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DIE SCHNITZEL UND STRUDEL AUSGABE

Die Herrscher der Nacht

Eine Porträtreihe von Wiens legendärsten Nachtclub-Dinosauriern.
9.5.14

Victor „Vickerl“ Hennemann galt als „King of Swing“ und war Besitzer verschiedener Clubs in Wien, darunter auch der Kore Palast, das spätere Atlantis. Unsterblichkeit erlangte er mit seiner Rolle als „Vickerl“ in Ulrich Seidls „Hundstage“. Victor starb 2013 nach einem Herzinfarkt an seiner Bar.

Wenn man die strukturelle Gewalt komplett außen vor lässt, mit der in diesem Geschäftsfeld Frauen ausgebeutet werden, ist das Wiener Rotlichtmilieu wie ein geheimnisvoll funkelnder Rubin aus dem Kaugummi-Automaten. Also aus der Ferne faszinierend, aus der Nähe betrachtet aber billig und voller eingefrorener Blubberblasen—und genau wegen dieser Ungereimtheiten spannender als alles, was beim professionellen Feinschliff echter Edelsteine rauskommen könnte. Die Besonderheit der hiesigen Puffs, Swingerclubs und Sexkabinen ist dabei untrennbar mit der Besonderheit Wiens und seiner Strizzis verbunden. Die Protagonisten dieses Geschäfts sind erhaben, obwohl sie innerlich bröckeln, und umgeben sich mit Glitzer, Plüsch und Leopardenfellen.

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Die Szene besteht schon seit jeher aus Strizzis und, weniger verniedlichend, aus waschechten Kriminellen, denen nicht nur viel an Ehrgefühl, Handschlagqualität und sauberen Leopardenfell-Bettdecken, sondern auch an der Dauer ihrer abgeleisteten Haftstrafen lag, die wie Supertrumpf-Punkte gegeneinander ausgespielt wurden. Genau dieses Milieu haben die beiden Fotografen Florian Raidt und Sebastian Lager in der vorliegenden Serie anhand von sechs Wiener Nacht(club)-Legenden dokumentiert. Das Ergebnis ist eine Fotostrecke, die auch ohne viel Text die ganze Geschichte einer aussterbenden Spezies erzählt—und damit von einer Szene berichtet, die durch Direktsex-Angebote im Internet und neue Geschäftsmodelle wie Flatrate- Bordelle zum Wandel gezwungen ist. Bevor der alte Strizzi-Schlag vollkommen in den Rotlichtritzen der Stadt verschwindet, lassen wir hier noch mal sechs Protagonisten in ihrer ganzen großporigen Schönheit aufleben.

Manuel Scholda trat mit der Leitung des Clubs Frivoli.at das Erbe seiner Eltern an. Eine klassische Familiensituation kannte er nicht, dafür durfte er während seiner Schulzeit länger aufbleiben und konnte früh die Freiheit in seiner Teenagerwelt genießen.

Wolfgang „Rolex“ Bernet beeindruckt durch einen Körperbau wie Hulk Hogan und eine Entourage wie Hugh Hefner. Der frühere Pornodarsteller ist seit 30 Jahren im Nachtgeschäft und besitzt einige Nachtlokale in Wien und Graz, darunter die Peepshow Guckloch.at.

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Ralf Winter, Chef des Tempel-Swingerclubs und studierter Betriebswirt, arbeitete unter anderem im Marketing der Wien Energie, bevor er den Club, in dem er häufig Gast war, leitete.

Die Uhr von Wolfgang Bernet, Spitzname „Rolex“, der Bling fast genauso liebt, wie seine Autos.

Conny liebte immer schon eine „harte Hand“, weshalb er auch beschloss, das erste SM-Café Österreichs zu eröffnen. Das SMart Cafe besticht durch eine Kombination aus traditionellem Wiener Kaffeehaus und der Chance auf süße Bestrafung im Hinterzimmer.

Theo Böhm, Ex-Besitzer der Flamingo Bar am Gürtel, war 35 Jahre in der Nachtclubszene aktiv und verbüßte währenddesen mehrere Gefängnisstrafen—darunter eine 11-jährige wegen Mordes. Seit seinem Herzinfarkt vor 2 Jahren ist er sehr sportinteressiert.