Das Geschäft mit der Gästeliste

Willst du wirklich mit einer App in den Club deiner Träume kommen?

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15 April 2016, 4:00am


Illustration von der entr-Website

Aus der ,Wir haben euch vermisst'-Ausgabe

Der Bass wummert. Die Lichter tanzen. Endorphine und andere Substanzen schießen durch deinen Körper. Feiern zu gehen ist für uns alle Eskapismus vom Alltag. Und immer treibt zahlreiche Menschen eine Frage um: Wie zur Hölle komme ich ins Berghain—oder jeden anderen coolen Club, der etwas auf seine selektive Türpolitik hält?

In Berlin entsteht gerade ein Markt für genau diese Leute; egal ob sie aus dem Ausland anreisen oder mit der S-Bahn. Zuerst annoncierten Privatpersonen online Minikurse mit angeblicher Garantie, Menschen in ihren Wunschclub zu bringen. Da es für jedes Problem aber auch eine App geben muss, folgte bald „entr". „Genervt von unberechenbaren Türstehern?" begrüßt die derzeit noch nicht gelaunchte Anwendung ihre Nutzer. User, hier „Plus One" genannt, sollen mit „Heroes", Szenemenschen, verbunden werden. Letztere werden bei Erfolg, also Clubeintritt, bezahlt. Noch weiter geht „koka": Der Service verspricht, Nutzer direkt auf die Gästeliste zu setzen—per Whatsapp.Dahinter steckt der Glaube, dass man sich mit Geld überall einkaufen kann. Dass auch ein Club kein geschützter Raum sein sollte, über dessen Zusammensetzung er selbst entscheiden darf.

Natürlich hat nicht jeder, der auf der Gästeliste steht, es „verdient". Und das Bohei um die Tür hätte niemals größer als die Musik selbst werden dürfen. Wie liberal kann eine Party sein, wenn an ihr eben doch nicht alle teilnehmen können?

Auf der anderen Seite: Was sagt es eigentlich über dich aus, wenn du Leute dafür bezahlst, ihre Integrität aufzugeben? Und du gestehst dir selbst ein, es nötig zu haben, Geld zu zahlen, um einen Raum zu betreten, in dem du vielleicht nicht erwünscht bist. Das alles zeigt die potenzielle Zukunft dieser Apps: keine.



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