Wie ich meine Bordell-Jungfräulichkeit verlor

Zur Erfahrung, wie sich eine Massage anfühlt, bei der eine Frau ihren nackten, eingeölten Körper an dem einer anderen reibt.

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Feb. 5 2015, 9:06am

Ich muss schon zugeben, dass ich als ehemalige Domina und engagierte Feministin eine Neigung dazu habe, in vornehmlich männlichen Orten einzufallen. Beispiele hierfür wären eine Rennstrecke, eine Box-Trainingshalle oder ein Porno-Schnittraum. Kurz gesagt: Ich dringe gerne da ein, wo Männer das Sagen haben. Während einer vor Kurzem stattgefundenen USA-Reise bekam ich die Chance, Sheri's Ranch—einem legalen Bordell in Nevada—einen Besuch abzustatten. Da konnte ich natürlich nicht Nein sagen.

Sheri's Ranch ist ein Grundstück knapp 100 Kilometer von Las Vegas entfernt, auf dem sich das Bordell, eine Bar und ein Hotel befinden—Besitzer und Betreiber des Ganzen ist der ehemalige Gesetzeshüter Chuck Lee. Zwar gibt es das Etablissement schon seit fast 15 Jahren, aber wegen der beschränkten Werbemöglichkeiten handelt es sich trotzdem um einen dieser Orte, die man eigentlich nur in Insider-Kreisen kennt. Auf der Ranch sind zu jedem Zeitpunkt 25 Escort-Damen tätig und die Konkurrenz ist groß: Jeden Monat gehen in dem Bordell Hunderte Bewerbungen aus der ganzen Welt ein und „Puffmutter" Dena entscheidet, wer als nächstes angestellt wird.

Das Sheri's ist bei Weitem nicht die einzige „Ranch" Nevadas—ja eigentlich nicht einmal der Kleinstadt Pahrump. Die Konkurrenz namens Chicken Ranch (deren befremdliches Logo zeigt mehrere lange Beine, die aus einer Eischale herausschauen) hat nur wenige Meter vom Sheri's-Grundstück entfernt eine Werbetafel aufgestellt. Das Sheri's ist jedoch das einzige Bordell, in dem eine Nuru-Massage angeboten wird. Dabei handelt es sich um eine intensive, komplett nackte Körper-auf-Körper-Massage, die in Japan erfunden wurde und bei der sich die Escort-Dame und du mit einem speziellen Massage-Gel aus Nori-Meeresalgen einreiben.

Ihre Beliebtheit erlangten Nuru-Massagen zuerst in den sogenannten „Soaplands" von Japan und sie waren einst das perfekte Mittel, um die Einschränkungen bezüglich des Angebots von richtigem Sex zu umgehen. Trotzdem ist Nuru in den USA genau genommen illegal, denn das ist jegliche Massage, die sexuelle Stimulation beinhaltet. Das wiederum macht das Sheri's zum einzigen Ort, wo man in den USA legal eine Nuru-Massage bestellen kann.

Und das ist verlockend. Als letzten Oktober das Nuru-Massagen-Zimmer eingeweiht wurde, ist der Gewinn innerhalb eines Monats um 15 Prozent gestiegen. Die Angestellten erzählten mir, dass Nuru bei mittelalten Männern am beliebtesten ist—aber auch mehrere Pärchen haben diese Massage-Art in ihr Dreierprogramm aufgenommen.

Dazu kommt, dass Nuru wohl die perfekte LGBTQI-freundliche Massage ist. Umschnalldildos finde ich jetzt nicht komplett verkehrt, aber als bisexuelle Frau, die ihre Schwänze an einem männlichen Körper bevorzugt, glaube ich, dass ich als regelmäßige Bordellbesucherin wahrscheinlich immer diese erotische Erfahrung wählen würde.

Das (leicht verschwommene) Sex-Menü vom Sheri's

Als ich auf der Ranch ankam, habe ich wie alle Kunden zuerst die Bar betreten. Die machte einen richtig gemütlichen Eindruck und ist ein beliebter Schauplatz für Geburtstagspartys sowohl von Frauen als auch von Männern—richtig amerikanisch, wenn man mal von dem vorgeschriebenen roten Licht absieht. Weiter ging es durch den Salon, wo man sich noch ganz traditionell anstellt und wartet. Ich machte es mir kurz auf einer der creme- und mahagonifarbenen Couches bequem und begutachtete das Sex-Menü vor mir. Dabei versuchte ich mir vorzustellen, wie es sich anfühlen muss, so seine Wahl zu treffen.

Danach wurde mir der Rest der Ranch gezeigt, inklusive Jacuzzi-Zimmer und römisch eingerichtetem VIP-Bungalow (komplett mit Urnen, Marmor und eingerahmtem Poster von Russell Crowe). In jedem Zimmer, wo es zum Geschlechtsverkehr kommt, war ein „Kondome sind Pflicht"-Schild aufgestellt. Dort werden eben klare Ansagen gemacht.

Das Nuru-Massage-Bett inklusive wasserfester Matratze

Das Nuru-Massage-Zimmer war das am geschmackvollsten eingerichtete: elegante japanische Deko, gedimmtes Licht und ein Bett aus dunklem Holz inklusive einer speziellen wasserdichten Matratze. Die erinnerte mich an einen Vakuumverpackungsaufsatz, den ich in meinem Verließ im Londoner East End eingesetzt habe. Meine Kunden mussten sich da reinzwängen und dann habe ich die Luft um ihren Körper herum herausgesagt. Am Ende glichen sie dann einer Salami in Schrumpffolie.

Salami stand natürlich nicht auf meinem Sex-Menü.

Stattdessen gab es eine Nuru-Massage mit Happy End, durchgeführt von einer Brünetten. „Brünett" war das Einzige, was ich herausbrachte, als ich nach meinen Vorlieben gefragt wurde—das war zum einen meinem schwesterlichen Schutzgefühl und zum anderen meinem Überraschungswunsch geschuldet. Als Juna den Raum betrat, war ich wirklich überrascht: Sie war zierlicher als ich, kam aus Südostasien, hatte ein richtig hübsches Gesicht und trug einen mädchenhaften Rock und ein Spitzen-Bustier.

Die Autorin vor der Nuru-Massage

Ich war auch überraschend nervös und erzählte von meinen Domina-Zeiten, um mich ein wenig von ihrer üblicherweise männlichen Klientel abzuheben. Damals habe ich es geschafft, mir über meine Kunden kein Urteil zu bilden, und trotzdem wollte ich, dass sie mich alleinstehend und nicht als Freier betrachtet.

Juna erzählte mir, dass sie nicht wirklich hetero sei—für Geld aber auch schon mal ein Auge zudrücken würde. „Damit ziehen mich meine Kolleginnen immer auf", lachte sie.

Ich habe zwar schon mit Hunderten Kunden zu tun gehabt, darunter waren allerdings nur ganz wenige Frauen. Aber das hier war auch eine komplett andere Situation. Nachdem ich mich ausgezogen und geduscht hatte, legte sie sich auf mich und begann mit der Massage, indem sie sich auf mir hoch und runter bewegte. Die ersten 15 Minuten traute ich mich nicht, sie anzufassen. Aber je mehr wir über unsere sexuellen Ansichten redeten und sie mir davon erzählte, wie sehr ihr der Job Spaß machen würde—je mehr gelächelt und genickt wurde—, desto lockerer wurde die ganze Sache.

Das Gel auf ihrer Haut war einfach zu verführerisch. Ich nahm meinen ganzen Mut zusammen und berührte sie, indem ich mit meinen Händen ihre Oberschenkel hoch und runter fuhr—ihre Hände ruhten dabei auf meinen. Als sie mich umdrehte, glitten ihre Finger an den Seiten meiner Brüste entlang, dann berührte sie meine Nippel. Ich kannte zwar schon Sport- und Schwedenmassagen, aber das hier war etwas ganz Besonderes. Das hier war eher sinnlich als sexuell, aber aus offensichtlichen Gründen würde es mit Kleidung auch nicht funktionieren.

Ein Zimmer im Sheri's—auch das obligatorische „Kondome sind Pflicht"-Schild ist zu sehen

„Wo hast du die Nuru-Technik gelernt?", fragte ich Juna.

„YouTube!", antwortete sie prompt. „Das hat mich richtig angeturnt und ich konnte nicht so viel auf einmal anschauen—aber ich wollte es unbedingt lernen."

Als sie mir ein Kompliment für meine Brüste machte, wurde ich ganz rot. Sie spreizte meine Beine und rieb ihren Schritt gegen meinen. Ihre Brüste waren winzig, ihre Nippel stachen dafür umso deutlicher hervor. Ab und an betrachtete ich auch ihr Gesicht, aber das war schon fast zu intim. Sie berührte mich zwar am ganzen Körper, aber das hatten vor ihr schon so viele andere Menschen gemacht. Es fühlte sich natürlich sehr gut an, aber das war—zumindest für mich—keine Intimität. Und genau so sollte es auch sein.

„Soll ich deine Nippel ein wenig mit meiner Zunge bearbeiten?", fragte sie mich.

„Wenn es keine zu großen Umstände macht", lautete meine sehr höfliche Antwort. „Ja, bitte."

Die Außenansicht vom Sheri's

Nach dem Akt legte sich Juna neben mich. Das habe ich damals nie gemacht, ich habe meinen Kunden stattdessen lieber ein paar Minuten für sich selbst gelassen. Die kurze Zeit nach dem Orgasmus ist ja auch am intimsten. Ich war wirklich beeindruckt davon, wie wohl sie sich zu fühlen schien und wie sehr sie sich um mich sorgte. Juan war—einfach ausgedrückt—ein professioneller Leckerbissen.

Ich muss sagen, dass mir das Ganze wirklich sehr gut gefallen hat, ich aber seltsamerweise recht nachdenklich gestimmt wurde. Ich bin nicht single, also werde ich in naher Zukunft wohl nicht noch mal sexuelle Dienstleistungen in Anspruch nehmen. Aber ich habe meine Bordell-Jungfräulichkeit verloren—unter passenden Umständen könnte ich mir gut vorstellen, das Ganze wieder zu tun. Ich hatte vor allem den Eindruck, dass eine Nuru-Massage genau der richtige Weg in die Hose einer Frau sein könnte.

„Ich fände es toll, wenn durch Nuru-Massagen mehr Kunden aus der homosexuellen Gemeinschaft angelockt werden könnten", erzählte mir Juna. Als Mitglied dieser Gemeinschaft glaube ich, dass das gut möglich ist.

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