Affen sollten für uns Menschen ein respektierter Kamerad sein. Sie fliegen für uns in den Weltraum, erkennen soziales Verhalten und ihre Gene stimmen zu 99 Prozent mit den unseren überein. Da ist es eigentlich nicht allzu überraschend, dass die Gesten der Affen eine Grundlage für die menschliche Sprache darstellen, wie eine Studie jetzt offiziell belegte.Für die Untersuchung verbrachten Catherine Hobaiter und Richard Byrne, beide Primatologen an der schottischen St. Andrews Universität, 18 Monate im Budongo Forest Reserve in Uganda und beobachteten verschiedene Schimpansen- und Bonobogruppen. Akribisch dokumentierten sie mehr als 4.500 Gesten in 3.400 Affenkommunikationen. Dabei notierten sie die Gesten des initiierenden Schimpansen und die des Antwortenden.
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Vorhergehende Studien haben zwar bewiesen, dass Tiere, insbesondere Affen, komplexe Informationen von anderen verstehen, doch die Erkenntnis, dass sie das mit Absicht tun, um eine Handlung zu evozieren ist neu.
Die folgende statistische Analyse reduzierte die Ergebnisse auf 66 Gesten, die insgesamt 19 Bedeutungen vermitteln. 36 Gesten hatten eindeutige bekannte Bedeutungen. Einige Gesten beinhalten die gleiche Bedeutung und werden eingesetzt, falls der Adressat die Botschaft nicht richtig verstanden hat.Ein Aufstampfen mit den Füßen ist zum Beispiel der Aufruf zum sofortigen Spielen, eine Annäherung bedeutet „Ich will das haben." und eine Luftumarmung ist das Bedürfnis nach Kontakt. Eine weitere eindeutige Geste ist das offensive Knabbern von Blättern, das sexuelle Aufmerksamkeit erregen soll.Verschiedene Bedeutungen hat zum Beispiel das Berühren eines anderen Affen, was zum einen bedeutet „Hör auf!", aber auch für „Klettere auf mich drauf!" oder „Geh weg!" eingesetzt werden kann. Als eine Mutter ihrem wimmernden Jungen ihren Fuß präsentierte, bedeutete sie ihm damit: „Komm, klettere hoch!". Sofort sprang das Junge auf den Rücken seiner Mutter und sie zogen zusammen ihrer Wege.
„Wir haben ein reiches System mit vielen verschiedenen Bedeutungen", erklärte Richard Byrne in der Beschreibung der Studie. „Wir haben die der menschlichen Sprache verwandteste Art der Kommunikation entdeckt, die die Natur zu bieten hat." Die Zeichen sind jedoch nicht so flexibel einsetzbar wie menschliche Gesten und unterliegen auch keiner Ordnung oder „Grammatik".Die Studie belegt damit die Ursprünge der menschlichen Sprache, die sich somit nicht plötzlich entwickelte sondern auf einer langen Tradition inhärenter kognitiver Fähigkeiten unserer Primatenherkunft liegt.Die Wissenschaftler weisen darauf hin, dass es möglicherweise noch viel mehr subtilere Gesten zwischen den Schimpansen und Bonobos gibt, die sie jedoch nicht interpretieren konnten. Die in der Studie aufgeführten Gesten sind ausschließlich solche, die eine Handlung nach sich ziehen.„Die wichtige Botschaft ist, dass es noch eine weitere Spezies gibt, deren Kontakte auf einer bedeutungsvollen Kommunikation aufbauen. Das ist also nicht einzigartig für uns Menschen.", sagte Catherine Hobaiter in einem Interview mit der BBC. „Ich denke nicht, dass wir so weit von den Affen entfent sind, wie wir es gerne wären."
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