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Zusammen feiern verboten—Der Iran greift gegen gemischtgeschlechtliche Partys durch

Laut Berichten einer Nachrichtenagentur und einer Oppositionsorganisation wurden allein im Dezember über 200 Menschen festgenommen.

von Krystal Rodriguez
19 Dezember 2016, 12:20pm

Photo via Wikimedia Commons

Die Gesetze im Iran sind streng und werden von der Sittenpolizei und anderen Behörden peinlichst überwacht. Jetzt sollen laut verschiedensten Berichten allein im Dezember 228 überwiegend junge Menschen bei Party-Razzien festgenommen worden sein.

Sowohl die Nachrichtenagentur AFP als auch die Oppositionsorganisation NCRI zitieren dabei einen Vorfall in der letzten Woche, bei dem es 120 Partygäste erwischt haben soll. Ihr Vergehen: Sie waren unterschiedlichen Geschlechts und wurden deshalb Opfer einer Operation gegen gemischtgeschlechtliche Partys. Denn seit im Zuge der Revolution 1979 extrem konservative Gesellschaftsnormen durchgesetzt wurden, ist Feiern ohne Geschlechtertrennung im Iran verboten.

15 der Personen werden außerdem beschuldigt, gegen das Alkoholverbot verstoßen zu haben. Alle Anwesenden hätten obendrein die gesetzlich geregelte Kleiderordnung missachtet. Zwei laut Behördenangaben nichtlizensierte "Untergrundsänger" wurden ebenfalls festgenommen.

"Mehr als 30" weitere Personen erwischte die Polizei, laut NCRI, auf einer anderen Party in Teheran. Auch hier soll der Vorwurf gelautet haben, es läge ein Verstoß gegen die Geschlechtertrennung vor. Gleiches gilt für eine Geburtstagparty und deren 54 Gäste in der Stadt Abadan sowie 24 Feiernde in Mashad.

Derartige Verhaftungen sind im Iran keine Seltenheit. Allein innerhalb der ersten sechs Monate des Jahre gabe es mindestens zehn solcher Razzien bei ähnlichen Veranstaltungen—inklusive Geburtstags- und Abschlussfeiern. In vielen Fällen werden die Festgenommenen mit Peitschenhieben bestraft.

Vom iranischen Regime wird lediglich klassische und traditionelle Musik toleriert. Jegliche westliche Musik—inklusive elektronischer—ist verboten. Anfang dieses Jahres hatten die zwei iranischen Produzenten und DJs Anoosh Raki und Arash Shadram in der Dokumentation Raving Iran die Zuschauer mit in die verbotene Welt von Irans Underground-Techno-Szene genommen. THUMP hat damals sowohl die beiden als auch Regisseurin Susanne Meures interviewt.

Anoosh und Arash haben mittlerweile u.a. im Münchener Harry Klein, dem Kater Blau in Berlin und dem Kölner JackWho aufgelegt und spielen am 30. Dezember im Ritter Butzke, Berlin.

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