Junge AfD, go home, you’re drunk!

Die JA hat schon wieder einen Skandal. Und es ist beileibe nicht der erste.

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20 Mai 2014, 11:52am

Wäre die AfD ein Mensch, dann wäre sie ein Typ (es sollte wohl klar sein, dass es sich um keine Frau handeln kann), der irgendwie ein bisschen zu klein geraten ist und seine mangelnde Körpergröße mit einem überproportional großen Selbstbewusstsein kompensiert, das nicht auf irgendwelchen real existierenden Eigenschaften beruht. Würde man mit ihm ausgehen (hypothetisch gesprochen, natürlich würden wir niemals mit diesem Typen ausgehen), würde er permanent Frauen angraben (er wäre selbstverständlich heterosexuell) und nicht verstehen, wenn sie ihm die kalte Schulter zeigen. Er würde es bei der Party total übertreiben, und am nächsten morgen wäre es ihm nicht mal peinlich. So. Und jetzt muss man sich den pubertierenden kleinen Bruder dieser Person vorstellen. Das wäre dann die Junge Alternative für Deutschland, kurz JA.

Es ist wirklich nicht einfach, irgendetwas über diese Partei zu schreiben, weil man die ganze Zeit die Hände über dem Kopf zusammenzuschlagen muss. Die AfD bleibt ja nun wirklich nicht von Skandalen verschont, und zieht mittlerweile sogar die taz mit in den Strudel, aber die JA? Da ist der Skandal zum Dauerzustand geworden, könnte man sagen. Vor einiger Zeit haben wir über das Frauenbild dieser Partei berichtet, zwischenzeitlich musste einer der stellvertretenden Vorsitzenden, Benjamin Nolte aka Bananen-Nolte, zurücktreten. Er ist Mitglied des Altherrenvereins der Münchner Burschenschaft Danubia, deren noch studierende Mitglieder vom bayerischen Verfassungsschutz als rechtextremistisch eingestuft werden. Dann folgten Arschbilder, Hitlervergleiche etc. Wir haben ein paar der Fettnäpfchen, die bei der JA zu einem ganz normalen Tag dazugehören, zusammengestellt.

Für dieses Bild muss sich die JA möglicherweise demnächst vor Gericht verantworten. Wie bei praktisch allem, was die JA so postet und sagt, ist man mittlerweile um Relativierung bemüht. So ist laut JA dieses Motiv selbstverständlich keinesfalls ein Aufruf zur Selbstjustiz (oder dazu, jeden Sachbeschädiger sofort abzuknallen), sondern lediglich ein freundlicher Hinweis darauf, dass demnächst „Wild-West-Verhältnisse“ drohen.

Was gibt es eigentlich noch über Hitlervergleiche zu sagen, was nicht schon gesagt worden ist? Der Holocaust wird relativiert, die Kriegsschuld in Frage gestellt etc. etc. Die Faustregel wäre hier: Man sollte niemanden mit Hitler vergleichen, außer Hitler. Und jetzt mal im Ernst, JA, wollt ihr uns sagen, dass Martin Schulz vorhat, in seiner Funktion als Präsident des Europäischen Parlaments Juden zu vergasen? Oder einen Angriffskrieg zu führen, der 80 Millionen Menschen das Leben kosten wird? Echt, JA?

Ähnliche Geschichte eigentlich. Wer kommt bitte auf die Idee, den an der deutsch-deutschen Grenze erschossenen Peter Fechter auf so eine Art und Weise für einen Wahlkampf zu instrumentalisieren? Als dieses Bild aufgenommen wurde, lebte er noch und war gerade angeschossen worden. Dieses, in der Tat, qualvolle Leiden dermaßen platt und eindimensional zu benutzen, ist mehr als grenzwertig und eher ekelhaft.

Dieses Motiv ist auf mehreren Ebenen bizarr. Was soll uns das sagen? Werden wir in einem AFD/JA-geführten Deutschland ins Arbeitslager geworfen, wo uns muskulöse Bauarbeiter gangbangen? Also mir würden da ein paar Leute einfallen, die das ganz OK finden würden.

Ebenfalls die gleiche Schiene. Wird die Polizei demnächst von dramatisch geschminkten Dominas ersetzt, die dich erstmal ihre Stiefel lecken lassen und dir dann ein paar Hiebe mit dem Rohrstock geben, bevor sie dir einen Analdildo reinrammen? Auch da kenn ich ein paar Leute, die dabei wären.

Das hier war eines der ersten JA-Plakate, die in den Medien aufgetaucht sind. Und wieder ist nicht so ganz klar, was eigentlich gemeint ist. Was genau haben diese fünf Frauen mit entweder Gleichberechtigung oder Gleichmacherei zu tun? Hätte man jetzt beispielsweise „sexistische Kackscheiße“ auf dieses Plakat geschrieben, würde das dem Ganzen (und dem Parteiprogramm) doch auch schon viel näher kommen.

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