'Guild Wars'-Macher richten Gamer-Avatar wegen Cheatings öffentlich hin

Bereits 1 Million Guild-Wars-2-Zocker sahen die Hinrichtung von User DarkSide, dessen Avatar die Spieleentwickler öffentlich strippen und in den Tod springen ließen.

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11 Mai 2015, 10:51am

Avatar DarkSide springt in den Tod. Foto: Screenshot YouTube

Guild-Wars-2-Avatar DarkSide ist tot. Bis auf die Unterwäsche entblößt sprang er winkend in den Freitod. Verantwortlich für diese makabere Aktion zeichnet die Entwicklerfirma von Guild Wars 2, ArenaNet.

Wochenlang hatte ein Hacker unter dem Pseudonym DarkSide in der Online-Community des bekannten MMORPG-Spiels für Unruhe gesorgt und andere User schier zur Verzweiflung gebracht. DarkSide teleportierte sich quer durch die Welten, richtete massive Schäden an und beseitigte jeden, der sich ihm in den Weg stellte. Er selbst kam dabei stets unbeschadet davon.

Am 2. Mai veröffentlichten entnervte Guild-Wars-2-Spieler dann schließlich folgendes zehnminütiges Video von den Untaten DarkSides, um die Verantwortlichen von ArenaNet, der Entwicklerfirma des Spiels, endlich zum Handeln zu Bewegen:

ArenaNets Hauptverantwortlicher für Spielsicherheit, Chris Cleary, meldete sich umgehend zu Wort und versprach, die Sache in die Hand zunehmen: „Wir brauchen uns das nicht in-game anzusehen. Manchmal reicht mir ein guter Videobeweis aus, um herauszufinden, wer es war. In diesem Fall war das Video genug, um den Verantwortlichen aufzuspüren und etwas zu unternehmen."

Sprach's und übernahm den Account von DarkSide, um dessen Avatar in aller Öffentlichkeit bloßzustellen. Cleary ließ den Avatar zunächst ein kurzes Striptease hinlegen, dann seine gesamten Waffen ablegen und fröhlich winkend von einem Turm in den Tod springen.

Bis jetzt haben sich knapp 1 Million User die als Selbstmord getarnte öffentliche Hinrichtung angesehen.

Den entsprechenden Videobeweis postete Cleary anschließend auf YouTube. Bis jetzt haben sich knapp 1 Million User die als Selbstmord getarnte öffentliche Hinrichtung angesehen.

Während viele Guild-Wars-2-Spieler die bloßstellende Racheaktion abfeiern, kommt aus der Community auch jede Menge Kritik am Verhalten von ArenaNet. Einige der leiseren Stimmen bemängeln dabei, man habe dem Hacker durch die Aktion nur zu mehr Ruhm verholfen, wobei andere schimpfen, dass Arena Net den Fall viel zu lange ignoriert habe und doch endlich mal die Sicherheitslücken schließen solle, die diese Art des Cheatings erst möglich machen.

Den eigentlichen Skandal sehen viele allerdings in der Tatsache, dass eine öffentliche Bloßstellung und Hinrichtung in Zeiten der medialen Dauerpräsenz von roher Gewalt, die von Gruppen wie dem IS für Propagangazwecke instrumentalisiert werden, eine unnötige Zurschaustellung von Härte darstellt. Viele Kommentatoren begrüßen das Public Shaming von Seiten ArenaNets, andere hingegen kritisieren die drakonische Aktion gegen DarkSide, die den Avatar zur Abschreckung in aller Öffentlichkeit der Lächerlichkeit preis gibt und schließlich—fast schon in Manier von Mittelalterjustiz—Bilder seines Todes für alle zum Anschauen hochlädt.

Anmerkung: Manche Studien deuten darauf hin, dass eine Berichterstattung, in der auch das Thema Suizid behandelt wird, unter Umständen Nachahmungstaten auslösen kann. Ein Suizid hängt häufig mit psychischen Erkrankrungen zusammen, die mit professioneller Hilfe gelindert und geheilt werden können. Solltet ihr—auch als Angehöriger—Hilfe benötigen, so bietet die Deutsche Gesellschaft zur Suizidprävention auf ihrer Website verschiedenen Ansprechpartner. Auch die Telefonseelsorge bietet unter den Rufnummer 0800 - 111 0 111 und 0800 - 111 0 222 anonym professionelle Hilfe an.