an, um mir mitzuteilen, dass sie und Hermine jetzt ein Paar wären. Sie waren sogar schon zusammengezogen. Ich hatte sowohl meine Beziehungspartnerin als auch meine beste Freundin verloren.

Ein paar Monate später traf ich Hermine und Bowie zufälligerweise in einer Lesbenbar wieder. Hermine wollte zwar Hallo sagen, aber ich ignorierte sie. „Gute Nacht, ihr Fotzen" war das Einzige, was ich herausbrachte, als die beiden auf ihrem Weg nach draußen an mir vorbeigingen. Ich konnte nicht fassen, was da gerade aus meinem Mund gekommen war, und ich schwor mir, mich nie wieder wie ein solcher Vollidiot zu verhalten.

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An diesem Tag rief ich auch zum ersten Mal seit fünf Jahren wieder bei meiner Therapeutin an. Eigentlich war sie nur für meine familiären Probleme zuständig, aber dieses Mal musste ich mit ihr über ein anderes Thema sprechen. Nach einigen Wochen Therapie wurde mir schließlich klar, dass ich für Bowie keine Liebe, sondern nur Faszination verspürte.

Mit der Zeit haben Bowie, Hermine und ich es auch hinbekommen, unsere Beziehung zu reparieren. Ich war nicht mehr ihr Liebhaber, sondern ihre Vertrauensperson. Hermine rief mich zum Beispiel immer an, wenn sie sich darüber beschweren musste, dass sie in einer WG wohnt—denn sie braucht eigentlich immer ihre Privatsphäre.

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Diesen Juni sind wir zusammen zum Sommerhaus meiner Eltern gefahren und haben dort drei Tage verbracht. Diese Zeit war wunderschön und unsere Beziehung fühlte sich ehrlicher und besser an als jemals zuvor. Irgendwie hatten wir alle das Gefühl, dass unsere Offenheit uns näher zusammengebracht hatte. Im Juli fuhr Bowie dann für ein paar Tage in die Bretagne, um ihren Ex-Freund zu besuchen. Sie kam nie wieder zurück. Hermine war deswegen am Boden zerstört. Mir erging es genauso—auch wenn ich das nicht offen zugeben wollte.

Inzwischen sind mehrere Monate vergangen und ich bereue nichts. Bowie und Hermine haben noch sporadischen Kontakt, aber das Ganze gleicht eher einer emotionalen Achterbahnfahrt, die niemandem gut tut. Wenn man eine Beziehung mit mehreren Partnern führt, dann entsteht dabei irgendwann unausweichlich ein emotionaler Cocktail aus Hass und Euphorie. Mit zwei Frauen gleichzeitig zusammen zu sein, empfand ich als kompliziert, gefährlich und gleichzeitig auch faszinierend—ein Wagnis, auf das ich mich möglicherweise besser nicht eingelassen hätte.