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Popkultur

Wie die Mode ins Outback kam

Krystal Perkins geht es darum, die Gesichter australischer Ureinwohner in die reinweiße Welt der Haute Couture zu bringen.
23.4.14

Foto mit freundlicher Genehmigung der Australian Indigenous Fashion Week

Der australische Busch ist eine gewaltige Ödnis und von der Welt der Haute Couture weitgehend abgeschnitten. Und doch gibt es in all dieser Leere auch kreatives Handwerk und Kunst. Und wo es Kunst gibt, besteht auch die Möglichkeit, diese in gewinnbringendes Mode­gold zu verwandeln.

Im April findet die allererste Australian Indigenous Fashion Week statt. Die Idee dazu stammt von Krystal Perkins, einer Marketingmanagerin, die auch am Aufbau des australischen Fernsehsenders National Indigenous Television beteiligt war. Ihr geht es darum, die Gesichter australischer Ureinwohner in die reinweiße Welt der Haute Couture zu bringen; mit Ausnahme von Samantha Harris gibt es nämlich kaum indigene aus­tralische Schönheitssymbole. Von den 1.100 Modellen, die bei den großen australischen Agenturen unter Vertrag stehen, sind laut einem Artikel des australischen Frauenmagazins CLEO gerade mal sieben Aborigines.

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„Ich war erstaunt, dass es in der Mode kaum dunkelhäutige Gesichter gibt“, erzählte Krystal mir. Sie glaubt, eine größere Vielfalt in der Modewelt könnte indigenen Mädchen und jungen Frauen helfen, sich selbst als schön wahrzunehmen.

Im Vorfeld der Indigenous Fashion Week findet ein Modelwettbewerb für junge Aborigines statt, bei dem 16 Teilnehmer ausgewählt werden, die dann in Sydney etwas über das Modelbusiness und seine Regeln erfahren und den richtigen Gang über den Laufsteg lernen können.

Das Modeln gehört allerdings nicht gerade zu den traditionellen Beschäftigungen indigener junger Leute. „Die Entscheidung muss von der ganzen Gemeinschaft getroffen werden“, so Krystal. „Wenn ein junges Mädchen modeln möchte, müssen nicht nur die Eltern einverstanden sein, sondern auch ihre Tanten und Onkel.“

Während der Fashion Week findet auch ein Workshop für indigene Designerinnen aus dem ganzen Land statt. Krystal hofft, dass es einigen von ihnen gelingt, in die Fußstapfen von Jimmy Pike zu treten, einem indigenen Künstler, der im Gefängnis zu malen begann und mittlerweile Einzelanfertigungen für Desert Designs und Textilien für Oroton und Sheridan produziert.

Bei alledem geht es nicht da­rum, der indigenen Bevölkerung beizubringen, wie Kunst gemacht wird, das kann sie bereits. Es geht darum, ihr zu helfen, ein zahlendes Publikum für ihre Arbeit zu finden. Zwar handelt es sich bei der Kunst zum größten Teil um Design und Malerei, doch finden sich auch andere Techniken, die sich mühelos in der Modebranche unterbringen ließen. Künstler von den Tiwi-Inseln haben begonnen, die Webtraditionen der Region für Taschen und Accessoires zu verwenden. In Südaustralien könnte der Brauch, Känguruh- und Oppossumhäute zu trocknen, um daraus Mäntel zu fertigen, Krystal zufolge einen neuen Modetrend auslösen: In Europa und Asien gibt es bereits Interesse an Mänteln aus Oppossumfell.