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Popkultur

„The Revenant—Der Rückkehrer" erzählt von der unvorstellbaren Kraft des menschlichen Willens

„Wer sind wir, wenn wir ganz auf uns alleine gestellt sind? Aus welchem Holz sind wir geschnitzt und zu was sind wir fähig?“

von The Creators Project
18 Dezember 2015, 3:49pm

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Alle Bilder: © 2015 Twentieth Century Fox

„Ich habe keine Angst mehr, zu sterben - ich bin schon tot.“ Dieser Satz ist sicherlich die signifikanteste Aussage der Hauptfigur Hugh Glass im jüngsten Werk des Oscar®-gekrönten Filmregisseurs Alejandro González Iñárritu („Birdman“, „Babel“). In „The Revenant – Der Rückkehrer“ inszeniert er in monumentalen Bildern das auf wahren Begebenheiten beruhende Survival-Abenteuer eines Mannes, der Unvorstellbares durchlebt hat und dessen Geschichte par excellence von der außergewöhnlichen Kraft des menschlichen Willens zeugt.

Es ist das Jahr 1823. Hugh Glass (Leonardo DiCaprio) lebt als Trapper für die Rocky Mountain Fur Company ein entbehrungsreiches Leben auf dem Außenposten der amerikanischen Zivilisation. Er gilt als erfahrener Waldläufer und ausgezeichneter Fährtenleser. Eines Tages begibt er sich auf eine Expedition in die tiefe amerikanische Wildnis, wo er brutal von einem Bären angegriffen und schwer verletzt wird. Seine Jagdbegleiter sind davon überzeugt, dass er dem Tod geweiht ist—und lassen ihn zurück.

Auch Glass' engster Vertrauter John Fitzgerald (Tom Hardy) verrät ihn und bricht auf. In seinem dramatischen Überlebenskampf erleidet Glass unerträgliche Qualen. Mit übermenschlichem Willen, angetrieben durch die Hoffnung auf Rache und die Liebe zu seiner Familie, kämpft Glass sich durch einen unerbittlichen Winter in der Wildnis zurück ins Leben.

Die Herangehensweise Iñárritus bei der filmischen Umsetzung des Stoffes ist bemerkenswert. Er beschloss die Filmszenen in chronologischer Reihenfolge abzudrehen, um den ursprünglichen Verlauf der Reise von Glass beizubehalten. Außerdem wurde komplett auf den Einsatz von künstlichem Licht verzichtet und stattdessen ausschließlich mit natürlichen Lichtquellen, wie zum Beispiel Sonnenlicht oder Feuerschein, gearbeitet – auch wenn das die Suche nach geeigneten Drehorten, die passende Lichtverhältnisse zu den entsprechenden Tageszeiten aufwiesen, erheblich erschwerte.

Neben den Lichtverhältnissen wurde bei der Auswahl der Landschaften Wert darauf gelegt, dass dort die rauen Witterungsbedingungen des Amerikanischen Westens von 1823 vorherrschten und die Natur vom Menschen weitestgehend unberührt war. Dahinter steckte die Absicht, mit den Bildern „wirklich tief in den Instinkten der Zuschauer anzukommen“, so Iñárritu. Es dauerte ganze fünf Jahre, die passenden Locations ausfindig zu machen. Und letztendlich sollte auch mit fließenden und lang anhaltenden Totalen gearbeitet werden.

Für die Totalen verwendete Kameramann Lubezki („Birdman“) die brandneue digitale Großformat-Kamera Arri Alexa 65. So konnte er unter Zuhilfenahme von 12mm- bis 21mm-Weitwinkelobjektiven  extreme Tiefen erzeugen. Die Flexibilität des Systems erlaubte Kamerabewegungen, die oftmals von  Nahaufnahmen in Panoramen übergingen, analog zur Handlung des Films. Um zu gewährleisten, dass Inárritu die Aufnahmen später wie ein Choreograf zusammenfügen konnte, operierte das Team mit einer Kombination aus drei unterschiedlichen Methodiken: Teleskopkräne, Steadicams und per Hand gedrehtes Material.

Iñárritu wollte laut eigenen Angaben in dem Filmepos grundlegenden Fragen zur menschlichen Beschaffenheit auf den Grund gehen: „Wer sind wir, wenn wir ganz auf uns alleine gestellt sind? Aus welchem Holz sind wir geschnitzt und zu was sind wir fähig?“

Dieses Motiv schienen alle Beteiligten auch während der Dreharbeiten in Alberta, Kanada und Süd-Argentinien verinnerlicht zu haben. Darsteller und Crew nahmen für den Film immense Strapazen auf sich: Schnee, Wind und hoch über dem Meeresspiegel gelegene Locations ließen sie nachempfinden, wie hart die Lebensumstände zur Zeit von Hugh Glass im Gebiet von South-Dakota gewesen sein müssen. Die Gefahren reichten von Bären über Lawinen bis hin zu waschechten Schneestürmen. Leonardo DiCaprio war in der Rolle des Hugh Glass physisch so stark gefordert wie nie zuvor in seiner Karriere als Schauspieler, da er viele der Stunts selbst durchführte: Er war unter Schnee begraben, marschierte nackt bei Minustemperaturen und sprang in vereiste Flussläufe.

Iñárritu ließ die Lebensumstände der Trapper - angefangen von der Sprache bis zu ihren Werkzeugen - genauestens recherchieren, um den Zuschauern ein möglichst authentisches Kinoerlebnis zu bieten und sie gänzlich in die Welt von Hugh Glass zu entführen. Offenbar ist ihm dies so eindrucksvoll gelungen, dass „ The Revenant – Der Rückkehrer“ bei den Golden Globes 2016 gleich in vier Kategorien nominiert worden ist: Bester Film – Drama, Beste Regie (Alejandro González Iñárritu), Bester Hauptdarsteller – Drama (Leonardo DiCaprio), Beste Filmmusik (Ryuichi Sakamoto und Alva Noto).

Filmstart von „The Revenant – Der Rückkehrer“ in Deutschland ist der 06. Januar 2016.

Als Vorlage für das Drehbuch, an dem Iñárritu ebenfalls mitschrieb, diente der Roman „The Revenant“ von Michael Punke, welcher die fesselnde Geschichte des legendären Forschers und Abenteurers Hugh Glass nacherzählt.