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Jennifer Rostock liefern mit „Wähl die AfD“ den klügsten AfD-Song ab

Den Jennifer Rostock-Song hören und danach sein Kreuz bei der AfD machen? Das macht doch keiner—und dann haben wir die Kommentare gelesen.

von VICE Staff
31 August 2016, 9:57am

UPDATE: Keine große Überraschung, aber AfD-Wähler mögen den Song nicht. So hat Jennifer Rostock-Sängerin Jennifer Weist in ihrem Briefkasten einen Zettel gefunden, in dem als „Schlampe“ beschimpft wird. Sie solle endlich aufhören, AfD-Wähler zu beleidigen und außerdem müsse „die verfickte hure merkel [sic]“ weg. Dass ihr jemand heimlich so einen Brief in ihren Briefkasten gesteckt hat, um sie einzuschüchtern und eine persönliche Unterhaltung zu vermeiden, macht die Musikerin „unfassbar sauer“.

Am Sonntag wird in Mecklenburg-Vorpommern der Landtag gewählt. Bei der letzten Wahl 2011 holte die rechtsextreme NPD sechs Prozent, stärkste Kraft war die SPD, gefolgt von der CDU und der Linken. Für das Bundesland mit dem rechten Ruf eigentlich kein schlechtes Ergebnis. Doch damals gab es ja auch noch keine große Flüchtlingsdebatte. Fünf Jahre später hofft die Alternative für Deutschland (AfD) darauf, stärkste Partei im Landtag zu werden—und Beobachter halten das sogar für möglich. Grund genug für Jennifer und Joe von Jennifer Rostock, sich vor die Kamera zu setzen und ein aufklärendes Lied darüber zu singen, wofür man als AfD-Wähler eigentlich so steht.

„Bist du alleinerziehend und willst nicht, dass der Staat dich unterstützt? Dann wähl’ die AfD“, beginnt Sängerin Jennifer Weist und zeigt schonungslos, wie stark das Parteiprogramm von den Interessen der meisten ihrer Wähler doch entfernt ist. Den Song hören und danach dann doch sein Kreuz bei der AfD machen? Das macht doch keiner—würden wir gerne glauben. Und dann schubsen uns wieder Top-Kommentare mit ihren Chemtrail-versprühenden Flugzeugen von unserer Traumwolke: Wählen bringe doch eh nix, die Band solle mal lieber aufwachen und bei der Musik bleiben, die anderen Parteien sind viel schlimmer und werden von Besatzungsmächten gelenkt und so weiter.

Es sind die selben Argumente, die wir in den letzten Jahren viel zu oft überall lesen mussten. Dass sich Jennifer Rostock dem freiwillig aussetzen, ja sogar mit ihrem Statement-Song herausfordern, ist mutig und gut. Und verdammt wichtig. Ähnlich wie Feine Sahne Fischfilet mit ihrer „Noch nicht komplett im Arsch“-Aktion und das jährliche Toleranz-Festival im „Nazidorf“ Jamel zeigen sie, dass Musik mehr als nur bloße Bespaßung sein kann—und manchmal auch sein muss.