Tech

Mit diesem Google-Klon ist das Darknet-Warenangebot nur einen Klick entfernt

Nie war es leichter, das Darknet zu betreten.
19 April 2017, 10:27am
Bild: Grams

Das Darknet hat zweifellos einige Vorteile – Zugänglichkeit gehörte bislang nicht dazu. Für manchen stellt es schon eine Hürde dar, dass man einen speziellen Browser braucht, um ins Tor-Netzwerk zu kommen. Anders als im regulären Internet gibt es kein Google, mit dem sich alles finden lässt. Außerdem sind die URLs keine einfachen Begriffe, sondern beinhalten oft komplizierte Ziffernfolgen. Wer durch das Darknet navigieren will, muss diese Onion-Domains kennen und braucht dafür wiederum Verzeichnisse wie das Hidden Wiki, wo die verschiedenen Schwarzmärkte und Darknet-Angebote aufgelistet werden. Doch diese Zeiten sind nun vorbei: Ab sofort reicht der reguläre Browser sowie ein einziger Link, um das Deep Web zu betreten.

Unter https://grams.site ist seit wenigen Tagen die Clearweb-Version der Darknet-Suchmaschine Grams erreichbar. Die vom Internetgiganten Google inspirierte Webseite veränderte bereits vor drei Jahren das Nutzungsverhalten vieler Deep-Web-User, denn sie war die erste Suchmaschine, die systematisch die Angebote von Darknet-Schwarzmärkten durchleuchtete. Bis April 2013 nämlich war nicht nur der Zugang, sondern auch die Navigation zu diesen Schwarzmärkten überaus schwierig: Zentrale Anlaufstellen gab es ebenso wenig wie Suchmaschinen oder Filtermöglichkeiten, stattdessen eine schier unüberschaubare Zahl verschiedener Seiten ohne erkennbares System. Einfach mal herumklicken und sich auf der Datenautobahn von einem Ort zum anderen treiben lassen, war damit nahezu unmöglich.

Grams bündelt dieses uneinheitliche Chaos – zumindest für die Darknet-Schwarzmärkte, die zwar nur einen kleinen, aber viel beachteten Teil im Tor-Netzwerks ausmachen. So funktioniert die Schwarzmarkt-Suchmaschine: Ein kontinuierlich angepasster Algorithmus scannt einige der größten Darknet-Märkte wie AlphaBay nach gewünschten Keywords und gibt die Ergebnisse im bekannten Google-Stil wieder. Das Anlegen riesiger Lesezeichenlisten entfällt für Nutzer ebenso wie stundenlanges Durchforsten einschlägiger Subreddits; es reicht zu wissen, was gesucht wird – um das Wo kümmert sich fortan Grams.

Die Grams-Datenbank ist äußerst umfangreich und soll stetig vergrößert werden.

Auf der Suche nach LSD, einer Glock-Pistole oder Pornos? Nach kurzer Bedenkzeit listet Grams die entsprechenden Angebote der durchsuchten Märkte übersichtlich auf und geht dabei außerordentlich serviceorientiert vor. Neben einer Kurzbeschreibung des jeweiligen Suchtreffers nennt das Darknet-Google auch Anbieter, Preis (selbstverständlich in verschiedenen Währungen – von Bitcoin bis Euro) und Herkunftsland der Ware. Selbst Google-Adsense-ähnliche Werbebanner lassen sich schalten, damit der eigene Shop bei der Ausgabe der Suchergebnisse bevorzugt behandelt wird. Weitere Komfortfunktionen sollen laut Grams zeitnah folgen.

Für Unentschlossene bildet die Suchmaschine sogar Googles „Auf gut Glück"-Suche nach. Die sogenannte „I'm feeling lucky"-Funktion durchsucht die Grams-Märkte nach einem zufälligen Keyword, spuckt etwa 88 Treffer für den Begriff „grenade" oder gar 246 verschiedene „glock"-Ergebnisse aus.

Die populärsten Suchanfragen zeigen deutlich, wofür Grams tatsächlich genutzt wird.

All das ist im Grunde gar nicht neu. Seit drei Jahren arbeiten die Betreiber stetig daran, ihr Angebot zu verbessern und treiben die unaufhaltsame Professionalisierung des Darknets damit weiter voran. Doch womöglich haben sie die Implikationen ihrer Plattform schlicht überschätzt: Im Motherboard-Interview zeigte sich der anonyme Grams-Admin damals zuversichtlich, was die Entwicklung des Darknets anbelangt: weg vom halblegalen Umschlagplatz für fragwürdige Dienstleistungen hin zur unverzichtbaren Recherche- und Enthüllungsplattform für Journalisten und Whistleblower. Ausgerechnet die Grams-Trends, in denen die häufigsten Suchanfragen aufgeführt werden, straft diese Prognose nun Lügen: Drogen, Waffen, Sex – die populärsten Suchbegriffe lassen sich ausnahmlos diesen dreiKategorien zuordnen. Statt gesellschaftlich relevante Nutzungsmöglichkeiten aufzuzeigen, fungiert Grams vielmehr als Multiplikator für diejenigen, die das Darknet ohnehin für ihre illegalen Angebote nutzen.

Trotz allem wird die durch Grams vorangetriebene Professionalisierung des Darknets kaum dazu beitragen, einer Grauzone, die primär als Drogenumschlagplatz dient, über Nacht zu gesellschaftlicher Akzeptanz verhelfen. Tatsächlich könnte die für experimentierfreudige Neugierige stark vereinfachte Zugänglichkeit sogar den gegenteiligen Effekt haben und dafür sorgen, dass Behörden einen noch genaueren Blick auf das Deep Web werfen, als es ohnehin schon der Fall ist.