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So fit ist die Schweiz für die Zombie-Apokalypse

Wir haben im Geiste die Zombie Apokalypse in der Schweiz durchgespielt und einige Tipps für dich.
15.1.15
Bild von VICE Media

Zombies sind neben Vampiren, Werwölfen und Vera Dillier die bekanntesten Horrorfiguren der abendländischen Popkultur. Anders als andere Monster und Untote sind Zombies vornehmlich in der Masse problematisch. Die Masse kommt daher, dass sich Menschen halt sehr einfach in Zombies verwandeln—ein Biss oder ein infizierter Kratzer reicht schon. Dann setzt die Transformation zur wandelnden Leiche ein, die je nach Regisseur einige Minuten bis wenige Stunden dauert.

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Wir gehen für diesen Artikel von „Night of the living dead" - oder „The Walking Dead "- Zombies und nicht von „28 days later "- oder „World War Z "-Zombies aus. Während letztere tierhaft und wild, übermenschlich schnell und stark sind und so den Schweizern sowieso den Platz in der Evolutionskette abrennen würden, sind erstere viel eher das, was der Begriff des „lebenden Toten" umfasst: Knapp noch animierte, auf den einzigen Trieb der schieren Fortexistenz reduzierte Leichen.

Foto von Wikimedia; Gage Skidmore; CC BY 2.0

Zombies haben nur eine einzige Schwachstelle: Ihr Stammhirn. Dort sitzt gemäss Mythos das letzte bisschen Verstand, das den Untoten Fortbewegung und so was wie Erinnerungsrudimente ermöglicht. Wenn du einen „töten" willst, solltest du daher auf dieses bisschen verbliebenes Hirn zielen. Es gelten im Prinzip also dieselben Regeln wie beim Kommentieren auf Facebook. Die Schweiz ist dank wenigstens 50 Jahren Kommunismus-Paranoia deutlich besser auf eine Zombie (oder jede x-beliebige) -Invasion vorbereitet als andere Nationen. Knapp jeder siebte Schweizer hat eine Schusswaffe daheim und die meisten können rudimentär bis sehr gut damit umgehen. Milizsystem und Waffengesetz sei Dank!

Von unseren Polizisten wissen wir, dass sie auch unter Stress wenigstens aus Versehen dazu in der Lage sind, Köpfe in der Menge zu treffen.

Foto von Pixabay; Geric 10; CCO

Da wir ein starker Forschungsstandort sind, ist das Risiko Ursprungs- und Heilungsort für das Zombie-Ding zu sein, unterm Strich etwa gleich gross. Versagt die Wissenschaft, weil die Zombie-Apokalypse doch mystischen Ursprungs ist, haben wir ja immer noch die EDU, den ICF und eine der grössten Freikirchen-Dichten der Welt als heilige erste Verteidigungslinie gegen die dämonischen Horden der Unterwelt.

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Im Zweiten Weltkrieg wurde die Schweizer Strategie geboren, sich bei Gefahr, in eine riesige unterirdische Bunkeranlage in den Bergen einzuigeln. Das sogenannte „Réduit" hat aber nicht für alle Platz. Darum haben wir ja alle einen „Luftschutzkeller" zu Hause. Dass nicht alle ins „Réduit" dürfen, steht aber auch für eine andere Schweizerische Losung: „Das Boot ist voll" ist der wichtigste Leitspruch für jeden, der das Überquellen des Fegefeuers überleben will.

Foto von Flickr; Nick Thompson; CC BY 2.0

Die richtige Einstellung wiegt dein wohl sortiertes Eingemachtes x-fach auf, wenn du eines Tages ein kleines Stückchen postapokalyptische Wüste dein Eigen nennen willst. Neben deiner mentalen Abgeklärtheit solltest du körperlich fit und bewaffnet sein. Alles in allem ist die Schweiz die Doomsday Prepper-Nation schlechthin und hat überdurchschnittlich hohe Chancen, der ersten Welle Zombies vergleichsweise bevölkerungsstark zu entkommen. Das ist aber nicht in allen Regionen der Schweiz gleich:

Basel
Machen wir uns nichts vor. Basel ist sehr wahrscheinlich der Ursprung einer allfälligen helvetischen Zombie-Invasion. Das hat noch nicht mal was mit Fussball zu tun. Da die Kleinstadt (Haha.) mit Roche und Novartis Hauptsitz von gleich zwei der weltgrössten Pharmakonzernen ist, ruht in jedem Basler die Urangst, früher oder später einem beliebigen Mitbürger den Hypothalamus eindonnern zu müssen. Aus medizinischen Gründen versteht sich.

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Die Stadt lässt schon jetzt keine Gelegenheit aus, grossangelegte Übungen für den Ernstfall durchzuführen. Die Absicherung der OSZE- Konferenz kann man als aktuelles Beispiel heranziehen. Und die hat ja auch gut funktioniert, insbesondere die Scharfschützen in den Helikoptern, sind eine stilvolle Anti-Zombie-Massnahme.

Foto von Alain Appel

Die Stadtbewohner lassen sich nicht lumpen. Jeden Sommer spielen ganze Postleitzahlzonen gegeneinander (Wasser-)Krieg, wenn man jetzt Wasser gegen Benzin mit Orangensaftkonzentrat austauscht, sind die paar Punks plötzlich stolze Krieger für die Sache der Menschheit.

Bern
Wir gehen nicht davon aus, dass die Berner Zombies langsamer wären als die restlichen Schweizer Zombies. Derartiges Klischeedenken kann während Weltuntergangssituationen tödlich sein. Wo Bern aber wirklich ein Mentalitätsproblem hat, ist bei den Waffen. Lächerliche 4% der Berner haben Waffen, um auf dich zu schiessen . Das ist vor allem deshalb ein Problem, weil der Kanton Bern auch noch zu den Top 5 der Fettsack-Kantone der Schweiz gehört. Also wird der gleichzeitige Mangel an Feuerwaffen und Asthmasprays (Die Apotheken sind ja schon geplündert.) dazu führen, dass die Berner eine recht harte Zeit vor sich haben.

Foto von Flickr; Kenny Louie; CC BY 2.0

Der entscheidende Nagel im Sarg der Stadtberner ist aber ihre zarte Seele, die durch das Aareufer und den ganzen Mundart-Rock noch weicher gespült wurde. Wegen ihrer friedlichen Mentalität zögern sie tausendfach eine halbe Sekunde zu lang. Ja, unter diesen Umständen ist es von existenzieller Bedeutung, ob du deiner ehemaligen Primarlehrerin jetzt gleich oder einen Augenblick später den Schädel einhämmerst.

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Die Stadt scheint sich dieser Fülle an Risiken allerdings bewusst zu sein. Seit gut 160 Jahren üben die Berner einmal jährlich für die Zombie-Apokalypse. „Zibele Märit" nennen sie diesen Anlass liebevoll. Der Brauch besteht im Wesentlichen aus Gruppen von Jugendlichen, die sich mit sandgefüllten Plastikrohren gegenseitig verkloppen.

Foto von Diana Pfammatter

Die Bewohner des Berner Oberlands haben deutlich bessere Karten als die Stadtberner. Dafür tragen sie dieselben Risiken wie die Bündner, da sie ebenfalls Skigebiete und Internate haben, welche die Infizierung aus der Restschweiz und dem Ausland befördern. Falls die Zombie-Invasion also im Sommer beginnt, stehen die Chancen trotz Übergewicht und weniger Waffen zumindest in einigen Teilen des Kantons gar nicht so schlecht.

Graubünden
Das liebe Bündnerland ist bestimmt einer der sichersten Orte, an denen du deine persönliche Zombie-Apokalypse verbringen solltest. Die geringste Siedlungsdichte im Land, die hohen Berge, die Unmengen an landwirtschaftlichen Gerätschaften, die Agrarflächen und Nutztiere lassen vermuten, dass gewisse Bündner eine drohende Züzi- äh …Zombieapokalypse gar nicht mitbekämen. Sofern sie im Sommer stattfindet versteht sich. Im Sommer wird sich der Bündner Widerstand etwa so abspielen: Blühende Magerwiesen und ein paar einsame Leichenfresser, die von einem Bub entdeckt und danach von einem Patentjäger aus sicherer Entfernung niedergestreckt werden.

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Foto von Pixabay; Kelseyanverre; lizenzfrei

Im Winter vereint das Bündnerland die Internationalität von Genf und Basel (Man denke ans WEF, den Flughafen Samedan und die ganzen Internate.) mit der Bevölkerungsdichte der Stadt Zürich. (Es sind ja auch alle Zürcher dort.)

Ostschweiz
Trotz der Grenze zu Österreich sind die Ostschweizer nur unterdurchschnittlich bewaffnet. Lediglich 8,5 %der Ostschweizer sind Waffenträger. Mostindien dürfte aber ein nützliches Vorkommen an Garten-und Landwirtschaftsgeräten bereithalten. Die Region ist nicht besonders dicht besiedelt und hügelig. Also wird es weniger Zombies geben und die brauchen länger von Hof zu Hof. Schaffhausen bildet da eine Ausnahme: Der Grenzkanton ist überdurchschnittlich dicht besiedelt und weniger hügelig. Dafür ist Schaffhausen (wie die meisten anderen Grenzkantone auch) bewaffnet bis an die Zähne. Hoffen können die Appenzeller auf ihre vielen Wunderheiler, denn so einen wirst du dir wünschen, nachdem du das überlaufene Krankenhaus deines Vertrauens hast abfackeln sehen. Mit locker einem Drittel übergewichtiger Einwohner ist die Region allerdings nicht besonders gut auf einen Kampf vorbereitet: So ein Spaten will mit einigem Schmackes geschwungen sein, bevor er zur Enthauptung taugt.

Zentralschweiz
Die Zentralschweiz wird logischerweise das neue politische Zentrum des Landes: Die grössten Abschnitte des Réduits verlaufen mitten durch die Wiege der historischen Schweiz. Das ist auch den Umständen angepasst. Insbesondere die Schwyzer und Urner sollten nicht allzu weit laufen müssen, um in Sicherheit zu sein. Die Innerschweizer sind nämlich zu knapp 37 % übergewichtig, also eigentlich viel zu fett, um die Apokalypse zu überleben. Aber das passt schon. Das Réduit ist ja gleich ums Eck. Die Urschweizer machen ihre Feistigkeit zudem locker durch überdurchschnittliches Waffenvorkommen wett.

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Foto von Diana Pfammatter

Die Zentralschweiz ist auch eine SVP-Hochburg. Die Volkspartei bereitet sich im Herzen seit den neunziger Jahren auf diesen Moment der grossen Invasion vor. Das Feindbild der wählerstärksten Partei wird sich selbst unter misslichen Umständen umgehend anpassen lassen. Wir nehmen an, dass Christoph Blocher die ganze GOAL-Agentur per Helikopter ins Réduit evakuiert, kaum hat er durch den Bilderberger-Flurfunk vom missratenen Novartis-Experiment erfahren.

So wird die Innerschweiz stehenden Fusses neu organisiert sein, mit SVP-Warlords an der Spitze, die die Ohren ihrer ehemaligen Listenkollegen an einem gezwirbelten Darm um den Hals tragen.

Westschweiz
In Genf ist das Potenzial einer internationalen Eskalation am grössten. Gar Didier Burkhalters viel gerühmtes Mediationstalent dürfte an der Aufgabe scheitern, dem lybischen Präsidenten zu erklären, warum Schweizer Polizisten gerade seinem Sohn in den Kopf geschossen haben. Wir erinnern uns, was passiert ist, als die Schweiz nur schon den Sohn des lybischen Machthabers verhaftet hat.

Insbesondere wenn Burkhalter vor einem Haufen brennender Diplomaten-Leichen steht, während er das tut. Nirgends in der Schweiz haben Zombie- und atomare Apokalypse einen derart aufgeheizten sexy-anzüglichen Flirt am Laufen wie in Genf, auch dank dem CERN.

Im Kanton Genf hat jeder vierte Einwohner eine registrierte (!) Knarre. Also wird kurz nach der Ausnahmezustand-Fernsehansprache in praktisch jedem Haushalt ein „Run for the gun" stattfinden. Da sind Unfälle zwar unvermeidbar, aber wer die ersten Stunden noch übersteht, hält ziemlich sicher eine Feuerwaffe in seinen mit Blut benetzten Händen.

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Ja, die Westschweizer dürften rein mental deutlich besser vorbereitet sein als andere Regionen. Ausser dem Wallis sind sie körperlich durchwegs fitter als ihre deutschsprachigen Mitbürger. Gemäss Google-Trends wird der Begriff „Zombie" in der Westschweiz auch häufiger gegoogelt als in den anderen Landesteilen.

Mittelland
Die erste Deutschschweizer Kantonsbevölkerung, die an die Top 5 im „Zombie" Googeln anschliesst, sind die Solothurner. Und die dürften wegen ihrer Nachbarschaft zu den engen Hinterwäldler-Tälern des Juras ab und zu auf den Gedanken kommen, den Begriff „Zombie" zu suchen. Im Jura hätten auch schon locker Zombie-Apokalypsen stattfinden können, ohne dass es jemand in der restlichen Schweiz mitbekommen hätte.

Solothurn grenzt gleichzeitig an die, nur ein kleines bisschen zivilisierteren, Risiko-Kantone Basel und Aargau. Was den knapp durchschnittlichen Wert an Schusswaffen etwas sonderbar erscheinen lässt, denn wären die Solothurner vernünftig, hätte jeder einen Bunker und einen Panzer daheim.

Foto von Wikimedia; Brazilian Army; CC BY 2.0

An einem normalen Wochenende in der Stadt Zürich, erkennt man die aargauische Zombieapokalypse schon in ihren Grundzügen. Insbesondere wer sich nach 3 Uhr morgens am Hauptbahnhof aufhält: Ein Strom an kaum noch der menschlichen Sprache fähigen, stinkenden sabbernden Halbtoten, der sich, schrecklich gekleidet, seinen Weg zum nächsten Nachtzug bahnt.

So kennen und lieben wir die Aargauer. Der Aargau, das überrascht wohl niemanden, ist auch einer der Topkandidaten was den Ursprung der Apokalypse in der Schweiz betrifft. Trotz dem vehementen Widerspruch diverser verzweifelter kantonaler Offizieller ist und bleibt der Kanton das Atomlager der Nation. Insofern ist es nicht ausgeschlossen, dass die langsame Transformation zum Zombiekanton bereits stattfindet, sich von Generation zu Generation entwickelt. Das würde bedeuten, dass Nicht-Aargauer während einer Zombie-Apokalypse Probleme haben werden, Zombies und Aargauer zu unterscheiden.

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Die Aargauer sind auch zu einem guten Drittel übergewichtig und haben zu ihren registrierten Waffen keine Abgaben gemacht. Wahrscheinlich drücken die Aargauer Behörden gerade wegen der hohen Zombie-Apokalypsen-Ausbruchs-Gefahr in diesem Bereich ein Auge zu.

Zürich
Wer schon mal zwischen dem 22. und dem 24. Dezember versucht hat, an der Bahnhofstrasse was einzukaufen, weiss schon ziemlich genau wie so eine Zombie-Apokalypse in Zürich ausschaut. Wer das kennt, hat wohl auch schon nach möglichen Waffen- oder Heimwerkergeschäften, die Instrumente verkaufen, mit denen man Menschen töten kann, Ausschau gehalten. Entschuldigung; nicht Menschen, Zombies natürlich. Darum macht die nationale Konsumstrasse zum Plündern im Ernstfall wenig Sinn: An der Bahnhofstrasse kann man nur noch Kleider und Nippes kaufen, trotz der ganzen Einkaufszentren. Mit Kleidern und Nippes kannst du vielleicht guten Geschmack oder Nerven töten, aber keine Zombies.

Foto von Evan Ruetsch

Zürich hat recht grosse Bunkeranlagen unter der Bahnhofstrasse. Diese sind aber mit Gold gefüllt und das ist bekanntlich wertvoller als Menschen, insbesondere in Zürich. Also werden die kaum extra geräumt.

In Zürich ist es aber auch drinnen nirgends sicher: Mindestens ein Zombie wird noch jemanden kennen, der jemanden kennt und dann doch noch auf der Gästeliste für die „We might survive"-Party landen.

Zudem hat Zürich den grössten Flughafen der Schweiz, sollte das Virus nicht in einem missratenen Roche-Experiment entstanden sein (Wer's glaubt!), sondern sich international einfliegen lassen, ist Zürich natürlich Infektionsherd und wegen der vielen Einwohner gleich doppelt am Arsch.

Zürich hat aber auch einige Vorteile gegenüber anderen Regionen: In Zürich haben wir zum Beispiel den Zürichsee und sein enormes Vorkommen an privaten Wasserfahrzeugen. Die kleinen Luxusarchen sind sehr schlecht gesichert. Das weiss sehr genau, wer am Zürichsee seine Kindheit verbracht hat. (Damals sind wir schon rausgeschwommen und haben die schwimmenden Statussymbole zeitweise gekapert.)

Ausserdem beherbergt Zürich den Hauptsitz der Hells Angels Schweiz. Den Augenblick, in dem eine bärtige, in tiefstem Bariton brummende Harley-Chimära aus Ketten, Alu-Baseballschlägern und abgesägten Schrotflinten, die Langstrasse säubert, wird zumindest das visuelle Highlight der eidgenössischen Zombie-Apokalypse!

Deinen persönlichen Überlebensplan kannst du uns gerne auf Twitter mitteilen:

Till auf Twitter: @trippmann

Vice Schweiz auf Twitter: @viceswitzerland